Bonndorf – Die Feuerwehr hat Nachwuchssorgen. Man könnte das abwiegeln, mit der Begründung, andere Vereine schlagen sich mit denselben Problemen herum. Eine schlagkräftige Feuerwehr jedoch kann sich Mitgliederschwund nicht leisten. Gesamtwehrkommandant Hansjörg Ketterer und der Leiter der Jugendfeuerwehr, Dirk Temesberger, sprachen über die Situation.

„Rosige Zeiten sind das gerade nicht. Bonndorf hat eben viele Vereine, die junge Leute locken“, sagt der Kommandant. Man versuche auf verschiedenen Wegen, das Nachwuchsproblem zu lösen. Bereits im Grundschulalter werden Mädchen und Buben zur Bambini-Feuerwehr eingeladen. Ab einem Alter von zehn Jahren geht es in der Jugendfeuerwehr schon ein bisschen mehr zur Sache – allerdings nur bei Übungen. Erst mit Erreichen der Volljährigkeit, also mit 18, dürfen die jungen Feuerwehrleute bei Einsätzen mitwirken.

Hansjörg Ketterer ist seit er denken kann aktiver Feuerwehrler. Vor zehn Jahren wurde er Gesamtwehrkommandant.
Hansjörg Ketterer ist seit er denken kann aktiver Feuerwehrler. Vor zehn Jahren wurde er Gesamtwehrkommandant. | Bild: Martha Weishaar

Es braucht also einen langen Atem bei der Jugendarbeit, sowohl für die Ausbilder als auch für die Heranwachsenden selbst. Viele, die noch mit 14 hellauf begeistert sind, schmeißen zwei Jahre später hin. „Der Wendepunkt kommt bei den meisten um das 16. Lebensjahr herum, wenn sie auf weiterführende Schulen oder in eine Ausbildung wechseln“, sagen beide Feuerwehrmänner aus Erfahrung. Man versuche, das abzufangen, gebe bereits 16-Jährigen einen eigenen Spind, Helm und weitere Ausrüstung. Ab dann dürfen sie bereits bei den Proben der Erwachsenen mitmachen. Aber eben nur bei den Proben.

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„Vor drei Jahren hatten wir mal richtig Glück. Da konnten wir zwölf Leute aus der Jugendfeuerwehr übernehmen“, freut sich der Kommandant. Kontinuierlich baue man Nachwuchskräfte auf, lade Kinder ins Gerätehaus ein oder mache mit Spieleparcours beim Tag der offenen Tür neugierig auf die Aufgaben der Feuerwehr.

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„Man muss immer dran bleiben, Junge für die Feuerwehr zu begeistern. Wenn erst mal eine Lücke entsteht, ist das kaum aufzuholen“, sagt Dirk Temesberger. Er wird von Philipp Heini, Benedikt Albert, Markus Mutter, Andreas Stoll sowie Martin Kromer beim Nachwuchstraining unterstützt.

Dirk Temesberger betreut seit 13 Jahren die Jugendfeuerwehr. Der zeitliche Aufwand für die Heranwachsenden hält sich in Grenzen.
Dirk Temesberger betreut seit 13 Jahren die Jugendfeuerwehr. Der zeitliche Aufwand für die Heranwachsenden hält sich in Grenzen. | Bild: Martha Weishaar

Das zeigt auch, dass das Kirchturmdenken in der Feuerwehr überwunden ist, engagieren sich doch auch Wehrmänner aus den Ortsteilen für die Verjüngung der Mannschaft. Armin Maaß aus Ebnet betreut die 15 Kinder in der Bambini-Feuerwehr. Mit regelmäßiger Teilnahme an sportlichen Wettspielen der Jugendfeuerwehren werden Kameradschaftsgeist und Motivation gepflegt.

„Insgesamt hat sich die Bonndorfer Gesamtwehr in den zurückliegenden 15 Jahren deutlich verjüngt. Die Jugendarbeit vergangener Jahre zeigt also durchaus Früchte“, lobt Hansjörg Ketterer. Momentan steht allerdings die Sorge im Raum, ob man nach monatelanger Corona-Pause weiterhin alle Aktiven motivieren kann.

„Der Probebetrieb wurde mit Beginn von Corona eingestellt. Viele sagen zwar, es wäre schön, wenn es mal wieder losgeht, aber ich habe ein bisschen Bammel davor, ob wirklich alle wieder dabei sind“, äußert Ketterer Bedenken. Hofft aber, dass es genau andersherum sein könnte. Dass alle wieder hellauf begeistert sind, wenn endlich wieder „Normalbetrieb“ herrscht. Für Organisationen wie die Feuerwehr gelten besonders strenge Auflagen, gemeinsame Proben wird es wohl auch in naher Zukunft nicht geben. Denn ein infektionsbedingter Komplettausfall einer Rettungsorganisation wie der Feuerwehr hätte katastrophale Folgen. So werden momentan Fahrzeuge, die normal mit neun Personen besetzt sind nur mit fünf oder sechs Leuten besetzt. „Wir müssen unsere Ressourcen sichern. Vorerst können nur Einzelproben stattfinden und unsere Ausrüstung in Schuss gehalten werden.“

Der Schlagkraft der Feuerwehr gilt höchste Priorität. Die sieht Ketterer gewährt. Allein schon deshalb, weil – in normalen Zeiten – die Ortsteilwehren regelmäßig mit den Bonndorfern üben, mit allen Geräten oder Fahrzeugen vertraut sind. „Die Technik muss von allen beherrscht werden. Nur Übung macht den Meister“, formuliert der Kommandant seinen Anspruch. Das übte man sogar schon mal bei einer Herbstabschlussprobe, als Ortsteilwehren mit Drehleiter und Fahrzeugen ausrückten, während die Bonndorfer selbst später mit Traktoren und Fahrzeugen aus den Ortsteilen folgten. Maximal vier Minuten vergehen, bis ein Alarm bestätigt wird, sechs bis sieben Minuten bis zum Ausrücken der Wehr. Das passiert für gewöhnlich 70 bis 100 Mal pro Jahr. Die Aufgaben ändern sich stetig.

229 aktive Feuerwehrleute zählt Bonndorf mit allen Ortsteilen aktuell. Weniger sollten es auch nicht sein, da nie alle gleichzeitig zur Verfügung stehen, sagt der Kommandant. Was würde passieren, wenn die Feuerwehr unterbesetzt wäre, wollen wir abschließend von ihm wissen. „Dann könnte die Stadt Bürger nach dem Zufallsprinzip dienstverpflichten. Denn Jede und Jeder, der geistig und körperlich gesund ist, kann in der Feuerwehr mitwirken.“