„Natur genießen – Natur bewahren“ – so lautet die Überschrift eines Flyers des Naturschutzbunds Südbaden zum Heimatmuseum Streuobstwiesen Ewattingen. Der Erhalt des kulturellen Erbes und das Überleben seltener Tierarten ist das Thema. Durch den 1882 gegründeten Garten- und Obstbauverein wuchs im vergangenen Jahrhundert ein Streuobstgürtel um den historischen Dorfkern herum, der heute noch das Ortsbild von Ewattingen prägt und belebt.

Markus Grüninger ist gut gelaunt bei der Arbeit. Die Ernte sieht vielversprechend aus.
Markus Grüninger ist gut gelaunt bei der Arbeit. Die Ernte sieht vielversprechend aus. | Bild: Wolfgang Scheu

Auch die Vermarktung des Obstes, die in Ewattingen über die ortsansässige Mosterei Grüninger erfolgt, wird beschrieben. Beim Produzenten der Wutacher Säfte herrscht seit einer Woche wieder reger Betrieb. Nach dem Ernteausfall im vergangenen Jahr durch Frosttage bis Ende April oder sogar Anfang Mai haben sich die Bäume offensichtlich erholt – sie hängen so voller Früchte wie schon lange nicht mehr.

Auch Vincenzo aus Ewattingen liefert Äpfel in der Mosterei ab und bessert sich damit sein Taschengeld auf.
Auch Vincenzo aus Ewattingen liefert Äpfel in der Mosterei ab und bessert sich damit sein Taschengeld auf. | Bild: Wolfgang Scheu

Nun kamen die fleißigen Apfelpflücker aus dem Raum Ewattingen bis Löffingen, dem Schwarzwald-Baar Kreis bis Hüfingen und hinunter bis Stühlingen mit vollen Heckmulden und Hängern an den Traktoren und Kofferräumen und Anhängern, um ihr Obst anzuliefern. Grüninger hat sogar einen Obstlieferanten, der einen Apfelbaum am Feldberg hat und stolz seine Säcke abliefert. Maria Grüninger, die Tochter des Hauses, und ihr Freund hatten ihren Platz um die zum Büro umfunktionierten Telefonzelle eingenommen, wogen die Ausbeute ab und gaben die Belege aus.

Die beiden Jungen aus Mundelfingen haben sich ein ordentliches Taschengeld erarbeitet.
Die beiden Jungen aus Mundelfingen haben sich ein ordentliches Taschengeld erarbeitet. | Bild: Wolfgang Scheu

Für die einen wird es ein Konto sein für Einkäufe im Laden zu reduzierten Preisen. So können sie sich durch das Wutacher Obst- und Fruchtsäfteangebot trinken – neu ist die Geschmacksrichtung Apfel-Quitte – bis das Guthaben aufgebraucht ist. Andere lassen ihr mitgebrachtes Obst direkt pressen und nehmen den eigenen Saft ihrer Bäume mit. Drei Jungen aus Mundelfingen wurden vom Vater mit Traktor und Wagen hergefahren. Sie kamen noch mal ins Schwitzen, während sie die Säcke in die bereitgestellten Pallettenkisten füllten – die Aussicht auf ein schönes Taschengeld ließ sie diese Arbeit gerne machen. Sie haben das ganze Obst alleine aufgelesen, der Erlös ist für sie.

„Die Obstmengen an den Bäumen lassen auf eine sehr gute Ernte hoffen“, berichtet Markus Grüninger, der viel Arbeit beim Pressen der Früchte und beim Abfüllen hat. Lediglich das Verhältnis Apfelmenge zu Saftertrag geht in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit etwas zurück, was sich aber durch die enormen Mengen, die zu erwarten sind, wohl relativiert. Der Lagerraum ist begrenzt in Ewattingen, die großen Tanks werden in drei Wochen voll sein. Wenn die 100.000 Liter erreicht sind, geht der Inhalt weiter an Großkunden.

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Der zehnjährige Vincenzo wohnt drei Häuser weiter. Mit seinem Plastiktraktor mit Tretantrieb hat er sich eingereiht zwischen die Autos und Traktoren und ist ein gern gesehener Lieferant. Er hat kleine Mengen in seinem Wägelchen, vielleicht ein oder zwei Kilo. Aber er wird noch einige Male vorbeischauen an diesem Tag. Maria Grüninger fertigt ihn freundlich ab wie alle anderen.

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Überhaupt steht die Kundenzufriedenheit für die Grüningers an vorderster Stelle. „Manche heben sogar die ‚Knöpfe‘ auf, mit denen man eigentlich nichts anfangen kann, diese fallen durch die Ritzen im Förderband. Aber warum soll man sie tadeln?“, fragt er rhetorisch. „Schließlich geben sie sich so viel Mühe und da kann man beruhigt hie und da ein Auge zudrücken.“

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Einer, der reichlich Arbeit hat, ist Karl-Heinz Vetter. Er hat die Arbeit auf der Streuobstwiese von Josef Harder übernommen. In der vergangenen Woche hat er zwischen den Bäumen gemäht und geheut. Ein Blick auf die vollen Bäume mit Apfel- und Birnensorten genügt, um zu wissen, dass hier in den nächsten Wochen noch viel Arbeit ist. Aber die macht er gern. Am Donnerstag schüttelte er die Äste mit einem langen Stab. Dann hatte er sich den Baumrüttler von Markus Grüninger geliehen, der an die Zapfwelle des IHC angeschlossen wird. Unterstützung erhielt er von seinem Schwiegersohn. In den nächsten Tagen wird wahrscheinlich die neue Lesemaschine von Markus Grüninger zum Einsatz kommen.

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