Bonndorf Wie sich das Gündelwanger Lamm als Musikkneipe etabliert

Die etwas andere Dorfmusik: Die Band Wooden Pearls zeigen mit ihren Gästen beim Auftritt im Lamm, wie sie ihren Folk-Rock leben. Das Gündelwanger Gasthaus mutiert zur Musik-Kneipe, da kommt es schon mal vor, dass am Ende eines solchen Konzertabends Gäste und Wirt selbst zu Gitarre und Mundharmonika greifen.

Reine Spielfreude erlebten die gut 50 Fans des handgemachten Folk-Rocks im Gündelwanger Lamm. Chris Kern, Ute und Gisi Cramer als Wooden Pearls hatten Musikerfreunde eingeladen. Und so wurden Bass, Gitarre, Mandoline und Gesang unterstützt mit Geige (Stefan Hummel, Frankfurt) und zweiter Gitarre, sowie Cajon und Perkussion (Klaus Flößer, Titisee).

Von U2 (One Love) über Pink Floyd (Wish you were here), Crosby, Stills, Nash & Young (Ohio), R.E.M (Loosing my Religion) bis hin zu Patty Smith (Because tonight belongs to Lovers) mit einer vollkommen entfesselten Ute Cramer oder zu den ganz späten Beatles (While my Guitar gently weeps) mit einem nicht minder entfesselten Gisi Cramer, wagten sich die fünf an alles, was im Genre zum Mitsingen anregt.

Das Publikum dankte es ihnen mit Rhythmusklatschen, Mitsingen und begeistertem Applaus, der drei Zugaben herausleierte. Nach bald drei Stunden Konzert, das nicht nur wegen der vielen Gitarrenriffs einheizte, sondern auch wegen der via Holzöfele geschaffenen Kuschelatmosphäre, sagte ein überglücklicher Gisi Cramer: „Ich bin fix und alle, aber erfüllt.“

Die Atmosphäre im zur Musik-Kneipe mutierenden Lamm sei unschlagbar. „Wir hatten aber auch wunderbare Gastmusiker.“ Speziell mit Stefan Hummel an der Geige war das eine Premiere. Mit ihm war keiner der drei Wooden Pearls bisher auf der Bühne gestanden. Zudem kommt Hummel aus der Klassik. „Es spricht für ein unglaubliches Einfühlungsvermögen, wenn das so klappt“, so Gisi Cramer.

In der Tat hatte das Publikum gelebte Leidenschaft erlebt, eben auch im Zusammenspiel der fünf Musiker. Äußerst engagiert war Multi-Instrumentalist Klaus Flößer, mal mit Ute Cramer am Mikrofon und der Gitarre, oder er bot sich Gitarrenduelle mit Gisi Cramer. Chris Kern mit seinem wunderbaren alten Maxi-Bass gab kongenial Begleitung und sicher zauberte die Geige, gespielt von Stefan Hummel, eine ganz eigene Note. Über den Musikerstammtisch, den Sabine Zausig (Zausig, Bär & Ketterer) hier im Gündelwanger Hinterdorf ins Leben gerufen hatte, haben die Musiker das Lokal kennen gelernt und sind seither regelmäßig bei den offenen Musikerstammtischen jeden letzten Donnerstag im Monat.

„Unser Leben ist ganz viel Musik“, sagt Gisi Cramer. Seine Frau Ute hat ihn einst auf der Bühne gesehen und dann bei ihm Gitarrenspielen gelernt. Die Musik hatte sie allerdings schon im Blut. Klavier, Alt- und Querflöte, Djembe und Mandoline waren bis dato ihre Wegbegleiter. „Es ist eine glückliche Fügung, dass wir beide Zugang zur Musik haben. Wir führen auch Streitgespräche mit der Gitarre“, sagt Ute Cramer, die Mitarbeiterin in der Behinderteneinrichtung Lebenshilfe in Reiselfingen ist. Im Alltag wird Musik gemacht, wann und wo es geht: am Kachelofen, in der Küche neben dem Kochen, oder mit den eigenen Bands der Eheleute. Das sind Miss Moneypenny, bei denen Ute Cramer federführend ist und die 3Timebandits oder JamC, die zu Gisi Cramer gehören.

Wer an diesem Samstag Sitzfleisch hatte, konnte überdies erleben, dass es im Lamm auch ohne offiziellen Auftritt musikalisch zugeht. Schon längst waren die Abendstars gegangen. Gast Maxi Jägler, sonst Bassist der Band Locos Estúpidos, schnappte sich die Gitarre. Wirt Dieter Schmelzle packte die Mundharmonika aus und dann gab es zur Abrundung des Abends den spontan getexteten „Schweinsbratenblues“.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Bonndorf
Bonndorf
Bonndorf
Bonndorf
Kultur
Bonndorf
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren