Ein Duell zwischen „froonsösischem Akson“ und Berliner Schnauze, und das mitten im Schwarzwald, ist per se ein Lacher. Spätestens wenn „icke“ dann in Nullkommanichts zu waschechtem Schwyzerdütsch wechselt, ist klar, hier geht es um Kleinkunst. Und zwar in allerbester Reinform. Keine Frage also, dass das Duo Luna Tic beim Folktreff das Publikum hellauf begeisterte. Nicht oft im Leben gibt‘s so viel auf einmal zu lachen.

Vordergründig könnten sie verschiedener nicht sein, Stéfanie Lang alias Claire aus Genf und Judith Bach alias Olli aus Berlin. Die französisch parlierende Grand Dame im „kleinen Schwarzen“ neben dem quirlig aufgeregten Zwuckel mit frecher Klappe und ordinärem Lachen. Die eine souverän auf High Heels, die andere ständig ihren scheinbar viel zu großen Rock hochziehend. Dabei ergänzen sie sich genial, sei es mit exzellentem Klavierspiel, urkomischer Mimik, gewagter Akrobatik, verwirrend rasanter Sprechkunst sowie formidablem Gesang.

Michael aus der erstem Reihe

Der rote Faden ihres neuesten Programms „On Air“ ist eine Liveschalte auf „Radio Luna Tic, 46,9 fm“, in welches sie gelegentlich Michael aus der ersten Reihe einbeziehen – in der irrigen (?) Annahme, es handle sich um den Bürgermeister. Gleichermaßen virtuos bearbeiten die zwei in allen denk- und undenkbaren Positionen das Piano, gendern verkehrt herum die Krankenschwester zum Krankenbruder oder streiten sich, ob die italienische Trend-Teigware nun „Knotschi“ oder „Nijoki“ ausgesprochen werden sollte. Und sparen bei ihrer gegenseitigen Vorstellung nicht mit Häme.

Das könnte Sie auch interessieren

Behauptet die kleine Olli doch frech: „Sexbomb wurde für mich geschrieben“ und „Claire hat O-Beine, die sehen aus wie dett Brandenburger Tor.“ Die Entschuldigung folgt auf dem Fuß, im harmonischen Duett von „Sound of Silence“. Ob ihr Klavierspiel indes eher wie Hackbraten mit Sauerkraut oder Fondue klingt, konnten die Künstlerinnen untereinander letztendlich nicht klären. Ungeachtet der einen oder anderen „Stunkförung – ääh Funkstörung“ tanzt Olli wie ein Derwisch über die Bühne derweil Claires romantisches Liebes-Hörspiel eins ums andere Mal im Drama ausartet.

Clownesk, wie sich die beiden geben, gehört gleichwohl auch die ernste Seite beruflichen Spaßmachens dazu. So berührt Olli mit ihrem traurigen Lied „Ick kiek um mir rum und weeß nicht, warum alle lachen“ die Herzen der Zuhörer im Innersten. Die zwei Bühnenprofis entlassen ihr Publikum, das längst zu Fans mutierte, jedoch nicht in solch nachdenklicher Stimmung. Mit furios akrobatischem Piano-Rundlauf und Otto Reuters altem Gassenhauer „Nehmen Sie nen Alten“ runden sie ihre gekonnte Show ab – gefühlt viel zu früh.

Das könnte Sie auch interessieren

Egal, ob Zuschauer mit einer der 100 städtischen Freikarten der Senioren-Aktion „Reif für Bonndorf“ oder deutlich jüngere Selbstzahler dieses Kleinkunstspektakel genossen, die Begeisterung war unüberhörbar. Anerkennung verdient überdies die Organisation unter den Zeichen der Pandemie. Die mehr als 200 Besucher wurden vor dem Betreten der Halle konsequent nach Vorlagen ihres Impf-, Test- oder Genesenen-Nachweises kontrolliert. Zudem bestand vor Ort Gelegenheit zum Schnelltest. Und all das wurde einmal mehr rein ehrenamtlich geleistet.