Viele haben befürchtet, dass die Vereinsaktivitäten nach der Pandemie zögerlich in Gang kommen. Adda Wientzek, Jugendleiterin des Let‘s Fetz Chors, hat nun Gewissheit. Bei den ersten Proben kamen längst nicht mehr alle Kinder und Jugendlichen, die zuvor mitgesungen haben, vor allem bei den Let‘s Fetz Teens. „Ich vermute, die Leute haben den Termin einfach nicht mehr im Kopf. Nach zwei Jahren Pause mit immer wiederkehrenden Unterbrechungen ist der Montag mittlerweile bei vielen anderweitig verplant“, mutmaßt die Jugendleiterin. „Manche haben andere Interessen, nehmen beispielsweise an Tanzkursen teil, die zur Zeit angeboten werden. Auch andere Chöre haben Schwierigkeiten, dass ihre Mitglieder sich wieder auf die Probentermine einlassen. Bei Sportvereinen verhält es sich vielleicht anders, weil der Bewegungsdrang gerade bei Kindern und Jugendlichen sehr stark ist.“

Dabei sei es nur ein kleiner Schritt, um die Hemmschwelle zu überwinden. „Kinder oder Jugendliche, die zwei-, dreimal mitgesungen haben, bleiben in der Regel dabei. Sie spüren intuitiv, dass Singen ihnen guttut“, beobachtet die langjährige Jugendleiterin. Sie nennt Vorzüge des Singens: „Singen und Bewegen macht nicht nur Freude, sondern fördert Körperspannung sowie Konzentration, verbessert zudem die Gedächtnisleistung und das Sprachempfinden. Singen hilft sogar, Aggressionen abzubauen. Es stärkt das Selbstvertrauen und fördert das Sozialverhalten.“ Adda Wientzek erwog vielerlei Möglichkeiten, Heranwachsende fürs Singen im Chor zu begeistern. Die Pandemie vereitelte jedwede Planung. Der Workshop im Herbst erzielte nicht die erwünschte Wirkung. Mangelnde Auftrittsgelegenheiten tun ein Übriges. „Noch nicht mal im Altenheim konnten wir singen“, bedauert Wientzek. Jede Veranstaltung habe eine Außenwirkung und mache Chöre interessant. Nach zwei Jahren Komplettausfall fehlen Neuzugänge.

Matthias Blattert, der die Leitung der Nachwuchssänger von Sabine Zausig übernommen hat, hatte kaum Gelegenheit, musikalische Ziele zu setzen oder zu realisieren. Beim Repertoire ist der Mann völlig offen. Die Bandbreite reicht von Volksliedern bis zu englischem und deutschem Pop. „Die Kinder und Jugendlichen dürfen gerne mitreden. Wir fragen immer wieder, was sie gerne singen möchten. Meist gibt‘s statt klarer Ansage allerdings ein Schulterzucken“, sagt die Jugendleiterin. Sie hofft, dass in naher Zukunft ein Musical geplant werden kann. Solch ein ehrgeiziges Ziel begeistert die Sänger. „Egal wie herausfordernd die Vorbereitungen auf ein Musical in der Vergangenheit waren. Jedes Mal, wenn wir eins aufgeführt haben, lautete die erste Frage danach: Was machen wir als nächstes?“, beschreibt die Jugendleiterin. Fürs erste hofft sie, dass die Mitwirkung beim Jubiläumskonzert des Let‘s Fetz Chors im Oktober ein Anreiz ist.