Herr Podeswa, zunächst einmal Gratulation, der große Beifall der Musikkollegen nach der einstimmigen Wiederwahl zum Vorsitzenden spricht Bände. Das Vertrauen ist da, doch es ist bestimmt keine leichte Zeit für die Vereine. Wie ist die Situation, ohne Auftritte und entsprechende Einnahmen?

Wenn man zurückschaut auf 2019, da war das Gegenteil schon fast ein Problem. Auch bei mir ging das fast an die Substanz. „So nimme“, habe ich gedacht nach 40 Auftritten. Bei aller Liebe zur Böhmisch-Mährischen Blasmusik, aber fast jede Woche im Jahr unterwegs zu sein in Lederhose und mit dem Instrument, das war hart. Und die tollen Feste auf dem Dorfplatz, Vatertagshock und Weihnachtsmarkt, bedeuteten mit aller Vorbereitung ebenfalls jede Menge Arbeit für alle in dem kleinen Verein. Feste sind aber auch eine wichtige Finanzspritze für die Kasse.

Die Motivation hoch zu halten, ist nicht einfach. Es gab in einigen Vereinen schon Austritte. Manche merken nun, dass ein Freitag ohne Probe auch schön ist, hörte ich aus anderen Vereinen. Wie ist das bei den Holzschlägern?

Mitglied der Blaskapelle Grünwald-Holzschlag zu sein, ist nicht nur für mich ein Privileg. Das gilt auch für meine Musik-Kolleginnen und Kollegen. Und alle wissen, dass es nur gemeinsam geht. Wir hatten mit Linus Sedlak einen bedauernswerten Austritt, aber das lag nicht am Corona-Frust. Zum Glück sind unsere Musiker flexibel. Uwe Schuppler legte nach langen Jahren sein Horn zur Seite und ist nun mit Lust und Können die treibende Kraft am Schlagzeug. Bei der Anwesenheit bei Proben und Auftritten war sein Bruder Ralf absolut Spitze, seine Tuba erklang fast immer, wenn die Blaskapelle unterwegs war.

Für den Dirigenten Adrian Scheu schaute man sich schon nach einem Nachfolger um. Er wollte nach zehn Jahren vor der Kapelle wieder die Seite wechseln und das tun, was ihm fehlte: Als aktives Mitglied in den Reihen der Musiker sitzen und seine Trompete klingen lassen.

Ja, das ist jetzt aber etwas überholt. Er macht nun ein Jahr weiter. Das zehnte Jahr als Dirigent macht er nun im kommenden Jahr, das Corona-Jahr hat er gedanklich gestrichen. Auch auf seine Dirigentenpauschale hat er in diesem Jahr verzichtet, obwohl er trotzdem so aktiv für den Verein war, wie es nur ging. Viel Arbeit und Können hat er in das Spaß-Projekt mit dem „Anna Polka-Home Video“ mit Holzschlägern und Freunden anderer Vereine gesteckt. Das Ergebnis war toll, die Resonanz war groß.

Und wie sehen ihre Zukunftspläne aus?

Ich hoffe, dass bei keinem die Luft und die Motivation ausgeht. Die ganze Vorstandschaft ist stets bemüht, trotzdem heißt unser Motto: „Alle oder keiner.“ Wir sind dankbar für jeden Tipp aus den eigenen Reihen, was wir anstellen können. Eine Anfrage aus Ewattingen liegt vor für einen Auftritt bei einem Handwerkerhock im kommenden Jahr, den wir bereits zugesagt haben. Hoffen wir, dass da noch einiges dazukommt.

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