Bau- und Handwerksbetriebe sind einige der wenigen Branchen, die während der Corona-Pandemie keine nennenswerten Einbrüche zu verzeichnen hatten. Während sich seit geraumer Zeit viele Bereiche der Wirtschaft vom Lockdown erholen, steht die Bauwirtschaft indes vor unerwarteten Herausforderungen. Materialknappheit und steigende Rohstoffpreise stellen Planungen auf den Kopf. Auch der seit langem bestehende Mangel an Fachkräften sowie Bauhelfern verschärft sich zusehends. Bauunternehmer Klemens Amann beschreibt am Beispiel seines Unternehmens die aktuelle Situation und den Wandel im Bauhandwerk.

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„Die Bautätigkeit hat angesichts der guten konjunkturellen Lage rasant Fahrt aufgenommen, es herrscht große Nachfrage. Und weil über viele Jahre hinweg zu wenig gebaut wurde, steigt der Bedarf“, fasst der Maurermeister die aktuelle Situation am Bau zusammen. Er spricht von einem Hype, egal ob es sich um Gewerbe- oder Wohnbebauung handelt. „Weltweit springt die Konjunktur an, die Zinsen sind auf Tiefständen, da pumpen alle Geld in den Markt“, analysiert Klemens Amann. Und das in einer Zeit, da es für Kommunen zunehmend schwierig wird, Bauland auszuweisen.

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Ausgerechnet in dieser Hochkonjunkturphase explodieren derzeit die Materialpreise. „Betonstahl hat sich um 30 Prozent verteuert, zum Teil ist er gar nicht mehr lieferbar. Auch Kunststoffteile sind deutlich teurer geworden. Dämmmaterial ist nicht nur teurer, man konnte früher auswählen, welches man wollte. Jetzt muss man nehmen, was es am Markt gerade gibt. Da heißt es selbst von Lieferanten, mit denen man seit vielen Jahrzehnten eine verlässliche Geschäftsbeziehung hat nur: „Wenn was da ist, bekommst du es. Aber nicht termingenau direkt zur Baustelle, sondern dann, wann es passt, aufs Firmengelände.“ Allein das bedingt zusätzlichen Lager- und Transportaufwand.

Vieles aus Asien

Der Handel mit Bau- und Rohstoffen ist längst globalisiert, vieles wird aus Asien importiert. Klemens Amann hofft, dass die Preise wieder sinken, denn die gestiegenen Rohstoffpreise können nicht immer an die Kunden weitergegeben werden. An Angebotspreise, für die bereits ein Auftrag erteilt wurde, ist man gebunden. Also behalten sich Bau- und Handwerksbetriebe neuerdings etwaige Materialpreissteigerungen vor. Ob aus diesem Grund Aufträge storniert wurden, möchte diese Zeitung wissen. „Zwei Bauvorhaben wurden aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise verschoben. Wenn, wie angenommen, die Zinsen wieder steigen, könnten weitere unkalkulierbare Risiken aufkommen“, mutmaßt der Maurermeister.

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Verändert hat sich im Verlauf der nunmehr 60-jährigen Firmengeschichte aber auch manches andere. So haben sich die Bauzeiten radikal verkürzt, was an neuen Materialien, aber auch der Verwendung von Fertigteilen liegt. Binnen vier bis fünf Monaten reiner Bauzeit ist ein durchschnittliches Einfamilienhaus bezugsfertig. Wobei es gar nicht schlecht wäre, sich länger Zeit zu lassen. „Viele Ideen reifen erst im Lauf der Zeit, es wäre schön, wenn Bauherren Entscheidungen reifen lassen könnten“, räumt Christine Amann ein. Auch werden Bauplätze zunehmend kleiner, die meisten bauen nur für sich, also ohne weitere Mietwohnung.

Nicht zuletzt legen Bauherren immer häufiger Wert auf Klimaneutralität und umweltfreundliches Bauen. Klemens Amann recycelt Bauschutt. Abbruchmaterial wird gebrochen, gesiebt und wieder verwendet. Bauholz hat er im vergangenen Jahr erstmals aus dem eigenen Wald geholt, was aber einen anderen Grund hatte. Die Bäume waren vom Borkenkäfer befallen, mussten schnellstmöglich weg, und die Preise am Holzmarkt lagen darnieder. Also entschloss er sich, das Holz selbst zu verwenden.

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Dauerhaft Sorge bereitet dem Unternehmer der Fachkräftemangel. Immer weniger junge Menschen lassen sich im Bauhandwerk ausbilden. Noch nicht mal für ein Praktikum lassen sich Jugendliche begeistern. „Die Arbeit im Team hat doch etwas Tolles, bildet die Persönlichkeitsentwicklung und lässt gestalterischen Spielraum für Leute, die räumliches Denken und handwerkliches Geschick haben“, fasst Klemens Amann einige Vorzüge seines Berufes zusammen. Zudem fördere das Miteinander auf der Baustelle Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Umso mehr freut ihn, dass etliche Mitarbeiter in der nunmehr 60-jährigen Firmentradition von der Ausbildung bis zum Renteneintritt dem Unternehmen treu sind.