Hectronic in Bonndorf ist ein international tätiges Unternehmen. Diese Internationalität spiegelt sich auch bei den 350 Mitarbeitern wider. Einen ganz neuen Weg beschritt das Unternehmen allerdings, als vor vier Jahren mit Alaa Iskandrany erstmals ein syrischer Bürgerkriegsflüchtling am Stammsitz seine Ausbildung begann. Anfang des Jahres schloss der 28-Jährige die Prüfung als Elektroniker für Geräte und Systeme erfolgreich ab.

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Ausbildungsleiter Alexander Ebi blickt auf manche Schwierigkeiten zurück. „Die bürokratischen Hürden waren hoch. Im ersten Moment wurde es von allen Seiten gelobt, dass Alaa Iskandrany bei uns eine Ausbildung absolvieren kann. Im Alltag stießen wir alle aber oft an Grenzen. Da waren Sprachdefizite, ebenso die Frage, wie er nach Freiburg zur Berufsschule kommt, wenn er für Deutschland keinen gültigen Führerschein hat. Meist erntete man freundliches Schulterzucken, wenn man bei Behörden oder Institutionen anfragte, wie all diese Probleme gelöst werden können. Es war Pionierarbeit. So eine Situation war für alle neu und wir mussten viele Prozesse erst mal anschubsen.“

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„Als wir am Ende für die Abschlussprüfung so etwas wie einen Nachteilsausgleich erbaten, damit er mehr Zeit zum Lesen und Verstehen der Aufgaben zugestanden bekommt, gab es eine Absage. Denn Sprachprobleme gelten nicht als Benachteiligung.“ Mit Händen und Füßen habe man sich anfangs verständigen müssen, englisch sei oft als Brückensprache genutzt worden. So gut es ging, gaben Kollegen und Vorgesetzte sprachlich Nachhilfe.

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Sein Schützling habe alles getan, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen, sagt Alexander Ebi. Der Ausbildungsleiter gewinnt dem Unterfangen auch positive Aspekte für das Unternehmen wie auch die Kollegen ab. Das Verständnis für kulturbedingt andere Denkweisen sei gewachsen, man habe vieles in einem anderen Licht betrachtet, sich für neue Themen geöffnet, Toleranz und Horizont gleichermaßen erweitert. Nicht zuletzt konstatiert der erfahrene Ausbilder: „Wenn es einem deutschsprachigen Azubi an Interesse fehlt, ist das anstrengender wettzumachen, als wenn Sprachdefizite ausgeglichen werden müssen. Wichtiger ist doch, dass es menschlich passt. Und wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg.“

Dialekt als Herausforderung

Für Alaa Iskandrany war neben der deutschen Sprache der Dialekt die größte Herausforderung. „Ich habe das Gefühl, hier wird alle zehn Kilometer ein anderer Dialekt gesprochen. Mittlerweile verstehe ich aber schon vieles“, sagt er. Fachlich war Alaa Iskandrany insofern gut auf seine Ausbildung vorbereitet, dass er nach seinem Abitur bereits einige Semester am Technischen Institut für Maschinenbau und Elektrotechnik in seiner Geburtsstadt Damaskus studierte.

Erfahrungen

Um das Studium zu finanzieren, jobbte er, schaffte es binnen zwei Jahren vom Kassierer zum Direktionsassistenten einer syrischen Modekette. Bis der Bürgerkrieg ihn 2014 zum Verlassen seiner Heimat veranlasste. Ein Jahr später kam er nach Bonndorf. Nachdem die Integrationsbeauftragte Silvia Maier den Kontakt zu Hectronic geknüpft hatte, beschloss die Geschäftsleitung, einen vierten Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Außer dem jungen Syrer hatten sie bereits Lysanne Bär, Sandro Büche und Marius Munz zugesagt. Nun haben alle vier ihre Prüfungen erfolgreich bestanden.

Alaa Iskandrany übernimmt seit seinem Berufsabschluss im Support des Unternehmens Verantwortung und betreut Kunden von Tanksystemen bei technischen Fragen. Sein Freundeskreis ist „multikulti“, auch seine Sportkollegen beim Basketball oder im Fitness-Studio. Im Beruf will er sich auf jeden Fall weiterentwickeln.