Der Bauboom in Bonndorf hält an. Schon wieder sind nahezu alle erschlossenen Baugrundstücke im Neubaugebiet MittlishardtIII verkauft und auch im Neubaugebiet „Im Waldfrieden“ sind keine Bauplätze mehr verfügbar. Man müsse neues Bauland im Bereich Mittlishardt IV schnellst möglich zur Verfügung stellen, hieß es in der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der der Investitionsplan für 2021 beraten wurde.

40.000 Euro für Planung

Für die Planung des Neubaugebietes „Mittlishardt IV“ sind im Entwurf des Investitionsplans 40.000 Euro eingestellt, und diese Summe sollte auch beibehalten werden, so der Appell der Verwaltung, die zu bedenken gab, dass ansonsten den Wünschen von Bauwilligen nicht mehr entsprochen werden könne. Der Vorschlag der Verwaltung, die Planung voranzutreiben, stieß im Gemeinderat auf offene Ohren. Ingo Bauer war der Meinung, dass man keine Zeit verlieren dürfe. Auf neue Bauplätze könne man nicht verzichten, ansonsten bestehe die Gefahr, dass junge Familien von Bonndorf wegziehen. Bauplätze – Ja, man müsse aber auch ein Auge auf den Flächenverbrauch haben, gab Werner Intlekofer zu bedenken. Er könnte sich anstelle von Einfamilienwohnhäusern eine verdichtete Bebauung vorstellen, um den Flächenverbrauch zu reduzieren und die Landschaft zu schützen. Auch Bruno Kalinasch erachtete es als notwendig, die Form des Wohnungsbaus mit großem Flächenbedarf zu verändern, das gelte auch für Gewerbeflächen, so Bruno Kalinasch. Wie Bürgermeister Michael Scharf dazu erläuterte, steht auch im Gewerbegebiet Im Breitenfeld eine Erweiterung an, alle bisherigen Grundstücke dort sind verkauft, beziehungsweise reserviert.

Das könnte Sie auch interessieren

Martha Weishaar konnte sich damit anfreunden, Planungsraten für die Baugebietsentwicklung zur Verfügung zu stellen. Sie forderte aber ein Gesamtkonzept zu der Frage, wohin sich Bonndorf entwickeln sollte. Zum einen gebe es soziale Herausforderungen zu meistern – 20 Prozent der Einwohner haben Migrationshintergrund –, zum anderen sollte man den Klimawandel berücksichtigen. Weishaar könnte sich vorstellen, für künftige Baugebiete einen Nahwärmeanschluss oder Photovoltaikanlagen verpflichtend zu machen. Dabei war sie sich sicher, dass das Gros der Bürgerinnen und Bürger solche Maßnahmen zum Klimaschutz befürworten würden. Auch Monika Spitz-Valkoun sprach sich dafür aus, über neue Konzepte in der Wohnbauentwicklung nachzudenken. Den von der Verwaltung vorgeschlagenen Finanzmitteln im Haushalt für die weiteren Planungen von Wohnbauflächen stimmte das Gremium zu. In welche Richtung dann letztendlich geplant wird, darüber wird man sich dann noch intensiv unterhalten können.

Nicole Messerschmid geht

Bislang verfügte die Stadt Bonndorf ins Sachen Bebauungsplanungen über einen großen Schatz – namentlich Nicole Messerschmid – die als Bauamtschefin seit Jahren sämtliche Planwerke in Eigenregie aufstellte. Nicole Messerschmid war für die Stadt damit im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert – konnte sich die Kommune doch die nicht unerheblichen Kosten für Planungs- und Ingenieurbüros sparen. Jetzt hat Nicole Messerschmid aber angekündigt, die Bonndorfer Stadtverwaltung zu verlassen. Sie will ins Rathaus nach Schluchsee wechseln, und sich dort neuen Herausforderungen als Rechnungsamtsleiterin stellen. Die drei Bürgermeisterstellvertreter Ingo Bauer, Gernot Geng und Tilman Frank, ließen es sich in jüngster Ratssitzung nicht nehmen, Nicole Messerschmid im Namen des Gremiums großen Dank für die geleistete Arbeit auszusprechen.

„Wir sind todtraurig, dass Du gehst“, sagten die Stadtvertreter, die insbesondere die hohe fachliche Kompetenz der 33-Jährigen lobten und ihre tolle menschliche Art. Künftig werde die Stadt bei Bebauungsplanungen für teures Geld Ingenieurbüros beauftragen müssen, was sich letztendlich auch auf die Grundstückspreise auswirken werde. Insofern schmerze der Weggang von Nicole Messerschmid in mehrfacher Hinsicht. Nichtsdestotrotz akzeptiere und respektiere man die Entscheidung der jungen Fachfrau und wünsche ihr in Schluchsee viel Spaß und Erfolg bei der Arbeit. Und vielleicht – so die Hoffnung der Bürgermeisterstellvertreter – komme Nicole Messerschmid ja auch mal wieder nach Bonndorf zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Den Verlust der Stadtbaumeisterin bedauerte natürlich auch Bürgermeister Michael Scharf, der die Qualitäten von Nicole Messerschmid bereits erkannt hatte, als die damalige Realschülerin ein Praktikum in der Verwaltung gemacht hatte. „Wir wollten das Mädle aus Wellendingen daraufhin unbedingt haben“, sagte Scharf und zollte der jungen Frau riesigen Respekt dafür, dass sie die Verwaltungsausbildung, Fachhochschulreife und Studium durchweg mit Bestnoten absolvierte. Mit der höchsten zu erreichenden Punktzahl habe sie den besten Abschluss in ganz Baden-Württemberg hingelegt. „Ich habe selten jemanden erlebt, der so zielstrebig ist und dennoch ein richtiger Kumpel sein kann“, meinte Michael Scharf und ergänzte, dass er den menschlichen Verlust fast mehr bedauere als den fachlichen Verlust.

Das könnte Sie auch interessieren

16 Jahre lang hat Bürgermeister Scharf mit Nicole Messerschmid im Bonndorfer Rathaus zusammengearbeitet und er sei in dieser Zeit wahnsinnig froh gewesen, sie an seiner Seite zu haben, so der Rathauschef, der die nun scheidende Bauamtschefin bereits als Teeny auf dem Fußballplatz kennengelernt hatte. Bei allem Bedauern habe er aber auch vollstes Verständnis dafür, dass Nicole Messerschmid nun eine neue Herausforderung in der Schluchsee-Verwaltung suche.