Müttern kommt am Muttertag traditionell eine besondere Aufmerksamkeit zu. Der Muttertag steht 2021 bereits zum zweiten Mal unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie. Wie verändert diese Krise den Alltag von Müttern? Welche besonderen Herausforderungen müssen Frauen stemmen, um ihren Familien in dieser Ausnahmesituation gerecht zu werden? Diese Zeitung hat nachgefragt.

Planungssicherheit fehlt

Neben Planungsunsicherheiten infolge kurzfristig ausfallenden Präsenzunterrichts oder schließender Kindergärten ist das häusliche Lernen mit Grundschulkindern momentan die größte Herausforderung. Mütter finden sich plötzlich in der Rolle von Lehrenden. „Vor der Corona-Pandemie konnte man sein Kind motivieren oder auch trösten, wenn es in der Schule mal nicht so gut lief. Jetzt muss man die Rolle des Lehrers übernehmen. Man erklärt, kontrolliert, fordert Leistung und Disziplin. Das birgt völlig neue Konflikte“, schildert die Mutter eines Grundschülers.

Stefanie Hofmeier

„Sehr anstrengend“ – fasst auch Stefanie Hofmeier in Boll ihren Alltag unter Corona-Bedingungen zusammen. Vor elf Wochen kam ihr Jüngster, Julian, zur Welt. „Mein Mann hatte zwei Wochen Urlaub, das war mir eine große Hilfe. Als die Schule wieder losging, hatte sich unser Alltag einigermaßen eingespielt. Außerdem habe ich das große Glück, dass meine Eltern nebenan wohnen. Wenn ich die beiden Großen beim Homeschooling betreue, geht mein Vater schon mal mit dem Kleinen spazieren. Wie berufstätige Frauen all das hinkriegen, kann ich nur bewundern.“

Zwei Schulkinder und ein Baby – das stemmt Stefanie Hofmeier momentan zusätzlich zum Haushalt. Die Corona-Pandemie verlangt Müttern viel zusätzlichen Stress ab. Eigene Bedürfnisse müssen zurückstehen.
Zwei Schulkinder und ein Baby – das stemmt Stefanie Hofmeier momentan zusätzlich zum Haushalt. Die Corona-Pandemie verlangt Müttern viel zusätzlichen Stress ab. Eigene Bedürfnisse müssen zurückstehen. | Bild: Martha Weishaar

Die größte Schwierigkeit bereitet es Stefanie Hofmeier, ihren acht- und zwölf Jahre alten Söhnen neue Lerninhalte zu erklären. „Manchmal komme ich nur mit Hilfe von Google weiter“, sagt die gelernte Krankenschwester. „Mathe ist in den hintersten Schubladen gelandet, wenn man so lange aus der Schule ist. Außerdem haben wir manches ganz anders gelernt. Als Eltern kann man das gar nicht so leisten wie die Lehrerinnen und Lehrer.“

Zukunftssorgen

Die Ungewissheit, wie lange dieser Zustand noch anhält, aber auch die Sorge, ob Leon (zwölf) und Joel (acht) den ganzen Stoff schaffen und wie es für sie nach Corona in der Schule weitergeht, bereiten Stefanie Hofmeier Sorgen. Dass sie die Hausarbeit öfter verschieben muss, gerät dabei zur Nebensache. „Beim Homeschooling kann man nebenher nicht auch noch den Haushalt erledigen“, schildert sie den Spagat, neben Lernbegleitung mittags ein Essen auf dem Tisch und das Haus halbwegs in Schuss zu haben.

Keine Zeit für sich selbst

Bis vor der Geburt ihres Jüngsten war sie Altenpflegerin im hiesigen Pflegeheim. „Obwohl das gerade in der ersten Corona-Welle extrem stressig war, empfand ich es als Glück, arbeiten zu dürfen“, blickt sie auf diese Zeit zurück. Zeit für sich selbst findet die dreifache Mutter so gut wie keine mehr. Sonntags mal in Ruhe zu baden, ist der reinste Luxus, zum Lesen kommt sie gar nicht mehr. Nie für möglich gehalten hätte sie zudem, dass Einkaufen einmal zum wöchentlichen Höhepunkt werden könnte. „Das ist die einzige Gelegenheit, bei der ich mal mit anderen Leuten ein paar Worte wechseln kann“, sagt sie.

Alexandra Haberstroh

Auch Alexandra Haberstroh musste ihren Alltag durch die Corona-Pandemie radikal umorganisieren. Eigene Wünsche rücken völlig in den Hintergrund. „Letzten Sonntag bin ich morgens um 6 Uhr zum Radfahren, um für den Ultra Bike zu trainieren. Jetzt wurde er ja leider abgesagt. Dabei hatte ich es mir als Ziel gesetzt, 2000 Höhenmeter zu schaffen“, sagt die sportliche Arzthelferin.

Mit drei schulpflichtigen Kindern, einer Teilzeitbeschäftigung als Arzthelferin, Haus und Garten muss sich Alexandra Haberstroh während der Corona-Pandemie und dem Homeschooling völlig neu organisieren.
Mit drei schulpflichtigen Kindern, einer Teilzeitbeschäftigung als Arzthelferin, Haus und Garten muss sich Alexandra Haberstroh während der Corona-Pandemie und dem Homeschooling völlig neu organisieren. | Bild: Martha Weishaar

Mit einer 25-Stunden-Arbeitswoche, drei Kindern, Haus und Garten musste Alexandra Haberstroh sich schon vor Corona gut organisieren. Nun kommt das häusliche Lernen dazu, was die Haushaltsführung kolossal durcheinanderbringt. „Ich koche vor, manches lässt sich auch auf den Abend verschieben, aber Fensterputzen oder Gartenarbeit geht nun mal bei Dunkelheit nicht“, beschreibt die 44-Jährige die Situation.

Stress bei der Arbeit

Auch in der Arztpraxis, in der sie arbeitet, hat der Stress zugenommen. „Überall spürt man einen erhöhten Druck und man will allen gerecht werden. Ohne Unterstützung meines Mannes wäre das alles gar nicht zu bewerkstelligen. Ich frage mich, wie Alleinerziehende das schaffen.“ Mittlerweile kommt auch die Oma wieder regelmäßig. Während der ersten Welle traf man sich wochenlang gar nicht, aus Sorge, die Großeltern anzustecken.

Positive Aspekte

Die Frau kann der Krise allerdings auch positive Aspekte abgewinnen. „Die Kinder unterstützen sich gegenseitig und helfen öfters mal im Haushalt mit, weil sie sehen, dass es hinten und vorne klemmt.“ Wenn ihr Mann Homeoffice und alle drei Kinder Homeschooling haben, ist bei Haberstrohs in Wittlekofen besondere Disziplin angesagt. Man verteilt sich auf Büro, Kinder- und Esszimmer.

Lernstoff stößt an die Grenzen

Auch Alexandra Haberstroh kommt zuweilen an ihre Grenzen, wenn sie ihren zehn-, zwölf- und 14-jährigen Kindern neuen Lernstoff erklären soll. „Ohne Youtube und Hilfe meines Mannes ginge das nicht immer. Heute wird manches anders beigebracht, als wir es lernten“, räumt sie ein. „Und Mathe war sowieso nie meins, eher Englisch und Biologie“. Zur Sorge, dass ihre Kinder dauerhaft schulische Nachteile haben könnten, kommt allmählich eine gewisse Corona-Müdigkeit auf. Mal wieder mit den Wittlekofener Narren eine gesellige Wanderung zu unternehmen, Freunde zu treffen, in ein Konzert zu gehen – all das fehlt.

Strukturen noch nicht angepasst

In der Corona-Pandemie tritt deutlich zutage, dass die Hauptlast dessen, was Familien jetzt stemmen müssen, bei den Müttern liegt. „Selbst nach einem Jahr Pandemiegeschehen wurden die Strukturen in den Schulen nicht dahingehend angepasst, dass Unterricht reibungslos funktioniert“, kritisiert eine Mutter. Nächtliches Bügeln, Putzen oder Schreibkram erledigen, sind zur Regel geworden. Wer im Homeoffice arbeitet, dessen Arbeitstag beginnt häufig um 5 Uhr früh. „Feierabend gibt‘s keinen mehr, Freiräume sind komplett weg“, sagt sie.

Muttertag

Vielleicht zeigt sich ja am sonnigen Muttertag der eine oder andere Lichtblick für all die Mütter, die in dieser Krise so Außergewöhnliches leisten müssen und leisten.