Leuchtend gelbe Blütenfelder an der Kreisstraße nach Boll und weiter zur Schattenmühle wecken die Neugier Vorbeifahrender. Das sind keine Sonnenblumenfelder. Was blüht da so prächtig? Es ist die Durchwachsene Silphie, die hierzulande noch wenig, im Landkreis Waldshut bisher überhaupt nicht vorkommt. Philipp und Michael Käppeler wagen einen ersten Versuch mit dem Anbau der Energiepflanze. Sie schildern die Vorzüge der Pflanzen sowie ihre Beweggründe für das Experiment.

Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) ist eine Energiepflanze und gehört zur Familie der Korbblütler.
Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) ist eine Energiepflanze und gehört zur Familie der Korbblütler. | Bild: Martha Weishaar

Agrartechniker Michael Käppeler ergriff die Initiative für den Versuch. Seinen Vater Philipp konnte er rasch überzeugen. Vater und Sohn sind gleichermaßen innovationsfreudig, probierten in der Vergangenheit schon gelegentlich Neues. Im vergangenen Jahr säten die Boller Landwirte auf drei kleinen Feldern mit insgesamt zweieinhalb Hektar Fläche erstmals Durchwachsene Silphie aus. Und zwar zwischen den Reihen von Mais. Zur Aussaat braucht es eine spezielle Sämaschine, deren Dienste der Saatgutlieferant mit offeriert.

„Die Silphie hat im ersten Jahr eine extrem langsame Entwicklung. Der Mais bietet ihr in dieser Phase ausreichenden Schatten und verhindert, dass Unkraut die jungen Pflanzen überwuchert“, erklärt Michael Käppeler. Bis der Mais im Herbst geerntet wird, hat die Silphie sich so weit entwickelt, dass der Boden begrünt und damit vor Erosion geschützt ist. Der Maiserntevorgang schadet ihr nicht.

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Im zweiten Jahr wachsen die Pflanzen bis zu einer Höhe von zwei Metern heran. Ab dem dritten Jahr können sie bis drei Meter Höhe erreichen. Vier Triebe ragen aus jeder Wurzel empor. Die gelbe Blütenpracht entfaltet sich im Hochsommer just zu dem Zeitpunkt, da viele andere Pflanzen bereits verblüht sind. Vor allem blühen sie über einen vergleichsweise langen Zeitraum, da sich die vielen Blüten jeder Pflanze nach und nach entfalten. Die gelben Blütenmeere sind ein wahrer Tummelplatz für Wild- oder Honigbienen sowie weitere Insekten.

Trockene Phasen gut überstehen

Die Silphie wurzelt tief, verträgt damit auch trockene Phasen besser als der Flachwurzler Mais. Außerdem sammelt sie in ihren Blattbechern Tau und Regenwasser, bewässert sich damit sozusagen selbst. Gleichwohl kommt auch sie nicht ganz unbeschadet durch die derzeit herrschende Trockenheit, wie sich an vereinzelt auftretendem Pilzbefall zeigt.

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Als Futter für Kühe eignet sich die Silphie mit ihren pelzig-rauen Blättern nicht. Sie dient vielmehr der Energiegewinnung. Im September werden die Pflanzen gehäckselt und als Ganzpflanzensilage der Biogasanlage zugeführt. Ihr Energiegehalt entspricht etwa drei Viertel dessen, was Mais hergibt.

Größter Vorteil der Silphie ist indes, dass sie für die Dauer von bis zu zehn Jahren geerntet werden kann. In diesem Zeitraum muss also weder gepflügt noch geeggt oder gesät werden – was sowohl Arbeitszeit als auch Maschinen- und Energieaufwand spart. Sollte Unkraut überhandnehmen, beseitigt man dieses mit kleinen Hackgeräten. Auf Unkrautvernichtungsmittel kann verzichtet werden.

Vor allem kleine Flächen eignen sich für den Anbau

Vor allem kleinflächige Felder, die anteilmäßig hohe Bewirtschaftungskosten bedingen, eignen sich für den Anbau von Silphie. Die nach wie vor hohen Kosten für die Aussaat rechtfertigen sich laut Käppeler in mehrerlei Hinsicht. Wobei die Kosten bereits deutlich gesunken sind.

„Bis vor fünf Jahren mussten Setzlinge vorgezogen und gepflanzt werden. Das kostete 10.000 Euro pro Hektar. Seit die Aussaat möglich ist, liegt man bei etwa 2500 Euro“, beschreibt Michael Käppeler die Entwicklung. Aufgrund der über Wochen hinweg versetzten Blühzeiten ist die Gewinnung keimfähiger Samen jedoch nach wie vor aufwendig.

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Nach der Ernte treibt die Silphie erneut aus, sodass die Ackerflächen über den Winter hinweg begrünt sind und dem Boden Stickstoff entzogen wird. Das wiederum wirkt sich günstig auf den Nitratgehalt im Grundwasser aus. Die Pflanze eignet sich damit für Anbauflächen in Wasserschutzgebieten.

„Der Anbau von Silphie ist eine ergänzende Maßnahme, aber den Mais ersetzen kann sie nicht. Wenn der Ertrag zufriedenstellend ist, werden wir die Anbaufläche wahrscheinlich ausweiten“, sagt Philipp Käppeler. Der erfahrene Landwirt weiß um die Dringlichkeit: „Wir brauchen mehr Artenvielfalt und in diesen Feldern summt und brummt es so richtig. Ich verspreche mir einen deutlichen Nutzen für Insekten und Wildtiere. Der Honig schmeckt übrigens auch sehr gut.“