Eine echte Erfolgsgeschichte ist die planerische und bauliche Umsetzung des kommunalen Glasfasernetzes in Bonndorf, auf das bereits 700 Kunden aufgeschaltet sind. Bei Matthias Ketterer, Leiter des Breitbandamts der Stadt, laufen seit 2017 die Fäden zusammen. Das Glasfasernetzprojekt steht nun kurz vor dem Abschluss, nach sieben Jahren Arbeit. Der Arbeit des kommunalen Teams um Matthias Ketterer wird überregional Anerkennung gezollt. Geführte Besuchergruppen in den vergangenen Monaten mit Interessenten aus öffentlichen Verwaltungen und aus der Fachwelt sind dafür ein Beleg.

Das Glasfasernetz und die Knotenpunkte

Ohne die Vorarbeit der früheren Stadtbauamtsleiterin Nicole Messerschmidt und von Werner Steiert wäre eine Zuschussbeantragung im Jahr 2015 kaum möglich gewesen, erläutert Matthias Ketterer im Gespräch. Schier unendlich viele vorausgegangene Anfragen an Gewerbetreibende waren verfasst worden, denn die staatlichen Fördermittel für einen Bauabschnitt richteten sich aus an der Trasse und an den am weitesten entfernten Grundstücken der Gewerbetreibenden. Der Verlauf des Glasfasernetzes musste danach unter dem Gesichtspunkt geplant werden, im jeweiligen Netzabschnitt möglichst viele Geschäftskunden anschließen zu können. Denn über die verpachteten Fasern und die dadurch erzielten Einnahmen für jede angeschlossene Wohneinheit soll das Glasfasernetz letztlich refinanziert werden.

Im sogenannten Passivbereich kommt das Lichtsignal an (grünes Steckerende). Von dort aus findet die Verteilung auf die in die Häuser und ...
Im sogenannten Passivbereich kommt das Lichtsignal an (grünes Steckerende). Von dort aus findet die Verteilung auf die in die Häuser und Wohnungen verlaufenden Kabel samt Bündel und Fasern statt. | Bild: Stefan Limberger-Andris

7,5 Millionen Euro seien aus dem Breitband-Fördertopf des Landes Baden-Württemberg geflossen. Zudem hat die Stadt einen weiteren gleich hohen Betrag in die Hand genommen, um das Glasfasernetz zu realisieren. Gedeckt sei diese kommunale Investition durch rund sieben Millionen Euro an kommunalen Eigenmitteln und rund 2,5 Millionen Euro, die über Einnahmen aus den realisierten Hausanschlüssen zurückfließen. Aus den zunächst geschätzten Kosten zwischen zwölf und 20 Millionen Euro kristallisieren sich mittlerweile 15 Millionen Euro heraus. Langfristig abgeschlossene Montage- und realistische Tiefbauverträge mit meist lokalen Unternehmern seien der Schlüssel für diese gute finanzielle Entwicklung gewesen, erläutert Matthias Ketterer im Gespräch. Diese Investition in eine für die Stadt zukunftsorientierte und nachhaltig aufgebaute Infrastruktur sei schlichtweg notwendig.

2017 sei die Verwaltung schließlich in die Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung gegangen, berichtet Matthias Ketterer. 22 Bauabschnitte umfasst das Bonndorfer Glasfasernetz, 20 Abschnitte davon plante das städtische Breitbandamt selbst, zwei – in Gündelwangen Ost und West – wurden extern geplant. Von der Planungsphase habe damals schnell in die bauliche Startphase gewechselt werden müssen – wegen der Zuschüsse, erinnert sich Matthias Ketterer.

Matthias Ketterer erklärt: 1000 Kunden am Netz bis Ende 2021 aufzuschalten sei die Vorgabe gewesen – seine persönliche und die des damaligen Bürgermeisters Michael Scharf, der das Projekt auch im Gemeinderat mit Vehemenz vorangetrieben habe. 700 Kunden seien es bislang, allerdings fehlen noch an die 150 Kunden aus Dillendorf und entlang der Bonndorfer Martinstraße. Letztlich plane die Verwaltung jährliche Einnahmen in sechsstelliger Höhe.

Und wie sieht die Zukunft aus? Das Glasfasernetz sei Teil der kritischen Infrastruktur, so Matthias Ketterer und bedürfe einer besonderen Pflege und Überwachung, da im Katastrophenfall oder auch wie zurzeit in der Corona-Pandemie die Zuverlässigkeit des Datenaustauschs gewährleistet sein muss.

Mit dem bevorstehenden Projektabschluss beginne die Dokumentation des Netzes in zur Verfügung stehenden Systemen, um auch später das Glasfasernetz ausbauen und erweitern zu können, sowie die Netzunterhaltung. Dafür werden Fachleute und Fachfirmen benötigt, nicht zuletzt für den Havariefall (Wartungsarbeiten – wie etwa an Klimatechnik, Systemkundenpflege, Kabelabrisse, Straßenbaufolgemaßnahmen, Verteilerschränke). Auch Neuanschlüsse am bestehenden Netz sowie Erweiterungen in Gewerbe-und Neubaugebieten benötigten Fachwissen. Nicht zuletzt gehe es auch um die laufende Systempflege, um den Wert des Glasfasernetzes dauerhaft zu erhalten oder auch zu steigern. Denn, so Matthias Ketterer, das Glasfasernetz könnte nach 15 Jahren – jedenfalls theoretisch – veräußert werden.

Die Stadt Bonndorf baue ihre kommunale Zukunft als „Fiber To The Home-FttH-Netz“ auf – mit den Kunden zusammen, so Matthias Ketterer. Vertriebspartner und Ansprechpartner für die Produktverträge seien Rudi Temesberger und Petra Kaiser.