Kommt bald wieder Schwung in die Diskussion um die künftige Nutzung des ehemaligen Studer-Areals? Diese Frage darf erlaubt sein, schließlich liegt die vom Gemeinderat beschlossene und viel kritisierte Überplanung des Geländes zur Errichtung eines Fachmarktzentrums mittlerweile zwei Jahre zurück. In einer Ratssitzung im November hatte Bürgermeister Marlon Jost angedeutet, dass wieder Bewegung in die Thematik kommt.

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Das Gelände in der Bonndorfer Weststadt kann im Verlauf der vergangenen rund acht Jahrzehnte auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Viele Projekte wurden gestartet und wieder beendet, viele Pläne wurden entwickelt und wieder verworfen.

1929 fiel der Startschuss

Auf dem Areal zwischen Waldallee und Waldstraße erbaute im Jahr 1929 die Schweizer Seidenweberei Stehli ein zweistöckiges Fabrikgebäude. Dieses Firmengebäude sollte dann eine wechselvolle Geschichte erleben: Dem Unternehmen Stehli folgte die Stumpenfabrik Villiger & Söhne sowie die Rhodiaceta, Kunstseide AG. Nach dem Krieg zog bis 1955 die Spinnerei Ramie AG aus Emmendingen, gefolgt von der Frottee-Weberei Richter aus Ahaus (1958) in das Gebäude ein. Nachdem Georg Richter 1964 verstarb, übernahm sein Sohn Hans die Geschäfte. 1970 siedelte dieser mit der Firma wieder zurück nach Ahaus.

Die Ära Studer

1972 bis 1997 bezog das Unternehmen Willi Studer mit einem Zweigwerk das Gebäude und schrieb die längste Geschichte im Fabrikgebäude. Die bis zu 250 Beschäftigten fertigten im Werk Bonndorf vor allem Leiterplatten und Motoren für fast alle Revox-Produkte. Die „Revox“-Geräte waren für ihre exzellente Qualität bekannt, entsprechend hoch war ihr Preis. 1992 zog sich Willi Studer im Alter von 80 Jahren aus der Firma zurück. Er wurde 1989 mit der Ehrenmedaille der Stadt Bonndorf ausgezeichnet. 1996 verstarb er.

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1997 gingen die Lichter aus

Bis 1997 wurden unter der Regie ehemaliger Studer-Mitarbeiter an der Waldallee noch Leiterplatten produziert, dann gingen hier die Lichter endgültig aus. Der Name Studer blieb dem Fabrikareal aber erhalten. Etliche Jahre nutzte dann der städtische Bauhof das Gelände. Einige Handwerksbetriebe nutzten Teile des Gebäudes als Lagerraum. Der Großteil der ehemaligen Fabrikhallen stand allerdings leer.

Viele Pläne zur Nutzung der alten Fabrikhalle, in der 1997 die Lichter ausgingen, sind bislang gescheitert.
Viele Pläne zur Nutzung der alten Fabrikhalle, in der 1997 die Lichter ausgingen, sind bislang gescheitert. | Bild: Juliane Kühnemund

Neue Idee „Studer-Gewerbepark“

Im Jahr 2004 entwickelte der damalige Geschäftsführer von Hectronic, Ernst Forster, neue Ideen für eine Nutzung der Industriebrache. Am 10. Januar 2004 stellte er ein Konzept vor, das aufhorchen ließ. Das Unternehmen beabsichtigte, die seit Jahren leer stehende Studerhalle in Bonndorf wieder mit Leben zu erfüllen. Mit der Stadt war man, was das Gebäude angeht, schnell handelseinig geworden.

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Ein Teil der Industriebrache sollte dazu genutzt werden, eine Initiative zur verstärkten Lehrlingsausbildung in die Tat umzusetzen. Und da die Studerhalle mehr als 4000 Quadratmeter Nutzfläche bietet, war vorgesehen, weitere Unternehmen an Bord zu holen und auch örtlichen Vereinen die Möglichkeit einzuräumen, sich auf dem Studer-Areal ein Domizil zu schaffen. Das Projekt „Studer-Gewerbepark“ war geboren.

Projekt wird wieder begraben

Nur knapp ein Jahr später war die große anfängliche Euphorie wieder gedämpft. Der Sanierungsaufwand für das alte Fabrikgebäude erwies sich als größer als vermutet, außerdem konnten keine weiteren Interessenten für eine Niederlassung im „Gewerbepark“ gefunden werden. Die Idee war genial, eine Umsetzung scheitert allerdings an der mangelnden Nachfrage. Das Projekt „Studer-Gewerbepark“ musste wieder begraben werden.

Pläne für Einkaufszentrum

Im Zeitraum 2011/ 2012 entstanden dann die ersten Ideen, das ehemalige Studer-Areal als Einkaufszentrum zu nutzen. Damals liefen Gespräche mit den Schmidt‘s Märkten mit Lidl und Aldi, die das Grundstück nutzen wollten, um sich zu vergrößern. Parallel dazu wollte man den Abbruch der alten Industriehallen im Rahmen der Stadtsanierung verwirklichen, um Zuschussmittel erhalten zu können. 2013 war es dann soweit. Die Fabrikgebäude wurden abgerissen.

Das Ende des alten Studergebäudes war 2013 besiegelt. Die Fabrikhalle wurde abgerissen.
Das Ende des alten Studergebäudes war 2013 besiegelt. Die Fabrikhalle wurde abgerissen. | Bild: Claudia Renk

Seither liegt das Gelände brach, da auch die Idee des Einkaufszentrums wieder auf Eis gelegt wurde, weil der Schmidts Markt 2016 seine Pläne änderte und am bestehenden Standort einen Neubau errichten wollte. Dieser konnte dann 2020 eröffnet werden.

Was bringt die Zukunft?

Es stellte sich also wieder die Frage, was geschieht mit dem ehemaligen Studer-Gelände in Bonndorf? Die Stadtverwaltung wartete dann erneut mit einer Planung auf, die eine Bebauung mit Einkaufsmärkten vorsah: Lidl, Aldi und ein dm-Markt haben demnach Interesse signalisiert, sich dort niederzulassen. Im Januar 2020 wurde der Aufstellungsbeschluss für eine Überplanung des Studer-Areals als Einkaufszentrum vom Gemeinderat gefasst. Allerdings: Die Meinungen über das Fachmarktzentrum gingen und gehen stark auseinander. Kritiker brachten im Januar 2021 eine Online-Petition „Stoppt den Verkauf des Studer-Areals“ auf den Weg. Zahlreiche Bürger hatten sich daran beteiligt.

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Das Thema Studer-Aral war auch im Bürgermeister-Wahlkampf 2021 präsent. Dann wurde es wieder still um die Nutzung des Studer-Areals, offenbar wurde und wird weiter nach einem Königsweg gesucht. Laut Marlon Jost fanden diesbezüglich weitere Gespräche statt. Man darf also gespannt sein, wie es nach dem jahrzehntelangen Hin und Her nun weitergehen wird.