Die Bonndorfer Baugenossenschaft wurde am 20. Februar 1921 als gemeinnützige Baugenossenschaft Bonndorf e.G. gegründet und sie kann auf eine 100-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken.

Eine oder mehrere wie auch immer gelagerten Feierlichkeiten zu diesem klassischen 100-jährigen Bestehen musste den Einschränkungen der Corona-Verordnung geopfert werden. Wie die beiden Vorstände Alexander Graf und Wolfgang Boll im Gespräch jedoch erklärten, werde zu gegebener Zeit mit den Mitgliedern eine Feier nachgeholt, wann und in welcher Ausprägung könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Fest stehe lediglich, dass das Ganze keinesfalls unter den Teppich gekehrt werden soll.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Wie alles begann: Ein Aktenbündel mit dem Deckblatt „Badisches Bezirksamt Neustadt, Ort: Bonndorf“ aus dem Jahre 1921 entpuppt sich beim Durchblättern als spannendes Zeitdokument für die Geburtsstunden der Bonndorfer Baugenossenschaft. Im Text eines zweiseitigen Schreibens an das Badische Arbeitsministerium Karlsruhe teilen die Unterzeichner Kech, Rösch und Müller als legitimierte Vertreter des neuen Unternehmens mit, dass hier (Bonndorf;Anm. d. R.) am Sonntag, 20. Februar 1921, eine gemeinnützige Baugenossenschaft gegründet worden sei. 78 Gründungsmitglieder, dies wird anhand der Namensliste unter Beweis gestellt, hatten sich zur Gründung der Genossenschaft erklärt. Sie kommen aus allen Kreisen der Bevölkerung, explizit: Arbeitgeber, Arbeiter, Angestellte, Beamte und Kleinhandwerker. „Die Liste der Genossen (Gründungsmitglieder)“ wie die erste der drei Seiten überschrieben ist, umfasst 78 Namen, beginnend mit Josef Kech, Krankenhausverwalter, Bonndorf bis zu Numero 78, Georg Rösch, Sparkassenverwalter. Damit führte man, so lesen wir weiter, die breite Basis in der Bevölkerung dem Karlsruher Ministerium vor Augen. Selbstbewusst fügen die Absender an, dass sich die Zahl der Genossen in wenigen Tagen gen 120 erhöhen werde.
Die Akte zur Gründung der Genossenschaft 1921 trägt den Titel „Badisches Bezirksamt Neustadt“. 78 Gründungsmitglieder, dies wird anhand der Namensliste unter Beweis gestellt, hatten sich zur Gründung erklärt.
Die Akte zur Gründung der Genossenschaft 1921 trägt den Titel „Badisches Bezirksamt Neustadt“. 78 Gründungsmitglieder, dies wird anhand der Namensliste unter Beweis gestellt, hatten sich zur Gründung erklärt. | Bild: Erhard Morath
  • Wohnungsnot als Gründungsgrund: Als Grund für das Unterfangen machen die Bonndorfer Gründerväter, unterstützt vom Neustädter Bezirksamt, beim Ministerium deutlich, dass die Wohnungsnot sehr groß sei. Mit dem Bau von Häusern solle der Gemeindebehörde als Trägerin der Wohnungsfürsorge unter die Arme gegriffen werden. 20 Wohnungen fehlen der Gemeinde aktuell, die anstehende Ansiedlung von Industrie, so mutmaßte man weiter, werde den Bedarf weiter erhöhen. Grafenhausen und Stühlingen als mögliche interessierte Nachbargemeinden, werden als zusätzliche Argumente für eine positive Entscheidung ins Feld geführt. Die große Zahl zahlungsfähiger Genossen, der Beitritt der Gemeinde Bonndorf mit der Zusage einer finanziellen Unterstützung, die Qualifikation der Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates folgen und sind gewichtige Pfunde, um ein wohlwollendes „Ja“ zu erhalten. Und siehe da, bereits am 17. März 1921 werden die „nachgesuchte Genehmigung“ erteilt und gleichzeitig die erste Satzung, wenn auch mit einigen Ergänzungswünschen, gutgeheißen. Korrekturen betrafen indes die Bedingung, Vertreter des Staates in den Gremien der Genossenschaft zu berücksichtigen. Und als Gegenleistung für die Hoffnung vor Ort, dass sich das Ministerium in Karlsruhe mit Mitgliedsanteilen finanziell engagieren möge, verlangte Karlsruhe, den bemerkenswerten folgenden Passus in § 39 der Satzung aufzunehmen: „Bei Vergebung der Wohnungen müssen staatliche Beamter und Arbeiter in einem der Beteiligung des Staates entsprechenden Umfang berücksichtigt werden.“ Und wie erwartet, wurden die Änderungswünsche in der endgültigen Satzung umgesetzt.
  • Geschäftsanteile: Die markantesten Fixpunkte der ersten Satzung: Ein Geschäftsanteil beträgt 500 Mark. Ein Genosse muss mindestens einen, darf jedoch nicht mehr als 100 Geschäftsanteile erwerben. Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung bilden die Organe der Genossenschaft. Mitglieder können sowohl Einzelpersonen, die sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden, als auch rechtsfähige Personen des öffentlichen und privaten Rechts werden. § 2 beschreibt den Zweck der gemeinnützigen Baugenossenschaft: Er ist darauf ausgerichtet, minderbemittelten Familien oder Personen gesunden und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten oder angekauften Häusern zu billigen Preisen zu verschaffen.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Erfolgsgeschichte: Dass die Gründung der Baugenossenschaft nach 1921 nicht scheiterte, kann als ein mittleres Wunder eingestuft werden. Der Erste Weltkrieg hatte Deutschland direkt und danach durch die Reparationszahlungen des Versailler Vertrages 1919 besonders hart getroffen. Die Geldentwertung führte 1923 zu einer Hyperinflation, im Zuge der Währungsumstellung wurde aus der noch jungen Rentenmark die neue Reichsmark. Zeitweise kostete 1 US-Dollar stolze 4,2 Billionen Mark. Von den Vätern der ersten Stunde wurde damit eine Buchführung und Bilanzierung abverlangt, die professionelles Wissen, Korrektheit und Idealismus erforderten.
Folgen der galoppierenden Inflation 1923 meisterte das Unternehmen erfolgreich. Der Währungsverfall dokumentierte sich an den Banknoten: 10 Million Mark, dahinter wurden aus 1000 Mark gar 1 Milliarde Mark.
Folgen der galoppierenden Inflation 1923 meisterte das Unternehmen erfolgreich. Der Währungsverfall dokumentierte sich an den Banknoten: 10 Million Mark, dahinter wurden aus 1000 Mark gar 1 Milliarde Mark. | Bild: Erhard Morath

Die Tatsache, dass von Anfang an Bonndorf als politische Gemeinde und die Sparkasse Bonndorf mit ihren finanziellen Möglichkeiten, aber auch personell an einem Strang zogen, dürfte für Erfolgsgeschichte über einen Zeitraum von 100 Jahren von Bedeutung für die Baugenossenschaft gewesen sein. Namen wie Georg Rösch, Heinrich Selb oder Paul Rheiner aus dem Sparkassenlager, aber auch die von Bürgermeistern wie Leo Speck, Oskar Stöckle, Peter Folkerts, Michael Scharf bleiben zusammen mit Persönlichkeiten der Wirtschaft und von Behörden mit der Erfolgsgeschichte der „Jubilarin“ untrennbar verbunden. Entsprechende Passagen in den Protokollbüchern und den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungsberichten verdeutlichen den Eindruck eines konstruktiven Zusammenhalts im Sinne der Aufgabenstellung und zum Wohle der Bevölkerung.