Den Traum vom Eigenheim träumen viele Menschen und betrachtet man die Entwicklung in den Neubaugebieten von Bonndorf, scheint es auch vielen zu gelingen, diesen Traum zu verwirklichen. Aber muss es ein großes geräumiges Haus mit möglichst viel Wohnfläche sein? Das Architektur-Startup Unternehmen Syndikat: Walden mit Sitz in Bonndorf sagt: „Nein“. Wunderbar leben lässt es sich auch in kleinen Holzhäusern, ist Architektin Julia Schorsch-Poznanski aus Boll, Mitgründerin und Mitgesellschafterin von Syndikat:Walden, überzeugt.

Julia Schorsch-Poznanski aus Boll ist Mitgründerin und Mitgesellschafterin von Syndikat:Walden.
Julia Schorsch-Poznanski aus Boll ist Mitgründerin und Mitgesellschafterin von Syndikat:Walden. | Bild: privat

Das Architektur-Startup Unternehmen Syndikat:Walden wurde am 1. Juli gegründet und hat die Vision, mit dem Bau von hochwertigen Tiny Houses im ländlichen Raum einen engeren Bezug der Menschen zur Natur zu ermöglichen und gleichzeitig lokales Handwerk zu stärken. „Wir wollen regionale Baukulturen bewahren und weiterentwickeln und berücksichtigen beim Bau unserer modern designten Holzhäuser lokale Stilelemente wie Ornamente, Holzarten und Kubatur“, sagt Julia Schorsch-Poznanski und ergänzt: „Wir denken Holzbau neu, entwickeln Wohnlösungen, fernab vom üblichen Einfamilienhaus.“ Ob innen oder außen: Um die Umwelt zu schonen, verwenden die Tinyhaus-Entwickler ausschließlich natürliche und regional verfügbare Rohstoffe. Erste Projekte sind in der Umsetzung.

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Drei Standardmodule mit Flächen von 27, 60 und 75 Quadratmetern haben die Gründer entworfen. Diese Haustypen dienen als Basis und können je nach Grundstück und Nutzung individuell angepasst werden. Im Visier haben die Gründer und Gesellschafter (der Agentur-Geschäftsführer Frank Netzband, die Architektin Julia Schorsch-Poznanski und der Diplom-Ingenieur Architektur Nikolaus Türk) Tourismusprojekte, Privatpersonen, die sich ihre Oase in der Natur bauen möchten, und Kommunen, die an dörflicher Nachverdichtung interessiert sind.

Insgesamt gehe es auch darum, die Entwicklung der Siedlungspolitik in eine andere Richtung zu bringen, Ortskerne wiederzubeleben und regionale Baukultur zu erhalten, meint Schorsch-Poznanski. „Es sind Häuser, in denen man nichts vermisst, die aber auf das Wesentliche reduziert sind. Ein Sehnsuchtsort inmitten der Natur, ganz nach dem Vorbild von Walden, dem Buch des Schriftstellers Henry David Thoreau, nach dem unser Unternehmen benannt ist“, erläutert die Architektin weiter.

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Seit August 2020 entsteht ein Prototyp eines Tiny-Hauses in Bonndorf-Boll. Die Montagepläne sind fertig, in diese aufgenommen werden regionale Merkmale und Bezüge. Eigentlich sollte das Häuschen schon aufgerichtet sein, Corona habe der Sache aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Julia Schorsch-Poznanski geht aber davon aus, dass das „Pilotprojekt“ im Frühjahr 2021 fertiggestellt werden kann.

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Auch ein größeres touristisches Projekt befindet sich in Planung: 16 Tinyhouses mit 28 bis 50 Quadratmetern Wohnfläche sollen die Wiedereröffnung eines traditionsreichen Gasthauses am Schluchsee (Blasiwald) begleiten. Syndikat:Walden betreut in diesem Fall das komplette Projekt: von der städtebaulichen Genehmigung über die Entwicklung der Marke und Architektur bis hin zum Interior Design. Das interdisziplinär arbeitende Team verfügt laut Julia Schorsch-Poznanski über Erfahrungen mit touristischen Projekten. Ziel sei es dabei, ganzheitliche Konzepte zu realisieren und – entsprechend des Donut-Prinzips – einen Weg zurück in eine ressourcenschonende Bau- und Lebensform aufzuzeigen. Entsprechend dieser Grundphilosophie strebe Syndikat:Walden auch keine Massenproduktion an. Wie Julia Schorsch-Poznanski erläuterte, stehen die Produktvermarktung oder der Verkauf großer Stückzahlen nicht im Vordergrund.

Offen für Kooperationspartner

Um ihren Anspruch zu perfektionieren, sind die drei Gründer an Kooperationen mit diversen regionalen Handwerksbetrieben interessiert. Ob Zimmerei, Schreiner, Schindelmacher, Regenwasseraufbereitung, Wärmepumpen oder Solarenergie: Alles, was das natürliche Leben im Tinyhouse optimiert, sei dabei willkommen. Einige Betriebe aus der Region seien bereits mit im Boot, freut sich Julia Schorsch-Poznanski.