„Wir sind beeindruckt, dass es kaum Konflikte zwischen Forst, Naturschutz und Besuchern gibt. Das liegt wohl an den agierenden Personen“, meinte Bruno Schmid. Der Schaffhauser Kantonsforstmeister war als Obmann mit mehr als 40 Mitgliedern des Grenzforstkranzes im Naturschutzgebiet Wutachschlucht unterwegs. Die Vereinigung von badischen und Schweizer Forstleuten ist bereits mehr als 90 Jahre alt und die Mitglieder besuchen sich regelmäßig. Diesmal war das Kreisforstamt Waldshut der Ausrichter des Frühjahrstreffens.

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Bevor es aber in die Schlucht ging, stand der neue Forstliche Hauptstützpunkt in Bonndorf auf dem Programm. Friedbert Zapf, zuständig für den Staatswald, war stolz, den Forstleuten das nagelneue Gebäude zeigen zu können. „Draußen wird zwar noch gebaggert, aber hier drinnen sind wir fertig“, sagte Zapf. „Und ich freue mich, dass es der Grenzforstkranz ist, der die erste Veranstaltung hier hat.“ Rainer Epple, Stützpunktleiter und Hausherr, führte durch das tannenholzgeprägte Gebäude und zeigte Seminarraum, Werkstätten und Büros. Beeindruckt waren die Besucher von der umweltfreundlichen Heizanlage, genutzt wird die Nahwärme der Hackschnitzelanlage der benachbarten Firma Müller. Außerdem gibt es eine Solarthermie- und Photovoltaikanlage.

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Der Felssturz in der Wutachschlucht, der 2017 in den Medien für Furore sorgte, weil ein Strommast umzustürzen drohte, ist laut Zapf für die Schlucht eigentlich normal. Weil die Wutach in der geologisch kurzen Zeit von nur 20 000 Jahren die Schlucht ausgeräumt habe, würden die Hänge solange nachrutschen, bis der natürliche Böschungswinkel in einigen Tausend Jahren hergestellt sei. „Und so lange hat auch der Schwarzwaldverein Arbeit“, sagte Martin Schwenninger, der die Gruppe als Wutachranger und Förster begleitete, und lachte.

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Beim Rappenfelsen zeigte Schwenninger, wie die Zusammenarbeit von Forst und Naturschutz der Biodiversität und dem Artenschutz dienen kann. „Wir haben hier 2006 begonnen, die Felsen freizustellen, damit Uhu und Kolkrabe Nistmöglichkeiten haben“, erklärte Schwenninger. Nach und nach habe man weiter Fichten und Kiefern entfernt. Das Ergebnis ist eine sonnige Halde, wie sie Samuel Pletscher 1879 beschrieben habe. Licht- und wärmeliebende Orchideen und andere seltenen Kalkpflanzen stellten sich ein und eine bunte Insektenwelt folgte. Und wie bestellt, traf die Mundelfinger Ziegenherde ein, die jetzt 14 Tage lang die aufkommenden Gehölze fressen und sie so in Schach halten wird.

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Die Frage, warum der Wald im Naturschutzgebiet kein Bannwald sei, beantwortete Schwenninger so: Von Natur aus komme keine Fichte in der Muschelkalkschlucht vor. Derzeit seien aber noch 50 Prozent der Bäume Fichten. Der Forst reduziere die Fichten Zug um Zug und man komme so der natürlichen Waldgesellschaft immer näher.

Friedbert Zapf (links) und Martin Schwenninger führten die Gruppe durch die Wutachschlucht.
Friedbert Zapf (links) und Martin Schwenninger führten die Gruppe durch die Wutachschlucht. | Bild: Privat

Friedbert Zapf ging abschließend in Bad Boll auf die Erschließung der Wutachschlucht durch den Schwarzwaldverein vor nunmehr 115 Jahren ein. Obwohl mittlerweile 80 000 Menschen jährlich die Schlucht besuchen, gebe es kaum Konflikte mit dem Naturschutz. Der Schlüssel sei die Information und die Besucherlenkung. Kontraproduktiv wäre eine weitere Erschließung der Hänge durch Rundwanderwege, meinte Friedbert Zapf. Der Abschluss des Frühjahrstreffens, an dem auch die drei ehemaligen südbadischen Forstpräsidenten Erwin Lauterwasser, Hans-Martin Stübler und Meinrad Joos teilnahmen, fand im Brauereigasthof in Rothaus statt.