Eine interessante Podiumsdiskussion mit der französischen Autorin und Journalistin Pascale Hugues und dem Schweizer Journalisten Daniel Puntas Bernet, moderiert von dem österreichischen Kultur-Journalisten Paul Jandl, hat im Schloss in Bonndorf stattgefunen. Angekündigt unter dem Titel „Betrachtungen zu Deutschland“, wurde die lockere Gesprächsrunde zu einem Austausch über die Begriffe Heimat, Identität und Weltbürger.

Zu den Personen

Der Umgang mit dem Begriff Heimat hat durchaus etwas mit der eigenen Herkunft zu tun. Dennoch sehen die Journalisten den Begriff Heimat nicht mit einem Ort verbunden. Heimat sei für ihn der Ort und Moment im Zusammensein mit anderen Menschen, so Bernet. Für Pascale Hugues ist das Gefühl der inneren Heimat wichtig. Paul Jandl sieht Heimat als etwas, das man mitnimmt und das sich ändert. Für alle Drei ist die innere Haltung entscheidend, die nicht unbedingt mit einem festen Ort verbunden sein muss.

Nationale Identität

Eng verbunden mit dem Begriff der Heimat ist der Begriff einer nationalen Identität, die sich für jedes Land anders darstellt, wie die Ausführungen der Journalisten zeigten. Kritisch sei es, wenn Heimatdefinitionen und nationale Identität in Zusammenhang mit Angst vor Fremdem, Neuem oder Veränderungen stehen, so Hugues und Bernet. Das stehe der Weltoffenheit konträr gegenüber. „Dabei ist Weltoffenheit im Ideal Völkerverständigung pur“, stellt Bernet heraus. In diesem Zusammenhang empfinden es die beiden Journalisten als Zumutung und Anmaßung von außen, als Ausländer zu sagen, was Deutschland tun soll. „In Frankreich wäre so etwas unmöglich“, stellt Pascale Hugues heraus. Bei einer Berichterstattung über ein Land sollte viel mehr nur der unkommentierte Originalton besonders aus der Bevölkerung gebracht werden, so Bernet.

Es kursieren – bedingt durch die sozialen Medien – nach der Ansicht der Journalisten zu viele Meinungen und Kommentare. Wer sich wirklich informieren will, sollte Bücher lesen, sind die Vertreter der schreibenden Zunft sich einig. Und außerdem sollte man viel mehr einfach dem Homo narrans, also dem Geschichten erzählenden Menschen, zuhören. „Wer sich für den anderen interessiert, lebt mehr als ein Leben“, meint Daniel Puntas Bernet.

Was den Umgang mit nicht so netten Eigenschaften der Nachbarn angeht, wie die „Bünzeligkeit“ (Kleinbürgerlichkeit) der Schweizer oder Arroganz der Franzosen, so sollten die Deutschen weniger moralisierend den Finger heben und es mehr mit Loriot halten: „Ich schmunzle gern, wenn es etwas zu schmunzeln gibt.“ Wer seine eigenen inneren Wurzeln hat, der kann – wie eine Dame aus dem Publikum – sagen: „Wo ich bin, bin ich zu Hause!“

Die Veranstaltung im Schloss war gut besucht. Das Interesse der Gäste war groß. Insbesondere zum Begriff Heimat und zum Humor gab es konstruktive Beiträge. In Sachen Humor, der den Deutschen offenbar von außen gesehen eher abgesprochen wird, hatte das Publikum eine andere Meinung. Die Deutschen hätten durchaus Humor. Es war eine spannende und interessante Veranstaltung, in der auch die Kanäle, über die sich die Menschen heute informieren (Soziale Medien) kritisch beleuchtet wurden. Thema war aber hauptsächlich die Weltoffenheit, der Blick auf die Deutschen von außen spielte eher eine untergeordnete Rolle.