Dem Wald gehe es schlecht – er sei offensichtlich eher ein Klimaopfer als ein Klimaretter. Deutlich Worte fand Helge von Gilsa, Leiter des Kreisforstamtes Waldshut, in einer Runde mit sieben Experten aus den Bereichen Forst, Holzmarkt, Naturschutz, Forschung und Privatwald. Den Runden Tisch „Prima Klima?“ hatte die Nabu-Ortsgruppe Grafenhausen zusammen mit dem Kreisforstamt im Naturschutzzentrum am Naturena Badesee organisiert.

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Dass mit Auswirkungen des globalen Klimawandels zu rechnen gewesen sei, war klar – allein die Geschwindigkeit, mit der Veränderungen einhergehen, überrasche, so Helge von Gilsa in seinen einführenden Worten zum Runden Tisch. Er nannte Schlagworte wie Schädlingsbefall und durch Trockenheit geschädigte Waldbestände. Betroffen seien nicht nur Wald und Naturschutz, auch die Holzwirtschaft bekomme diese Veränderungen zu spüren. Sein Fazit: Es sei ein Dialog zwischen Fachleuten und Interessenvertretungen nötig, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

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Die Moderation übernahm Wilfried Dieckmann von der Nabu-Ortsgruppe Grafenhausen. Die Gäste der geladenen Gesprächsrunde berichteten über die zu spürbaren Folgen und gingen der Frage nach, was getan werden kann, um Schlimmeres zu verhindern. Es gebe kein Patentrezept, der Käferplage Herr zu werden, erläuterte Gregor Seitz von der Abteilung Waldschutz der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA). Helge von Gilsa ergänzte, dass den Forstleuten nicht mehr viele Möglichkeiten außer einem Pflanzenschutzmitteleinsatz übrig blieben. Dies sei allerdings die Ultima Ratio, die man zudem besonnen einsetzen werde. Überrolle der Käfer den Wald, dann sei es sinnvoll, punktuell intakte Waldbereiche zu schützen.

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Die Entwicklung der Schadinsekten lasse sich regional nicht begrenzen, erfasse etliche europäische Länder, so Gregor Seitz. Die Buchdruckerpopulation baue sich momentan auf und erreiche wohl in zwei Jahren ihren Zenit. Die FVA erforsche derzeit beispielsweise, wie Schadorganismen präzise reguliert werden können, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verringern. In diesem Zusammenhang riet Elena Kummer, Borkenkäfermanagerin im Landkreis Waldshut, den Borkenkäfer möglichst früh zu bekämpfen – damit ließe sich die Anzahl befallener Fichten realistisch um über 40 Prozent senken. Dies trage auch zur Holzmarktentlastung bei.

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Allerdings sei es gerade im kleinstrukturierten Privatwald nicht immer einfach, Waldbesitzer von der Notwendigkeit einer Schädlingsbekämpfung durch vorzeitige Holzernte zu überzeugen, so Frieder Wielandt, Revierleiter in der Gemeinde Ühlingen-Birkendorf. Was zähle, sei das überzeugende Gespräch, wenig erfolgversprechend sei eine Allgemeinverfügung, dem behördlicher Zwang innewohne.

Elena Kummer (links) erläuterte vor den Fachleuten (von links) Gregor Seitz, Harald Nüßle, Roland Ebner, Hermann Josef Braun, Norbert Schwarz und Frieder Wielandt (vorn) die Waldschäden durch den Borkenkäfer. Bilder:  Stefan Limberger-Andris, Juliane Kühnemund
Elena Kummer (links) erläuterte vor den Fachleuten (von links) Gregor Seitz, Harald Nüßle, Roland Ebner, Hermann Josef Braun, Norbert Schwarz und Frieder Wielandt (vorn) die Waldschäden durch den Borkenkäfer. Bilder: Stefan Limberger-Andris, Juliane Kühnemund | Bild: Stefan Limberger-Andris

Roland Ebner, Land- und Forstwirt aus Brenden, beklagte in seinem 48 Hektar großen Wald einen hohen Käferholzanfall von 2000 Festmeter in eineinhalb Jahren, normalerweise fielen jährlich 400 bis 500 Festmeter an. Dies binde Arbeitskraft und trage zu einer Marktbelastung bei. Um dem künftig zu entgehen, müsste ein Wald mit neuen Baumarten umgebaut werden, doch dies würde Menschengenerationen andauern. Harald Nüßle, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Grafenhausen, gab zu bedenken, das sich durch die derzeitigen Ereignisse möglicherweise auch die Biodiversität verändere – für manche Arten zum Vorteil, für andere zum Nachteil.

Alternative Baumarten?

Gregor Seitz meinte auf die Frage von Wilfried Dieckmann, ob alternative Baumarten für einen Anbau zu empfehlen seien, lediglich, dass diese Frage nicht zielführend sei, da das Thema zu komplex und so einfach nicht zu beantworten sei. Und Helge von Gilsa: Mit heimischen Baumarten, etwa Fichte, Tanne, Buche, Eiche, Esche, kennen sich Forstleute aus, mit anderen derzeit diskutierten ausländischen Baumarten dagegen nicht. Keiner könne sagen, wie diese sich letztgültig eigneten oder nicht. Auf die Fichte werde man nicht gänzlich verzichten können, gab Hermann Josef Braun, Eigentümer des Sägewerks Braun in Birkendorf, zu bedenken. Die Gemeinde Grafenhausen etwa lebe finanziell von dieser Baumart.

Holzmarkt übervoll

Norbert Schwarz, Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald, berichtete, dass der Holzmarkt durch den Käferholzanfall übervoll sei, bestimmte Sortimente ließen sich betriebswirtschaftlich vertretbar kaum mehr vermarkten, gerade im Kleinprivatwald. Mit 8500 Festmeter Käfer- und der gleichen Menge Sturmholz habe beispielsweise der Gemeindewald Ühlingen-Birkendorf 2018 stark gelitten, nicht zu vergessen die finanziellen Folgen für den kommunalen Haushalt.

Unter Druck

Hermann Josef Braun betonte, dass der Holzmarkt derzeit mengenmäßig und preislich unter Druck stehe – und dies europaweit. Zwar könne er Holz derzeit günstiger einkaufen – geringwertigere Sortimente kosteten noch rund 25 Euro je Festmeter (vorher rund 50 Euro), die guten bis zu 85 Euro (vorher rund 95 Euro) – jedoch verlangten auch seine Kunden deutliche Preissenkungen. Damit gerate der Erlös des Sägewerks ebenfalls unter Druck. Berge das Forstreformgesetz, das 2020 in Kraft treten soll, Potential zur Lösung der Folgen des Klimawandels beizutragen, wollte Wilfried Dieckmann von Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg, wissen. Die Neustrukturierung und Auftrennung des bisherigen Einheitsforstamtes, sei positiv zu bewerten, so Jerg Hilt. Weiterhin gelte die Nachhaltigkeit, auch für die rund 240 000 Privatwaldbesitzer im Land. Trotz der derzeitigen Krise durch den Schädlingsbefall gelte, dass im Wald nicht mehr Holz genutzt werden dürfe wie nachwachse – aber auch nicht weniger.

Weitere Termine: „Versuch einer Folgenabschätzung – wer leidet unter dem Klima?“, Mittwoch, 18. Juli; „Was kommt dann – wie sieht der Zukunftswald aus?“, Mittwoch, 18. September. Beide Termine noch ohne Ortsfestlegung.