Die Wandersaison beginnt, der Wanderbus des Landkreises fährt ab Samstag, 16. Mai. Spätestens mit der Öffnung der ersten Hotels gegen Ende Mai kann in der Region so etwas wie vorsichtiger Tourismus in der Corona-Krise beginnen. Bonndorfs Tourismus-Chefin Petra Kaiser freut sich: „Wir bekommen jetzt immer mehr Nachfragen, ob die Wutachschlucht offen ist.“ Das ist der Fall. Allerdings gibt es auch hier coronabedingte Einschränkungen.

Hoch oben an der L 170, nahe dem Abzweig von der B 315 in Richtung Schattenmühle, gibt es erneut einen Geländeabbruch. Leicht unterhöhlt scheint hier die Fahrbahn zu sein und aus dem gerutschten Hang hat sich eine mächtige Weißtanne gelöst, sie hängt mit der Wurzel in der Luft und lehnt lediglich an weiteren Bäumen. „Wir fürchten, dass die Tanne die darunter stehenden Bäume im Domino-Effekt mit in die Tiefe reißen könnte“, erklärt Wutachranger Martin Schwenninger. Deshalb ist die Lotenbachklamm – einer der schönsten Einstiege in die Wutachschlucht – zwischen Bonndorf und Gündelwangen weiterhin gesperrt.

Weiter unten an der L 170, Richtung Abzweigung nach Boll, wirft die Straße auch nach der umfangreichen Sanierung Wellen.
Weiter unten an der L 170, Richtung Abzweigung nach Boll, wirft die Straße auch nach der umfangreichen Sanierung Wellen. | Bild: Gudrun Deinzer

Es sei auch insofern ein schwieriges Gebiet, als die Wege in diesem alpin wirkenden Streckenabschnitt besonders schmal seien, erläutert der Wutachranger. Das macht das Einhalten der Abstandsregeln schwierig. Ebenfalls coronabedingt, wurden die Wege durch die Schlucht nicht in dem Maße gepflegt wie sonst im Frühjahr. „Die Putzete haben wir ausfallen lassen, da wären zu viele Helfer auf einmal zusammen gekommen“, erklärt Schwenninger, der auch Vorsitzender des örtlichen Schwarzwaldvereins ist.

Der Hangrutsch oberhalb der Lotenbachklamm hat die Wurzeln einer mächtigen Weißtanne freigelegt.
Der Hangrutsch oberhalb der Lotenbachklamm hat die Wurzeln einer mächtigen Weißtanne freigelegt. | Bild: Gudrun Deinzer

Einzelne Helfer des Vereins hätten aber kleine Ausbesserungsarbeiten vorgenommen, auch Steine und andere Stolperfallen weggeräumt. Abgesehen von der Lotenbachklamm sei die Situation in der Schlucht überschaubar. „Die Wege der Wutachschlucht allgemein sind gut begehbar“, beruhigt Martin Schwenninger, dem es ein Anliegen ist, dass die Natur für die Menschen erlebbar ist; aus einem einfachen Grund: „Ich muss die Natur kennen und schätzen, um sie auch gerne zu schützen.“

Die enge Lotenbachklamm, einer der schönsten Einstiege in die Wutachschlucht, bleibt gesperrt. Wutachranger Martin Schwenninger hat ein Auge drauf.
Die enge Lotenbachklamm, einer der schönsten Einstiege in die Wutachschlucht, bleibt gesperrt. Wutachranger Martin Schwenninger hat ein Auge drauf. | Bild: Gudrun Deinzer

Der Wanderbus, der ab Samstag, 16. Mai, erstmals wieder verkehrt, fährt alle üblichen Haltestellen an, erläutert Lothar Probst vom Landratsamt auf Anfrage. Darunter sei auch die Lotenbachklamm – ein Ausstieg dort sei allerdings nicht sinnvoll, solange die Klamm nicht begehbar ist. Alle Regeln, die sonst im öffentlichen Personen-Nahverkehr gelten, seien auch für die Wanderbusse relevant. „Die Fahrgäste müssen Mund- und Nasenschutz tragen und so weit wie möglich Abstand halten“, so Probst. Dass das im Bus häufig weniger ist als die vorgeschriebenen 1,50 Meter, sei allen Beteiligten klar. Falls der Ansturm zu groß werden sollte, würde jeweils über den Einsatz eines weiteren Busses zur entsprechenden Zeit nachgedacht.

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Was die Straßenschäden betrifft, konnte Maren Schäpers, zuständig im Regierungspräsidium Freiburg, Sitz Bad Säckingen, beruhigen. Ein weiteres Abrutschen der Straße befürchten befragte Geologen derzeit nicht. Die Straßenmeisterei würde die Stelle auch regelmäßig kontrollieren. Mit einer Ausbesserung sei im Herbst zu rechnen – mit nur halbseitiger Sperrung. „Ähnliche Schadstellen haben wir schon öfter repariert“, berichtet Schäpers.

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Mehr Kopfzerbrechen bereite die inzwischen spektakuläre Verwerfung der Straße weiter unten, Richtung Abzweigung nach Boll. Schon bald nach der Eröffnung des Streckenabschnitts im Mai 2018 – der dafür ein dreiviertel Jahr vollständig gesperrt war, zeigten sich erste Absenkungen und Risse, dann entstanden, über die darunter verbauten riesigen Betonstelen gespannt, so etwas wie „Donauwellen“, inzwischen entwickeln sich diese aber zu „Straßen-Atlantik-Wogen“. Unumwunden gibt Schäpers zu: „Dieser Rutsch ist sehr, sehr schwierig und wir haben derzeit einfach keine Lösung.“ Will heißen: Die Fachleute machen sich weiterhin Gedanken – eine dauerhafte Lösung ist derzeit aber noch nicht absehbar.

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