Die evangelische Kirche steht vor großen Veränderungen. Die Zahl derjenigen, die es für selbstverständlich halten, Mitglied einer christlichen Kirche zu sein, ist rückläufig. Zudem führt Personalmangel dazu, dass Pfarreien zusammengelegt werden. Betroffen davon sind auch die evangelischen Christen der Kirchengemeinden Bonndorf und Oberes Schlüchttal. Im jüngsten Gemeindebrief informieren die Pfarrer Ina und Mathias Geib über Neuerungen.

Bis in fünf Jahren werden nach einem Beschluss der evangelischen Landeskirche im Kirchenbezirk Hochrhein zwei Pfarrstellen gestrichen, 2032 und 2036 je eine weitere. Nun ist die Pfarrerstelle von Ühlingen-Birkendorf und Grafenhausen nur mit 50 Prozent besetzt, so die Entscheidung des Bezirkskirchenrates. Seit der Erkrankung von Pfarrerin Ruth Reinhard vor knapp drei Jahren betreut das Bonndorfer Pfarrerehepaar Ina und Mathias Geib stellvertretend die benachbarte Kirchengemeinde Oberes Schlüchttal mit. Nun ist dieser Schritt offiziell vollzogen. Mit eineinhalb Stellen ist das Pfarrerehepaar für die evangelischen Christen in den politischen Gemeinden Bonndorf, Wutach, Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf zuständig. Die Kirchengemeinden Bonndorf und Oberes Schlüchttal bleiben eigenständig, mit eigenem Kirchengemeinderat, Etat sowie eigenen Kirchenbüchern.

Für das Pfarrerpaar ist die zusätzliche Aufgabe mit viel Fahrerei verbunden, die vor allem im Winter eine Herausforderung bedeutet. Im Zuge dieser Neuregelung hat der Kirchengemeinderat beschlossen, das Pfarrhaus in Ühlingen zu verkaufen. Interessenten gebe es genügend, erklärt Ina Geib.

„Als wir vor 16 Jahren hierher kamen, zählte die Kirchengemeinde Bonndorf 1350 Mitglieder, jetzt sind es noch 1111, mit Wutach zusammen 1300“, blicken Ina und Mathias Geib im Gespräch mit dieser Zeitung zurück. Es sei fast so, als kehre sich die Entwicklung nach 100 Jahren wieder um. „Die Region um Bonndorf galt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als größte Diaspora Deutschlands“, schildert Ina Geib die damalige Situation. „Zur Kirchengemeinde Bonndorf gehörten damals Löffingen, Lenzkirch, Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf. Im weiteren Verlauf wurden diese Gemeinden selbstständig.“ Das Schrumpfen der Kirchengemeinden hat wohl mehrere Gründe. Ältere Jahrgänge, die selbstverständlich noch getauft waren, sterben weg. Jüngere treten vermehrt aus der Kirche aus, was durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wurde. „Junge Leute sehen vielleicht den Sinn der Kirchensteuer nicht mehr ein, fragen sich zunehmend, was sie dafür überhaupt bekommen“, mutmaßt Mathias Geib. „Der Solidaritätsaspekt der Kirche lässt bei den Menschen wahrscheinlich nach.“

Im Hinblick auf die bevorstehende Pensionierungswelle von Pfarrern, wenig Priesternachwuchs sowie rückläufige Zahlen bei den Gemeindemitgliedern bleibe der Landeskirche keine andere Wahl, als Gemeinden zusammenzulegen. Zumal die Pfarrerstelle im Oberen Schlüchttal zweimal erfolglos ausgeschrieben gewesen sei.