Im Einzelhandel gilt seit kurzem die 2G-Regel. Geschäfte, die keine Dinge des täglichen Grundbedarfs verkaufen, müssen also kontrollieren, ob ihre Kunden geimpft oder genesen sind. Und das in einer Zeit, in der das Geschäft für die meisten schlechter denn je läuft. Obschon vor Weihnachten eigentlich die umsatzstärkste Zeit des Jahres sein sollte. Wir fragten bei einigen Ladeninhabern nach, wie die momentane Stimmung ist. „Katastrophal“ lautet die Antwort überwiegend.

Unabhängig von den 3- oder 2-G-Regelungen gilt auch weiterhin: Abstand halten, medizinische Maske tragen, Hygieneregeln beachten, regelmäßig lüften.
Unabhängig von den 3- oder 2-G-Regelungen gilt auch weiterhin: Abstand halten, medizinische Maske tragen, Hygieneregeln beachten, regelmäßig lüften. | Bild: Martha Weishaar

„Es herrscht ein grauenvolles Durcheinander an Vorschriften. Alle drei Tage gilt etwas anderes, was die Kunden sehr verwirrt“, fasst Susanne Spachholz, Vorsitzende des Bonndorfer Handels- und Gewerbevereins, die momentane Lage zusammen. „Die Leute gehen nicht mehr bummeln, sondern kaufen nur noch gezielt ein, was sie unbedingt brauchen. Sie wollen nirgendwo hin, wo viele Menschen aufeinandertreffen.“

Internet-Handel gewinnt an Fahrt

Auch bei Uhren-Schmuck-Meier läuft das Geschäft viel schlechter als im Vorjahr. „Es ist fast nichts los, eine einzige Katastrophe. Corona macht uns alle noch kaputt“, sagt Oliver Meier. „Die Leute sind durcheinander und bleiben folglich einfach weg. Wenn das noch lange so weitergeht, kann ich mir vorstellen, dass einige Geschäfte die Pandemie nicht überstehen werden. Dazu kommt, dass der Internethandel sich gerade auf Kleinstädte fatal auswirkt.“

2021 ist für den Einzelhandel ein katastrophales Jahr. Das bestätigt nicht nur Oliver Meier vom gleichnamigen Uhren- und Schmuckgeschäft.
2021 ist für den Einzelhandel ein katastrophales Jahr. Das bestätigt nicht nur Oliver Meier vom gleichnamigen Uhren- und Schmuckgeschäft. | Bild: Martha Weishaar

Was momentan passiere, komme einem Lockdown gleich, beurteilt auch Veronika Dury vom gleichnamigen Sport- und Modegeschäft die Lage. „Die Pandemie beschleunigt den Amazon-Effekt. Selbst die Einheimischen kommen nicht mehr zum Einkaufen. Und Gäste sind sowieso kaum noch da. Es herrscht gähnende Leere.“ Ebenfalls in Grenzen halte sich der Betrieb im Elektro-Einzelhandel, bestätigt Tanja Wietschorke. Eine andere Einzelhändlerin, die ihren Namen nicht genannt haben möchte, ist vollkommen frustriert. „Die Corona-Pandemie wird auf dem Rücken der Einzelhändler ausgetragen, der Mittelstand kaputt gemacht“, bringt die Frau die Erfahrungen der zurückliegenden eineinhalb Jahre auf den Punkt. Hinzu komme nun, dass die Leute böse und grantig würden. „Es ist erschreckend, was das mit den Menschen anrichtet“, sagt sie. Und räumt ein, dass diese Krise ihr mittlerweile den Schlaf raubt. Existenzängste nehmen zunehmend konkrete Form an.

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Was die Nachweispflicht der Kunden anbelangt haben die Händler indes so gut wie keine Probleme. Bereitwillig und meist unaufgefordert zeigen die allermeisten Kunden ihren digitalen Impf- oder Genesenen-Nachweis, darin stimmen die Befragten überein. „Viele sagen sogar, die Kontrolle sei gut, es müsse endlich etwas passieren“, bestätigt Susanne Spachholz. Obschon die geforderte Überprüfung für die Händler mit enormem Mehraufwand verbunden ist.

Personelle Verstärkung

Da sie in ihrem Schreibwarengeschäft auch einen Paketdienst betreibt, brauche sie zeitweilig sogar personelle Verstärkung, um die Kontrollen vorzunehmen. Davon sind andere Einzelhändler weit entfernt, müssen eher Personal reduzieren. Schwierigkeiten mit dem digitalen Impfnachweis haben indes vor allem ältere Kunden. „Die verstehen oft nicht, weshalb ihr gelber Impfpass als Nachweis nicht reicht. Kürzlich brach eine Kundin sogar in Tränen aus und erzählte, dass sie bereits in drei Geschäften abgewiesen worden sei“, schildert Oliver Meier. „Das Ganze ist für uns alle umständlich und nervig.“

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Nur im Einzelfall wollen Kunden umgekehrt wissen, ob denn auch ihr Gegenüber hinter der Ladentheke geimpft ist. Tatsächlich ist ein Nachweis gegenüber Kunden nicht vorgesehen, erklärt auf Nachfrage die Pressesprecherin des Landratsamtes, Susanna Heim. Gleichwohl gelte nach den Regelungen des betrieblichen Infektionsschutzes 3G am Arbeitsplatz auch für Selbstständige mit Kundenkontakt, nicht nur für deren Angestellte. Auch diese müssen also einen Impf- oder Genesenen-Nachweis mitführen. Nicht immunisierte Selbstständige seien verpflichtet, eine aktuelle Bescheinigung über einen negativen Coronatest vorzuweisen. Der Ortspolizeibehörde obliege es, dies zu kontrollieren. Dabei gibt es durchaus auch von Händlerseite Verständnis dafür, dass Kunden ein Recht darauf haben sollten, zu wissen, ob ihr Gegenüber hinter der Ladentheke geimpft ist.