Christine Desing-Kübler vom Landwirtschafts­amt Waldshut hatte zur Jahrestagung der Bio-Landwirte nach Bonndorf eingeladen. Mehr als 30 Landwirte aus Bio-Betrieben der Verbände Naturland, Bioland und Demeter nahmen teil. Thema war, wie Bio-Landwirtschaft mit dem Klimawandel umgehen kann und soll.

  • Hartmut Spieß: Referent Hartmut Spieß erwies sich als praxisorientierter Forscher. Die Qualität der erzeugten Lebensmittel für die menschliche Ernährung werde wichtiger als die Höhe des Ernteertrages. Daher erzielten Lebensmittel in Bio- und Demeter-Qualität zu Recht höhere Preise. Er definierte zentrale Empfehlungen zum Klimawandel im Öko-Landbau. Hauptziel sei die Erhaltung und Vermehrung der Bodenfruchtbarkeit. Zweitens die Schaffung kleinräumiger Landwirtschaft, drittens eine weitgestellte Fruchtfolge mit hohem Anteil an Kleegras und Luzerne.

Des Weiteren empfiehlt er eine flächenbezogene Tierhaltung mit maximal ein bis 1,5 Großvieheinheiten pro Hektar, eine Düngung mit Stallmist und Kompost (eventuell Gründüngung) sowie den Anbau und die Zucht von widerstandsfähigen Pflanzensorten aus Bio-Züchtung. Dadurch würden Pflanzen und Tiere auf den Bauernhöfen widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Parasiten. Bei Klimastress verbessere sich die Resilienz (Anpassungsfähigkeit). Hierfür werde ein geringerer Mengenertrag in Kauf genommen.

Spieß arbeitet seit der Gründung vor 40 Jahren am Dottenfelder Hof nordöstlich von Frankfurt am Main, ein Stiftungshof von etwa 200 Hektar Größe, der biologisch-dynamisch bewirtschaftet wird. Seine Aufgaben sind Forschung, Züchtung und Entwicklung von Getreide- und Gemüsesorten im biologischen Anbau. Daneben stehen Humusaufbau, Fruchtfolgen sowie Düngung mit Stallmist und Kompost im Fokus sowie biologisch-dynamische Kompost- und Düngepräparate.

  • Martin Schleyer: Strömungen, Wirbelbildung von Luft und Wasser verlaufen rhythmisch, ohne diese Rhythmen gäbe es nichts Lebendiges auf der Erde, erläuterte Referent Martin Schleyer vom Institut für Strömungswissenschaften in Herrischried. Die Strömungen von Luft und Wasser würden global durch den Klimawandel verändert. Schleyer nannte Beispiele wie die Ozean­strömungen Golfstrom im Atlantik oder El Niño im Pazifik. Des Weiteren nannte er den Jetstream der Atmosphäre in etwa 10 000 Metern Höhe.

Letzterer wird langsamer, er drohe zu erstarren. Hierdurch verlängerten sich die Wetterperioden wie Dürre oder Stark- und Dauerregen. Die Geschehnisse wanderten in vier bis sechs Monaten um die Erde. Er empfahl zur Abmilderung von Klimastress Heilungsprozesse. An erster Stelle nannte er die Anwendung der biologisch-dynamischen Präparate. Er nannte Hecken, kleine Waldstücke und Galeriewälder entlang von Bach- und Flussläufen, die dem regionalen Klima helfen. Auch Gespräche auf den Höfen, insbesondere zur Beziehung zwischen Mensch, Pflanzen und Tieren seien weiterführend. Dadurch könne die Oberflächlichkeit des Denkens vertieft werden.

Trotz aller Gesundungsversuche auf den Höfen sinke die Qualität der menschlichen Nahrungsmittel auch im Bio-Bereich. Faktoren, wie Plastikmüll, insbesondere in den Meeren und Ozeanen, sowie das Mikroplastik, das in der menschlichen Nahrung auftauche, Pestizidrückstände in Wasser und Atmosphäre, seien eine Dauerbelastung.

  • Johannes Simons: Referent Johannes Simons arbeitet als Berater für Demeter Baden-Württemberg. Er befasste sich mit der Heugewinnung und Heutrocknung für Milchkühe und Wildtiere. Die Vorteile der Heutrocknung seien gesündere und langlebigere Tiere durch hochwertiges Eiweiß im gut strukturierten Grundfutter. Das energiereiche Heu ergebe höhere Milchleistungen. Die Landwirte kommentierten den Vortrag ausgiebig und diskutierten darüber. Insbesondere die Kostenfrage sowie eventuelle Vorteile für den Erhalt der Artenvielfalt auf den Mähflächen interessierte die Zuhörer.
  • Mathias Stein: Referent Mathias Stein ist Geschäftsführer des „Kontrollvereins ökologischer Landbau Karlsruhe“. Die neue EU-Bio-Richtlinie ist seit Januar 2018 in Kraft. Noch sind die Ausführungsbestimmungen hierzu nicht alle in Kraft getreten. Geändert haben sich vor allem die Pflicht zu mehr Rückstandsuntersuchungen und Überwachung der Importwaren. Die Begriffe Artgerechtigkeit und Tierwohl stehen im Fokus der Öffentlichkeit. Die akribische Überwachung der Betriebsflächen wurde allgemein als übertrieben empfunden. Sie wurde jedoch in der Diskussion von beiden Seiten, Kontrollverein und Landwirten, als notwendig, hilfreich und nützlich empfunden.