Die Feuerwehren in Bonndorf und im Umland setzen im Katastrophenfall auf Digitalfunk. Trotzdem finden sich weiterhin Sirenenanlagen in den Kommunen. Die Feuerwehrleitstelle in Waldshut-Tiengen hat im Katastrophenfall über den Digitalfunk hinaus die Möglichkeit, über diese Sirenenanlagen die Bevölkerung vor einem Schadereignis großräumig zu warnen. In Bonndorf war dies letztmals beim Großbrand der Fleischwarenfabrik Adler OHG am 26. Mai dieses Jahr der Fall.

Der Digitalfunk

Der Digitalfunk biete die modernste Möglichkeit der Kommunikation, erläutert Martin Selz, Gerätewart der Gesamtwehr Bonndorf und zuständig für Funktechnik und Alarmierung mit Alarmierungsempfängern, im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Digitalfunk sei abhörsicher, biete bessere Gesprächsqualität und die Möglichkeit gebündelter Kommunikation. Allerdings, so Martin Selz, der auch Kreisausbilder Sprechfunk ist, sei der Technikaufwand enorm, es bedürfe zusätzlicher Schulungen, und das System sei nur sinnvoll einsetzbar, wenn sämtliche Feuerwehren dieses auch nutzen. Letztlich müsse auch die Stromversorgung gesichert sein.

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Sirenenanlagen haben als zusätzliche Warnmöglichkeiten ihren Sinn, findet Martin Selz. Sollte der Digitalfunk einmal nicht oder nur eingeschränkt nutzbar sein, kann über Sirenen die Bevölkerung großräumig gewarnt werden. Dies habe selbst dann Sinn, wenn eine Signalfolge von einer Einzelperson nicht einer speziellen Gefahr zugeordnet werden kann.

Das Hochwasser an der Ahr

Leitstellen sind für den nicht-polizeilichen Digitalfunk BOS von zentraler Bedeutung bei der Einsatzabwicklung, erläutert das Baden-Württembergische Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration in einem Bericht „Zusammenfassende Grundlagen zur Einführung des Digitalfunks BOS“ (Juni 2018). Bei der Unwetterkatastrophe im Ahrtal in Rheinland-Pfalz Mitte Juli soll es, vermutlich durch einen Netzausfall, zu Schwierigkeiten bei der Koordinierung der Einsatzkräfte gekommen sein.

Bonndorf

Die Stadt Bonndorf unterhält intakte Sirenenanlagen, erläutert Hauptamtsleiter Harald Heini auf Anfrage dieser Zeitung – sowohl in der Kernstadt wie auch in jedem Ortsteil. Die Kernstadt selbst habe sogar bis vor wenigen Jahren zwei Sirenen betrieben, eine auf dem Rathaus sowie eine auf der Grundschule, die im Zuge der Sanierung der Grundschule allerdings abgebaut worden war. Ehemals seien die Sirenen per Knopfdruck am Ort aktiviert worden, dies gehe nun nicht mehr. Diese Aufgabe übernehme nun bei Großschadensereignissen – auch auf Anforderung des Feuerwehrkommandanten – für sämtliche Anlagen die Leitstelle in Waldshut-Tiengen.

Für den Erhalt

Diskussionen um den Abbau der Sirenenanlagen habe es vor rund eineinhalb Jahrzehnten landesweit gegeben. Der Gemeinderat Bonndorf habe sich allerdings für deren Erhalt entschieden, erinnert sich Hauptamtsleiter Harald Heini. Die große Anzahl der Feuerwehrabteilungen und die damalige nicht umfassende Ausrüstung mit analogen Meldeempfängern seien ausschlaggebend gewesen. Es habe technisch nachgerüstet werden müssen, um der Leitstelle den Zugriff auf die Sirenenanlagen zu ermöglichen.

Probealarm

Probealarm über die Sirenenanlagen gebe es, wie in jeder Kommune mit solchen Anlagen, jeden ersten Samstag im Monat, erläutert Harald Heini. Dies diene der Überprüfung der Funktionsfähigkeit. Darüber hinaus teste die Feuerwehr Bonndorf einmal jährlich jede der Anlagen. So lange nichts zu reparieren sei – es gibt keine beauftragte Wartungsfirma –, gestalte sich der Anlagenbetrieb kostenfrei.

Wutach

Die Gemeinde Wutach betreibt noch Sirenenanlagen – in Ewattingen auf dem Rathaus, in Münchingen auf der Gänsbachhalle und in Lembach auf dem Feuerwehrgerätehaus. Gewartet werden diese Anlagen durch eine Firma, so Gemeindekämmerer Arnold Hettich auf Anfrage. Die Kosten belaufen sich dabei auf rund 500 Euro jährlich.

Ühlingen-Birkendorf

In allen Ortsteilen von Ühlingen-Birkendorf existieren noch Sirenenanlagen, bestätigte auf Anfrage Oliver Kraus, Gesamtkommandant der Feuerwehr. Für die Einsatzalarmierung spielen die Anlagen allerdings keine Rolle mehr.

Stühlingen

In Stühlingen bestehen nach Verwaltungsangaben ebenfalls in jedem Ortsteil noch Sirenenanlagen. Im Rahmen des Neubaus des Gerätehauses Wangen wurde dort eine neue Sirene installiert. Ebenso wurde im Ortsteil Bettmaringen die Sirenenanlage gegen eine neue ausgetauscht, so Winfried Korhummel von der Stadtverwaltung. Es handelt sich hierbei um die baugleichen Ausführungen. Mit den neuen Sirenenanlagen können neben dem Heulton auch Lautsprecherdurchsagen gemacht werden. Auch sind die Geräte mit Akkus gegen einen Stromausfall gesichert.

Die Nachrüstung

Nach Informationen von Winfried Korhummel ist die Stadt Stühlingen bestrebt, in den nächsten Jahren die restlichen Sirenen auszutauschen, aber bei einem Preis von 10.000 bis 12.000 Euro pro Stück müssen die Investitionen auf mehrere Jahre verteilt werden. „Wir hoffen, dass aufgrund der Erfahrungen in Ahrweiler (Ausfall der Handynetze und so weiter), ein Umdenken bei den zuständigen Behörden eingesetzt hat und solche Investitionen zukünftig bezuschusst werden“, so Korhummel.

Kosten für den Digitalfunk

  • Die BonndorferGesamtfeuerwehr ist mit Digitalfunk ausgerüstet. Hierfür wurden 56.000 Euro ausgegeben, so Stadtkämmerer Nikolaus Riesterer. Nach Angaben von Martin Selz wurde Funkausrüstung angeschafft für jedes Einsatzfahrzeug, für jede Abteilung ein Koffergerät in den Gerätehäusern, für den Funktisch im Bonndorfer Gerätehaus zwei Funkgeräte sowie eines für die Einsatzleitung.
  • Die Gemeinde Wutach habe im laufenden Kalenderjahr für die Feuerwehr digitale Funkgeräte für 2615 Euro erworben, so Gemeindekämmerer Arnold Hettich. Zudem werde das neue HLF 10-Fahrzeug 2022 mit einem Gerät ausgestattet. Derzeit nutze die Feuerwehr Wutach noch den analogen Funk.
  • Seit Ende 2020 sind alle Abteilungen der Feuerwehr Grafenhausen auf Digitalfunk umgestellt. Im Haushalt 2019 waren für die Umstellung sämtlicher Fahrzeuge und Gerätehäuser der Feuerwehr auf Digitalfunk 35.000 Euro eingestellt (6000 Euro Zuschüsse).
  • In der Feuerwehr Stühlingen wurde 2018 mit der Digitalisierung des Funkverkehrs begonnen. Umgerüstet wurden elf Feuerwehrfahrzeuge der Gesamtwehr in zehn Abteilungen. Im kommunalen Haushalt eingestellt worden waren rund 27.500 Euro.
  • In Ühlingen-Birkendorf wird bis Jahresende in der Gesamtwehr auf den Digitalfunk umgestellt. Gesamtkommandant Oliver Kraus bezifferte die Kosten für den Haushalt auf rund 30.000 Euro.