Frau Keßler, mit welchen persönlichen Erwartungen sind Sie ins Amt gestartet?

Ich habe erwartet, dass ein Gemeinderat hin und wieder von den Bürgern zu anstehenden Themen angesprochen wird, das ist auch so. Und darüber freue ich mich, ich finde es toll, wenn die Bürger, auch die der Ortsteile, am Geschehen der Gesamtstadt teilnehmen. Ganz besonders freue ich mich, wenn ich von Leuten angesprochen werde, mit denen ich sonst nicht so viel zu tun habe. Ich diskutiere gerne, vor allem interessiert mich, wie andere denken und was sie für Ideen haben.

Wie persönlich gut aufgenommen fühlten Sie sich in das Gremium bzw. in Ihre Fraktion?

Das Aufgenommen werden sowohl von der Fraktion (Bürgerliste), als auch vom gesamten Gremium fand ich positiv. Gerade in der Fraktion finde ich es sehr angenehm, dass man seine eigene Meinung vertreten kann und darf, auch wenn die der Fraktionskollegen anders ist. Das ist im gesamten Rat so, auch wenn man anderes abstimmt als der Rest. Nach der Sitzung sitzt man zusammen, trinkt ein Bierchen.

Erhielten Sie Unterstützung seitens der Verwaltung, sich über Ihre Rechte und Pflichten als Ratsmitglied umfassend zu informieren und welche?

Wir hatten am Anfang unserer Gemeinderatszeit eine zweitägige Infoveranstaltung im Rathaus, da wurde unter anderem über Baurecht, allgemeine Rechte und Pflichten diskutiert. Zusätzlich habe ich mit zwei weiteren Gemeinderatskolleginnen an einem Seminar für Gemeinderatsfrauen (da ging es auch um Rechte und Pflichten) im Freiburger Raum teilgenommen, auch dies war sehr informativ. Vor allem hat man sich mit anderen Gemeinderätinnen austauschen können. Solche Gespräche und auch Vergleiche finde ich wichtig.

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Wie empfinden Sie die Diskussionskultur im Rat?

Mittlerweile gab es ein paar rege Diskussionen, und das ist auch gut so. Wenn es um Themen geht, die sämtliche Bonndorfer Bürger (inklusive der Ortsteile) betrifft, oder wenn große Summen ausgegeben werden, sollte man jedoch nicht an einem Abend diskutieren und abstimmen. Da würde ich mir wünschen, etwas mehr Zeit einzuräumen. Es braucht auch Zeit, sich entsprechend zu informieren. Übrigens habe ich da bis jetzt rundum positive Erfahrungen gemacht. Egal, von welcher Gemeinde oder Behörde ich Informationen haben wollte, ich hatte immer sehr nette, kompetente und auskunftswillige Personen am Telefon. Es ist mir schon klar, dass man nicht jeden Punkt ewig diskutieren muss, es geht mir wirklich nur um die großen Themen.

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Welche kommunalpolitischen Themen brennen Ihnen unter den Nägeln?

Derzeit beschäftigen mich mehrere Themen, mit der Öffnung des Freibades hatte ich mich intensiv beschäftigt. Aktuelle Punkte, über die ich mir Gedanken mache, sind das Studer Areal, bezahlbare Wohnungen, die Verkehrsbelästigung (Lärm), die allgemeine Bau- und Stadtentwicklung inklusive der Ortsteile, Kindergarten.

Wie haben Sie die Monate ohne Sitzung in der Corona-Phase empfunden? Wurden Sie von der Verwaltung und auch durch die Fraktionsspitze ausreichend über Entwicklungen informiert?

Ich muss sagen, wir wurden in der Corona-Zeit gut mit Informationen per E-Mail von der Stadtverwaltung versorgt. Alle waren da wirklich fleißig unterwegs. Natürlich wäre es schöner gewesen, man hätte persönlich kommunizieren können, aber das ging eben nicht. Manche Sachen konnten ja auch geschoben werden und kommen zu gegebener Zeit wieder auf den Tisch.

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Hat sich Ihre Einstellung zur kommunalpolitischen Arbeit geändert, seit Sie selbst im Gremium mitwirken? Haben Sie beispielsweise mehr Verständnis dafür, dass die Mühlen der Verwaltung manchmal nur langsam mahlen, oder durchaus Wünschenswertes nicht, oder nicht sofort umsetzbar ist?

Meine kommunalpolitische Einstellung hat sich in dem Sinne verändert, dass ich mich mit den verschiedenen Themen intensiver befasse. Interessiert hat mich das Ortsgeschehen schon immer, aber durch die Arbeit im Gemeinderat gibt es mehr Einblicke. Man muss manchmal tatsächlich feststellen, dass es Dinge gibt, die in der Theorie sehr einfach wären, sich aber in der Praxis nicht umsetzen lassen – sei es, weil es zu teuer ist oder sei es nur dadurch, dass höhere Instanzen es ablehnen. Da fällt es mir dann schwer, das zu akzeptieren.