Der Japanische Garten in Bonndorf darf mit Fug und Recht als etwas Besonderes bezeichnet werden. Die naturnahe Parkanlage bietet zahlreiche idyllische Plätzchen und Gestaltungselemente, die dazu einladen, entdeckt zu werden.

Auch eine Steinlaterne ist zu finden.
Auch eine Steinlaterne ist zu finden. | Bild: Erhard Morath

Beim Besuch im eigentlichen Japanischen Garten, dem prägendsten und namengebenden Teil der Parkanlage, sticht das Teehaus, ein pagodenhaft anmutender Pavillon, ins Auge und bleibt im Gedächtnis haften. Der große Terrakotta-Drache auf dem Dachfirst hielt trotz seiner grimmig dreinschauenden Fratze dem Wechsel der Jahreszeiten nicht lange stand. Er musste bald nach der Eröffnung durch eine Metallausführung – identisch bemalt – ersetzt werden. Das Teehaus inspiriert mit stimmungsvollen Bildern mit Schriftzeichen und Gedichten.

Ein Drache bewacht das Teehaus.
Ein Drache bewacht das Teehaus. | Bild: Erhard Morath

Beim weiteren Gang durch die Anlage begegnet man zwischen Stegen und Brücken japanischen Steinlaternen, Trittsteinen, mal umsäumt von Sand- und Kiesfeldern und mal garniert durch scheinbar zufällig hingestreuten Felsbrocken. Zwischen zwei zur Ruhe mahnenden roten Toren, fällt der Blick auf den Teich mit der Schildkröteninsel. Hier mag es gelingen, dem dicht getakteten Alltag „Sayonara“ zu sagen. Erde, Wasser, Luft und Feuer – die vier Lebenselemente – laden durch interaktive Stationen ein, sich auf ein Begreifen und Fassen einzulassen.

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Dabei passiert man einen Kugelbrunnen, ein Summstein lädt ein, genauer hinzuhören. Klangsteine können in unterschiedlichen Tonlagen in Schwingung versetzt werden. Man schlendert vorbei an Kirsch- und Obstbäumen oder trifft auf japantypische Pflanzen wie beispielsweise einen Ginkgo- oder Meditationsbaum. Letzterer gilt als der Urvater aller Erdenbäume und soll auf der Erde schon vor 300 Millionen Jahren vorgekommen sein.

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Man sollte sich Zeit nehmen, ein Durchhetzen durch den Japanischen Garten ist nicht angemessen. Allein der versäumte Blick über der Wasserfallbrücke hin zur weitläufigen Sumpfwiese und der Übergang in den großen Teich, der dritte seiner Art im Garten, käme einem Frevel gleich. Über eine Treppe aus Natursteinen gelangt man zum Wasserfall, der trotz der Trockenheit im Sommer immer noch genügend Wasser führt.

Klänge haben gestört

Die leisen Töne eines Klangwindrades, wie sie anfänglich noch zu hören waren, sind mit der Demontage des Objektes verschwunden. Für die Anwohner vis à vis der Bundesstraße hatte sich das „Kling-Klang-Klong“ je nach Windstärke als Belästigung erwiesen. Die freie und die angrenzende Wiesenfläche ziert seitdem eine Streuobstwiese, deren heutige fruchttragende Bäume teilweise auch auf Spenden und Pflanzungen von Bonndorfer Landfrauenvereinen zurückgehen.

Das Sonnenobservatorium ist ein besonderer Hingucker.
Das Sonnenobservatorium ist ein besonderer Hingucker. | Bild: Erhard Morath

Ein paar Schritte weiter, umfangen von einer Rosen- und Wildblumenhecke, betritt man eine in den Boden eingelassene, halb geflieste und halb offene Grundfläche in Form einer Windrose. Sie weist dem Besucher zu jeder Tages- und Nachtzeit die vier Himmelsrichtungen.

Private Spenden

Und als der Gemeinderat der Verwirklichung und Finanzierung eines Sonnenobservatoriums nicht zugestimmt hatte, soll es für das Vorhaben bei der anschließenden Nachsitzung in einem Bonndorfer Wirtshaus doch noch zu einem guten Ende gekommen sein. Standen die Gemeinderäte während der Ratssitzung dem Unterfangen noch grundsätzlich ablehnend gegenüber, sollen beim anschließenden Hock im Gasthaus jede Menge private Spenden, keine unter 1000 D-Mark, just von denselben Gemeinderäten zusammen gekommen sein, konnte sich Michael Scharf im Gespräch mit dieser Tageszeitung noch lebhaft erinnern. Ihm oblag es auch, 1992 das Vorhaben Kurpark mit Japanischem Garten als frisch gewählter Bürgermeister fortzuführen.

Die Engagierten

Harald Weishaar sorgte mit der Gründung „seines“ japanischen Freundeskreises dafür, dass sich viele Menschen für eine Belebung des japanischen Gartens einzusetzen begannen, mit Ideen, Arbeitseinsätzen, bis hin zu persönlichem finanziellem Engagement. Bürger wie Johannes Stecher, Regina Folkerts, Claudia Ketterer, Wolfgang Weisser zeigten Flagge und ergänzten Ralf Hirschbeck, Guido Woll oder Werner Isele, die sich als Handwerksmeister der ersten Stunde am Bau und Ausbau eingebracht hatten.

Keine Partnerstadt

Mehrere große und kleine Veranstaltungen im Japanischen Garten rund ums Teehaus zogen Altbekannte wie Neuinteressierte in den Park. Die gelegentlich ins Feld geführten Überlegungen, eine japanische Patenstadt und Partnerschaft ins Leben zu rufen, wurde nie ernsthaft weiterverfolgt. Elf Flugstunden für die rund 10.000 Kilometer bis ins Land der aufgehenden Sonne waren damals als eine nicht nur finanzielle Hürde als zu hoch eingeschätzt worden. Und daran hätte sich bis heute sicher nicht viel geändert.

Natur und Kultur

Trotzdem schafft es der Japanische Garten in Bonndorf, für seine Besucher aus nah und fern einen Bogen zwischen der Gartenbaukunst Japans und dem Schwarzwald zu spannen. Wer sich mit all seinen Sinnen auf einen Dialog mit den sich bietenden Möglichkeiten einlässt, kann sich über neue ungeahnte Erfahrungen freuen. Und dies alles im Ort selbst, im Winter wie im Sommer, nachts oder tagsüber, klimaneutral, Natur pur mit dem Prädikat: Besonders wertvoll.

Instandhaltung

Die Hoffnung, dass der Kurpark, mit Schloss und Schlossgarten, dem Ehrenbach und dem Japanische Garten als Herzstück erhalten werden kann, ist gegeben. Dafür arbeiten nämlich die Mitarbeiter des Bauhofs Woche für Woche, räumen Schmutz beiseite, reparieren Schäden aus Verschleiß-, witterungsbedingten oder sonstigen Gründen. Mit etwas gutem Willen aller Beteiligten und gegenseitiger Rücksichtnahme wird man im Japanischen Garten noch viele schöne Stunden genießen und zubringen können.

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