Bonndorf Zwei Bonndorfer Geschäfte haben eine gemeinsame Geschichte

Die Geschäfte für Uhren und Optik in Bonndorf haben einen gemeinsamen Urahn. Die Gründung fand vor 150 Jahren durch Bertold Meier statt.

Wer Geschichte in einem Ort schreibt, stellt sich natürlicher Weise erst in ferner Zukunft heraus. Viele sind es, die sich etwas trauen. Für die Löwenstadt gehört eindeutig Bertold Meier dazu. Er hat sich 1867, also vor 150 Jahren, getraut, ein Geschäft zu eröffnen, damals in der Spiegelstraße. Optik in Form von Monokeln, Nasenzwickern, Standuhren und später auch Taschenuhren hatte er im Laufe seiner Berufsjahre im Sortiment.

Es war wohl seinerzeit die richtige Entscheidung, denn sie war zukunftsträchtig und hat für das Bonndorfer Geschäftsleben Geschichte gemacht. Zumindest war er ganz offensichtlich ein guter Stratege: Sein Ur-Geschäft ist Keimzelle für zwei blühende Betriebe, in denen man zu Recht stolz ist, auf 150 Jahre Firmengeschichte.

1956: Wolfgang Meier als Lehrbub (von links), Vater Heinrich Meier, Tante Marie Imhof (geborene Meier), Kurgast, Mutter Sofie Meier, Kurgast.
1956: Wolfgang Meier als Lehrbub (von links), Vater Heinrich Meier, Tante Marie Imhof (geborene Meier), Kurgast, Mutter Sofie Meier, Kurgast. | Bild: Familie Meier/Repro: Gudrun Deinzer

Was bis in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts noch unter einem Dach war, hat Heinrich Meier für seine Söhne Oskar und Wolfgang geteilt, in ein Geschäft für Uhren und Schmuck und in eines für Optik. Beide haben dies längst an ihre Söhne übergeben: Meier Sehen & Hören wird seit 20 Jahren geführt von Bertold Meier und seiner Frau Kerstin, in fünfter Generation. Uhren & Schmuck Meier führt Oliver Meier seit 13 Jahren, ebenso in fünfter Generation.

Seine Mutter Anne Meier, in den 1970er Jahren nach Bonndorf gekommen, ist gewissermaßen die Hüterin der Firmengeschichte. Mit viel Liebe zu Erinnerungsstücken und Hochachtung vor den Altvorderen, zeigt sie historische Fotografien vom ersten Geschäft in der Spiegelstraße. Sie hat auch die vollständige Firmengeschichte aufgeschrieben und auf der Internetseite des Uhren- und Schmuckgeschäfts Meier veröffentlicht. Und sie erinnert an die Zusammenarbeit zwischen ihrem Mann Wolfgang und dessen Vater, den sie als junge Frau noch miterlebt hat. Vor ihrem geistigen Auge lässt sie das Bild von Ehemann und Schwiegervater erstehen: Beide Seite an Seite am Werktisch, schweigend arbeitend, während ein von überall her tönendes "Tick-Tack" den Raum erfüllte. Es sei zunächst die Aufgabe des Lehrbuben Wolfgang Meier gewesen, täglich all diese Uhren aufzuziehen. Später hat das Anne Meier übernommen.

Das Auftragsbuch aus dem Jahr 1890 ist noch erhalten.
Das Auftragsbuch aus dem Jahr 1890 ist noch erhalten. | Bild: Gudrun Deinzer

Dunkel erinnert sich der heutige Firmenlenker von Meier Sehen & Hören, dass sein Großvater die Abteilung Optik gar nicht mehr geführt hatte. "Ich glaube, mein Vater hat erst wieder die Brillen eingeführt. Damals gab es so wenige Brillenträger, davon allein hätte er nicht leben können. Jedenfalls hat er die Ausbildung zum Uhrmacher-Meister und zum Augenoptiker gemacht", erzählt Bertold Meier. Neben Brillen und Uhren hätte sein Vater damals noch Souvenirs wie Holzschnitzereien geführt. Zwar habe sein Vater einige Jahre ein paar Meter weiter zwischen dem heutigen Geschäft von Heimtextilien Dietsche und Vaihinger Immobilien sein Geschäft gehabt. Aber es sei schon sein Großvater Heinrich Meier gewesen, der das Haus gekauft hat, in dem Bertold Meier heute noch sein Geschäft hat, in der Martinstraße, unweit der Kirchtreppe. In seinen Branchen setzt er unter anderem als Ausbildungsbetrieb auf Beratung und Zukunftsfähigkeit.

Wolfgang Meier Anfang der 1970er Jahre in seiner Werkstatt in der Spiegelstraße.
Wolfgang Meier Anfang der 1970er Jahre in seiner Werkstatt in der Spiegelstraße. | Bild: Anneliese Meier/ Repro: Gudrun Deinzer

Wolfgang und Anne Meier haben die ersten Jahre noch in der Spiegelstraße residiert, das dortige Geschäft auch modernisiert, bis sich Anfang der 1980er Jahre mit dem Haus der alten Schmiede in der Martinstraße die Gelegenheit bot, in die Hauptgeschäftsstraße mit dem Geschäft umzusiedeln. "Ich finde es so passend, dass darin nun wieder ein Schmied ist", sagt Anne Meier und meint damit ihren Sohn, den Goldschmied Oliver Meier. "Der Rat meiner Eltern ist Gold wert", sagt dieser und freut sich, mit Vater Wolfgang noch einen Experten für alte Uhren im Geschäft zu haben.

Jubiläumsfeier: Mit einem Gläschen Sekt und Häppchen feiern die Meiers in beiden Geschäften am kommenden verkaufsoffenen Sonntag, 15. Oktober, mit ihren Kunden das 150-jährige Bestehen ihrer Geschäfte.

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