Eine Drohne hat an den vergangenen Tagen immer wieder ihre Runden über den Wiesen am Waldrand zwischen Wangener Berg Richtung Obere Alb bis Stühlingen – Sparrenberg gedreht. Es wurde kein Werbefilm für den Golfplatz gedreht, auch war kein ambitionierter Naturfilmer am Werke. Der Pilot der Drohne, Daniel Stritt aus Ewattingen, setzt moderne Technik für die Hege des Wilds ein. Und die liegt ihm und seinen acht Mitjägern im Revier von Jagdpächter Eduard Held aus Lausheim besonders am Herzen.

Eduard Held und eine Mitjägerin besprechen das Vorgehen auf den Mähwiesen.
Eduard Held und eine Mitjägerin besprechen das Vorgehen auf den Mähwiesen. | Bild: Wolfgang Scheu

Landwirt Thomas Preiser hatte die Jagdpächter vergangene Woche über die einsetzende Heuernte auf dem Pfarrbuck am Wangener Berg informiert. Seine Sorge galt den Rehkitzen, die in den ersten Lebenswochen noch keinen Fluchtinstinkt besitzen und gut versteckt im hohen Gras- und Blütenmeer allzu leicht Opfer des Mähwerks landwirtschaftlicher Maschinen werden könnten – wie deutschlandweit tausende ihrer Artgenossen in jedem Jahr. Das Tierwohl steht an erster Stelle, aber auch die tödliche Gefahr durch Botulintoxide fürs Nutzvieh, wenn die Verwesungsgifte etwa in die Silage gelangen, ist ein Grund, um in dieser Zeit besonders vorsichtig zu sein.

Eduard Held freut sich über die Technik zur Rettung der Kitze.
Eduard Held freut sich über die Technik zur Rettung der Kitze. | Bild: Wolfgang Scheu

Gut für Rehkitze und Vieh, dass Eduard Held und seine Mitjäger im Umkreis von 15 Kilometern ums Revier leben. Kurzfristig hatten sie sich verabredet für diese Jagd ohne Gewehr, aber mit Luftunterstützung. Am Wochenende zuvor waren die Jäger schon auf den Wiesen bei Sparrenberg unterwegs gewesen und retteten fünf Rehkitze. Gut erinnert sich Sebastian Zeidler an das tolle Gefühl, als er das erste Kitz von seinem Liegeplatz sanft aufhob, um es an den Waldrand zu tragen.

Dort rief es bald pfeifend nach der Mutter. Selbstverständlich trugen die Kitzretter allesamt Handschuhe, denn die Mutter würde ihr Junges nicht mehr annehmen, sollte sie an dem Kleinen Menschenwitterung aufnehmen. Der Rettungsversuch würde zur Todesstrafe werden. Eindringlich richtet sich deshalb der Appell an Tierfreunde, nicht über die Wiesen zu streifen, viel Futter der Landwirte zu zertrampeln und am Ende doch nichts Gutes zu erreichen.

Keine Kitze zu finden

Die Jäger im Alter 21 bis 82 Jahren (am vergangenen Wochenende war Josef Slavik, 69, der Senior) gingen langsam übers Feld, außer leeren Liegeplätzen fanden sie diesmal allerdings keine Kitze, die zu retten waren, mit Daniel Stritt waren sie mit dem Funkgerät in Kontakt. Auch die kamerabewehrte Drohne fand nichts. „Keineswegs ein Misserfolg“, so benannte Eduard Held die jüngste Aktion „Wir konnten an Thomas Preiser melden, dass er beruhigt ans Mähen gehen kann.“ Anschließend gingen sie noch auf die Wiese des Röschhofs, das Ergebnis war dasselbe.

Die Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten im Bereich Wangen ist harmonisch. Dies betont auch Wilfried Kaiser, der die Jäger begrüßte und seinen Dank an die Gruppe aussprach. Zusammen mit Eduard Held legt er auch seit einigen Jahren Blühstreifen an als Rückzugsort und Nahrungsquelle für Kleingetier, Insekten, Bienen und die Rehe mit ihren Kitzen.

Wilfried Kaiser dankte den Jägern.
Wilfried Kaiser dankte den Jägern. | Bild: Wolfgang Scheu

Zusammen mit den Restwiesenstreifen, die nur einmal im Spätherbst gemäht werden und so ihre ganze Blütenpracht zum Wohle der Tierwelt entwickeln können, sind dies immerhin um die 15 Prozent der Acker- und Feldflächen von Wilfried Kaiser.

Das könnte Sie auch interessieren

„Eigenbrötlerei bringt nichts“, weiß auch Eduard Held, „nur gemeinsam können wir etwas erreichen.“ Und beim Thema Wildschweinschäden sind die Wangener Jäger ebenfalls aktiv. Bereits elf Sauen haben sie geschossen in diesem Jahr, das sind schon mehr als im kompletten Vorjahr.

Das könnte Sie auch interessieren

„Die gefährlichste Zeit für die Kitze ist inzwischen vorbei, viele sind inzwischen auf den Läufen und streifen bereits an der Seite der Mutter durch Wald und Flur“, erklärt Jagdpächter Eduard Held. Stolz ist er auf seine Mitjäger, die die Hege offensichtlich ernst nehmen. Vor allem freut ihn die Tatsache, dass die Mitjäger bei den zwei Wochenendaktionen fünf Kitze gerettet haben.