Die Nachfrage nach Bauplätzen ist in Bonndorf ungebrochen hoch. „In den vergangenen drei Jahren wurden über 60 Baugrundstücke verkauft“, sagte Bürgermeister Michael Scharf in der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der die Aufstellung des Bebauungsplans „Mittlishardt IV“ Thema war. Diese Erweiterung des Wohngebiets erachtet der Rathauschef als dringend notwendig, verfügt die Stadt derzeit doch über kein einziges Baugrundstück mehr und auch im privaten Baugebiet „Im Waldfrieden“ sind bereits alle Bauplätze verkauft.

Bauherren stehen in Startlöchern

Wolle man verhindern, dass Bauwillige mangels Möglichkeiten vor Ort aus Bonndorf abwandern, sollten schnellstmöglich neue Flächen erschlossen werden, sagte Franziska Dietsche vom Stadtbauamt, die den Bebauungsplanentwurf „Mittlishardt IV“ im Gemeinderat vorstellte. Nach ihren Informationen stehen bereits jetzt schon wieder eine ganze Reihe von interessierten Bauinteressenten in den Startlöchern. Ein konkreter Bedarf ist vorhanden.

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In der Zukunft will die Stadt Bonndorf bei der Wohnbauentwicklung aber nicht nur auf Einzel- oder Doppelhäuser setzen. Wie Bürgermeister Scharf bekannt gab, beabsichtige man, ein weiteres Gebiet auf den Weg zu bringen, in dem zwölf große Mehrfamilienhäuser entstehen sollen. Hier dränge die Zeit aber noch nicht.

26 Bauplätze geplant

Zurück zum Bebauungsplanentwurf „Mittlishardt IV“: Nach anfänglichen teils problematischen Grundstücksverhandlungen ist es der Stadt zwischenzeitlich gelungen, alle Grundstücke, die für die Wohngebietserweiterung erforderlich sind, zu erwerben. Insgesamt umfasst das Plangebiet knapp 21.000 Quadratmeter (2,1 Hektar), das Nettobauland summiert sich auf rund 16.240 Quadratmeter (1,6 Hektar). Die restlichen Flächen sind für Straßen, Gehweg und Grünstreifen vorgesehen, außerdem umfasst das Gebiet noch eine Fläche für die Landwirtschaft (1544 Quadratmeter). Dieses Grundstück wurde von den Eigentümern nicht verkauft und dient somit weiter der landwirtschaftlichen Nutzung.

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Geplant ist, 26 Bauplätze zu erschließen, dabei sollen nicht nur wie bisher Einzel- und Doppelhäuser zulässig sein, sondern auch Häuser mit bis zu vier Wohneinheiten. Damit unterstütze die Stadt die Intention des Gemeinderats, mehr Wohnraum ohne zusätzliche Flächenversiegelung schaffen zu können, sagte Franziska Dietsche.

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Ansonsten seien die Festsetzungen des Planentwurfs „Mittlishardt IV“ vergleichbar mit denen des Plans „Mittlishardt III“. Die Regelungen seien großzügig gehalten, um den Bauherren eine flexible Gestaltungsweise auf dem Grundstück zu ermöglichen. Verkehrsmäßig soll das Plangebiet durch einen Anschluss an die Straßen Ahornweg und Holunderweg erschlossen werden, ergänzte Dietsche. Im Plangebiet sollen 36 Bäume gepflanzt werden, bei der Straßenbeleuchtung setzt man auch insektenfreundliche Leuchtmittel. Empfohlen wird, die Flächenversiegelung auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken und die Grundstücke mit heimischen Pflanzen zu begrünen.

Anregungen aus dem Gremium

Stadtrat Bruno Kalinasch (SPD) sprach das Thema klimaneutrales Bauen an, ein 20-Punkte-Plan für mehr Klimaschutz sollte erarbeitet werden. Monika Spitz-Valkoun (Grüne) und Martha Weishaar (CDU) regten an, einen Nahwärmeanschluss eventuell verpflichtend zu machen, beziehungsweise wenigstens die Kosten für das Verlegen der Wärmeleitungen zu ermitteln. Die Hinweise zur Flächenversiegelung sollten zudem konkretisiert werden.

Nachteile von Zisternen

Bernhard Hegar forderte eine Zisterne auf jedem Grundstück und von Martha Weishaar wurde ein Fuß- und Radweg vom Wohngebiet ins Zentrum angesprochen. Die Anregung von Bernhard Hegar, auch Flachdächer im Wohngebiet zuzulassen, die begrünt werden müssen, wurde befürwortet. Werner Intlekofer regte an, die Leerstände im Stadtgebiet zu lokalisieren. Auch hier könnte, möglicherweise mit Fördermitteln, neuer Wohnraum geschaffen werden. Auch dies wurde von der Verwaltung aufgenommen.

Nahwärme

Bezüglich eines Nahwärmeanschlusses will sich die Verwaltung mit der Firma Solarcomplex in Verbindung setzen, um mögliche Kosten zu ermitteln. „Dann kann der Gemeinderat entscheiden“, sagte Scharf. Er glaubt aber, dass Neubauten wegen guter Dämmung keinen großen Wärmebedarf mehr haben, sodass ein Nahwärmebezug unwirtschaftlich sein könnte. Zum Thema Zisternen sprach sich Scharf gegen eine verpflichtende Vorschrift aus. „Zisternen belasten die Wasserversorgung“, sagte der Bürgermeister und konkretisierte, dass die Wasserspeicher in trockenen Zeiten leer sind und oft über die öffentliche Wasserversorgung aufgefüllt werden. Zudem falle für Zisternenwasser keine Abwassergebühr an, was die Finanzen der Kommune belaste.

Baukosten werden steigen

Simon Scherble (SPD) appellierte, den Bauwilligen nicht zu viele Auflagen zu machen. Alles koste zusätzliches Geld und Bauen dürfe nicht nur den Reichen vorbehalten sein. Dem stimmte der Rathauschef zu, der ohnehin davon ausgeht, dass die Baupreise, die bereits jetzt auf einem hohen Niveau liegen, weiter steigen werden. Und Scharf kündigte auch gleich an, dass die bisherigen Bauplatzpreise von 110 Euro pro Quadratmeter nicht mehr zu halten sein werden. Er rechnet mit Mehrkosten in Höhe von 30 Prozent – durch höhere Kosten bei der Erschließung und auch deshalb, weil die Planungsleistungen nicht mehr wie bisher vom städtischen Bauamt erbracht werden (Nicole Messerschmid hat das Rathaus verlassen), sondern an externe Planungsbüros vergeben werden müssen.

Die Entscheidung

Alles in allem konnten sich die Bonndorfer Stadträte mit der Planung anfreunden. Die Aufstellung des Bebauungsplans „Mittlishardt IV“ wurde beschlossen, mit dem Hinweis, auch die Planung für das Gebiet für Mehrfamilienwohnhäuser nicht außer Acht zu lassen, sondern weiter voranzutreiben.