Tourismus und Pandemie – zwei Dinge die nicht zueinander passen. Petra Kaiser, Leiterin des Tourismusbüros Bonndorf, weiß um die rückläufigen Zahlen der vergangenen beiden Jahre, die nicht nur Bonndorf, sondern die Region treffen. Dass Bonndorf trotz allem attraktiv ist und die Urlauber neuen Trends folgen, beweisen die zunehmende Beliebtheit der Wohnmobilstellplätze. Der Tagestourismus nahm zu.

Petra Kaiser klagt zwar über die in den touristischen Statistiken erkennbaren Verschlechterungen. Sie erkennt allerdings auch Trends, von denen Bonndorf in den vergangenen beiden Jahren profitierte. Die Ankünfte auf den beiden Wohnmobilstellplätzen haben stark zugenommen, im vergangenen Jahr bezogen auf 2018 um das 1,8-fache. Und nicht nur dies: Wohnmobilisten seien teilweise bis in den Dezember hinein geblieben. In früheren Jahren endete die Saison für die meisten im Oktober.

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Für das laufende Jahr, das mit Blick auf den Jahreswechsel 2021/22 auffallend ruhig in die touristische Saison gestartet sei, hofft sie trotz allem wieder auf etwas Normalität im Tourismusgeschäft. Das wieder etwas ins Laufen kommen könnte, merke sie in den zunehmenden Prospektanforderungen. Die Menschen suchten vor allem Naturerlebnisse wie die Wutachschlucht oder auch den Schluchtensteig. Hoffnungen ruhen auch auf der Drei-Welten-Card, die 2021, auch unter jüngeren Bonndorfern, gut angenommen worden sei.

Die blanken Zahlen aus den vergangenen beiden Jahren zeigen eindrücklich, wie Bonndorf unter der Pandemie litt: Im Corona-Jahr 2020 verzeichnet die Statistik insgesamt 20.249 Gästeankünfte, 2021 lediglich noch 17.881. Zum Vergleich: In den Jahren 2015 bis 2019 lagen die Gästeankunftszahlen bei durchschnittlich knapp 28.600. Bezogen auf diesen Durchschnitt ist dies ein Rückgang um 29 Prozent (2020) und im vergangenen Jahr sogar um 37,5 Prozent.

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Diese Werte resultierten aus dem Pandemiegeschehen, das die Urlauber vorsichtig mache, aber auch vor allem durch Lockdown-Phasen. In den Sommermonaten 2020 und 2021 seien die heimischen Anbieter gut ausgelastet gewesen, deutliche Schwächen zeigten die Zeiten davor und danach. Der Rückgang der Gästeankünfte sei also nicht hausgemacht, stuft Petra Kaiser die Entwicklung ein.

Weniger Übernachtungsgäste bedeute natürlich eine Veränderung der touristischen Klientel – Fehlanzeige bei spanischen und italienischen Gästen, kaum Belgier und Holländer. Für Bonndorf ist dies besonders schmerzhaft, da in Normaljahren etwas mehr als ein Viertel der Gäste aus dem Ausland stammt.

Kaum Werbung für Urlaubsdestinaztion möglich

Werbung für die Urlaubsdestination Bonndorf leidet: Wurde 2020 die Maimarkt-Messe abgesagt, fiel das Veranstaltungsbarometer 2021 dramatisch. Weder die CMT Stuttgart und der Maimarkt, noch die Messe Hamburg, noch die Freizeitmesse München fanden statt – alles Messen, auf denen für Bonndorf geworben wird. Auch 2022 wird dies so sein. Es seien für die nächste Saison deutlich mehr Prospekte auf den Postweg gebracht worden als in früheren Jahren. Die ansonsten in die Messepräsentation fließenden Ausgaben flossen in Printwerbung.

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Die Verweildauer in Bonndorf blieb seit 2015 weitgehend konstant bei rund drei Tagen – trotz rückläufiger Gästeankünfte (siehe Infobox). Allerdings nimmt die zur Verfügung stehende Bettenzahl ab – von deutlich über 1000 im Jahr 2015 auf 792 im vergangenen Jahr. Erstmals 2020 rutschte diese unter die 1000er-Marke. Eine Konzentration auf immer weniger Beherbergungsbetriebe und Hotels wird deutlich. Bonndorf, Wutach und Stühlingen gehören zur Werbegemeinschaft Wutachschlucht, Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf zur Hochschwarzwald Tourismus GmbH HTG.