Aufmerksamen Kirchgängern wird es kaum entgehen, dass rund um den Kirchturm von St. Peter und Paul in Bonndorf permanent ein kräftiges „kjakk“ zu hören ist. Schweift der Blick gen Himmel, sind silbrig-schwarze Rabenvögel erkennbar, die in halsbrecherischem Flug den Turm an- und von dort abfliegen.

Es sind Dohlen (Coloeus monedula), die zu den intelligentesten Vögeln überhaupt zählen, die jedoch auch hohe Ansprüche an eine intakte Kulturlandschaft stellen. Mindestens ein Dutzend Exemplare der Dohlen waren es in diesem Frühjahr, die sich den Kirchturm einmal mehr zur Heimstatt erkoren hatten.

Bläuliche Eier zieren Gelege

In jenen Tagen des noch jungen Jahres nutzten die Elterntiere die acht offenen Scharten im oberen Turmbereich sowie die vier Öffnungen im Turmhut von St. Peter und Paul, um hoch über den Dächern der Löwenstadt mit einem fantastischen Blick Richtung Schweizer Alpenkette zu nisten und die Eier auszubrüten. Brutbeginn der Dohlen ist frühesten Ende März. Vier bis sieben bläuliche Eier zieren das Gelege. Die Brutdauer beträgt 16 bis 19 Tage.

Früh übt sich der Nestauszug

In den folgenden Wochen, nachdem die Jungvögel in ihrer Heimstatt im Bonndorfer Kirchturm geschlüpft waren und wohlgenährt ihr Federkleid angelegt hatten, gesellten sich nach dem Flüggewerden etliche Jung- zu den Alttieren. In halsbrecherisch erscheinendem Fluge umschwirrten die Dohlen immer wieder den Turm, die Jungen übten schon mal für den späteren Auszug aus dem Gotteshaus.

Eine Dohle beäugt interessiert den Fotografen.
Eine Dohle beäugt interessiert den Fotografen. | Bild: Nabu/Chr. Falk

Spaziergänger an der Wacht oberhalb des Friedhofs durften die Vögel immer wieder beobachten, wie sie auf den offenen Wiesen nach Futter suchten. Ging man scheinbar achtlos vorüber, suchten die Dohlen unbeirrt weiter nach eiweißreichem Futter, blieb man stehen, erhoben sie sich sofort scheu in den Himmel. Am Ende des Sommers schienen die Tiere allerdings wie vom Erdboden verschluckt, dann jedoch, waren sie wieder da. Selbst in diesen Spätherbsttagen kann man die Dohlen noch erleben, wie sie um den Kirchturm kreisen.

Ausreichendes Nahrungsangebot

Nach Schätzungen des Naturschutzbundes gibt es von den in Europa heimischen Dohlen in Deutschland etwa 100 000 Brutpaare, allerdings werden aus nahezu allen Regionen rückläufige Zahlen gemeldet. Die höchst gelegenen Brutplätze liegen auf 900 bis 1000 Meter Höhe im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und auch im Allgäu. Bonndorf liegt etwa auf 800 Meter. Während die älteren Vögel meist standorttreu sind, zieht es sie in jungen Jahren winters ans Mittelmeer.

Das Vorkommen der Dohlen verheißt für Bonndorf Gutes. Die Brutgebiete müssen nämlich über ein ausreichendes Nahrungsangebot verfügen, damit die Vögel sich erfolgreich fortpflanzen können. Ideale Lebensräume sind offene Feldfluren.

Dort bieten Viehweiden, insektenreiche Mähwiesen und abgeerntete Felder ideale Lebensräume. Je mehr Grünland, desto größer die Dohlenkolonie. Dies scheint doch auf Bonndorfer Gemarkung ausreichend vorhanden zu sein. Und im Bonndorfer Kirchturm lässt es sich offensichtlich gut und ungestört leben – genießen die Dohlen darüber hinaus offenbar dort noch göttlichen Segen.