Auf Kritik aus den Reihen der Mitglieder des Handels- und Gewerbevereins Bonndorf (HGV) stoßen Pläne, auf dem ehemaligen Studer­-Areal in der Weststadt mehrere Einkaufsmärkte anzusiedeln. Die 2,1 Hektar große ehemalige Gewerbefläche sei verkehrs- und lärmtechnisch wenig geeignet für eine Ansiedlung von Märkten, so die Kritik. Vor allem werden negative Auswirkungen auf den HGV-Einzelhandel der Kernstadt und den Tourismus befürchtet.

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Der Gemeinderat hatte in der jüngsten Sitzung mehrheitlich dem Entwurf des Bebauungsplans „Einzelhandel Waldallee/Rothausstraße“ zugestimmt. Auch eine frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung wurde beschlossen, obwohl dies in diesem Fall rechtlich nicht gefordert wäre, da das Projekt im sogenannten Beschleunigten Verfahren (ausschließlich Bebauungspläne der Innenentwicklung, Paragraph 13 a Baugesetzbuch) abgearbeitet werden soll.

Öffentlichkeitsbeteiligung

Die HGV-Vorsitzende Susanne Spachholz stuft eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung als notwendig ein, bemängelt jedoch den gewählten Zeitraum im Frühjahr. Es sei derzeit nicht abzusehen, in welchem Maße eine Bürgerinformationsveranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie überhaupt werde stattfinden können. Ein späterer Zeitpunkt 2021 wäre hier hilfreicher. Es gebe aus HGV-Sicht auch keinen Grund zur Eile, das Studer-Areal für eine Bebauung mit Einkaufsmärkten letztgültig freizugeben. 2011 sei die Idee zwar aufgekommen, dann aber in der Schublade verschwunden und in den Köpfen nicht mehr präsent gewesen. Für viele HGV-Mitglieder sei der Verwaltungsvorstoß Anfang dieses Jahr völlig überraschend gekommen.

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Kritisch beäugt wird die Erhebung eines Fachbüros zum Verkehrsaufkommen im Bereich der Kreuzung Rothausstraße/B 315 sowie der Waldallee. Die präsentierten Zahlen zum zusätzlich zu erwartenden Fahrzeugaufkommen in dem Gebiet seien zumindest fragwürdig. Unberücksichtigt geblieben sei die Zunahme des Binnenverkehrs seit Anfang der 1990er Jahre in dem Gebiet – durch Großbetriebe in der Allmendstraße sowie die erweiterten Wohngebiete Mittlishardt und das neue Bebauungsgebiet Waldfrieden. Befürchtet wird eine Minderung der Wohnqualität und der Sicherheit der Fußgänger in der Waldallee und Im Bierbrunnen durch Zunahme des Individual- sowie Lastwagen-Zulieferverkehrs der Märkte.

Probleme mit dem Niederschlagswasser

Probleme durch Flächenversiegelung des Geländes bei Starkregen seien nicht auszuschließen. Zwar profitiere die Weststadt voraussichtlich durch eine verbesserte Konsumgüterversorgung. Jedoch gehe der Oststadt durch eine Verlegung eines dort ansässigen Discounters diese verloren.

Wirtschaftliche Befürchtungen

Negative Auswirkungen auf den innerstädtischen Einzelhandel durch die Ansiedlung von Discountern auf dem Studer-Areal können nicht ausgeschlossen werden. Es gehe weniger um direkte Konkurrenz im Sortiment, sondern um ausbleibende Kundschaft in den Kernstadtgeschäften, so Susanne Spachholz. Befürchtet wird beispielsweise das Wegbrechen von Kundschaft aus Lenzkirch und Schluchsee, die nicht mehr unbedingt in die Innenstadt fährt.

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Damit einhergehend seien auf Dauer ein Geschäftssterben und weniger Tourismus denkbar – diese Wechselwirkung könne in eine negative Spirale münden. Ein Gutteil der Kundschaft im kleinen Einzelhandel sei Touristen, die während ihres Bonndorfer Aufenthalts gerne durch die Geschäfte der Innenstadt schlendern. Als Standortfaktor sei der innerstädtische Einzelhandel bedeutsam für ein künftiges Bevölkerungswachstum.

Schreiben an die Gemeinderäte

Den Gemeinderatsmitgliedern liegt mittlerweile ein Schreiben der Hoteliersfamilie Möhringer, die dass Schwarzwaldhotel betreibt, vor, das sich intensiv mit den Bedenken und Anregungen auseinandersetzt. Die Gremiumsmitglieder werden darin gebeten, sich nochmals mit dem Thema zu beschäftigen. Die Familie Möhringer befürchtet aufgrund des zu erwartenden erhöhten Verkehrsaufkommens in der Rothausstraße einen Rückgang der Gästezahlen. Dies würde sich wiederum negativ auf den Bonndorfer Einzelhandel auswirken.