Rund 120 Meter vor dem schadhaften Bereich warnt ein Schild die Verkehrsteilnehmer vor Bodenunebenheiten. Im Grunde genommen nichts Ungewöhnliches wäre die L 170 nicht erst vor wenigen Wochen nach einer rund halbjährigen Sanierungsphase für den Straßenverkehr wieder freigegeben worden. Auf rund einem Drittel der insgesamt etwa 150 Meter langen Sanierungsstrecke wellt sich ein rund ein Meter breiter Streifen der Tragdeckschicht – das Baureferat Süd des RP Freiburg ist (noch) ratlos.

Auf rund 50 Meter wellt sich ein rund ein Meter breiter Streifen der L 170-Tragdeckschicht mehrere Zentimeter hoch oder tief – je nach Sichtweise – wie wenn ein Teppichstück von beiden Enden her zusammengeschoben worden sei. Das Bankett zum Hang hin weist an die sieben mehrere Zentimeter breite, rund 15 Zentimeter tiefe sowie bis zu zwei Meter lange Risse auf, in denen beinahe eine Erwachsenenhand Platz findet. Ein Riss zieht sich an die zehn Meter lang.

Der Banquettbereich der L 170 weist tiefe Abbrüche auf. Bild: Stefan Limberger-Andris
Der Banquettbereich der L 170 weist tiefe Abbrüche auf. Bild: Stefan Limberger-Andris | Bild: Stefan Limberger-Andris

Fachleute sind ratlos

Die Fachleute wissen definitiv nicht, was sich auf diesem Straßenstück an dem nordexponierten Hang zur Wutachschlucht zwischen dem Abzweig Boll und der Einmündung zur B 315 hin abspiele, zeigte sich Maren Schäpers, RP-Projektleiterin der L 170-Sanierung, auf Anfrage ratlos. So etwas habe sie noch nicht erlebt. Der Boden habe sich offensichtlich plastisch verformt. Es habe im Vorfeld der Sanierung umfangreiche Berechnungen der Ingenieure gegeben und die getroffenen Maßnahmen seien auf das Gelände abgestimmt worden, man habe den Sanierungsauftrag an ein renommiertes Straßenbauunternehmen vergeben können, ein Geotechniker habe die komplette Maßnahme intensiv begleitet.

Vor Sanierung geologische Untersuchungen

Im Vorfeld der 1,3 Millionen Euro teuren Sanierung habe man das Gebiet großräumig geologisch untersucht und nochmals bewertet, nachdem es im Juni 2015 nach einem Starkregen zu einer Rutschung gekommen war. Ein weiteres Mal sei das Gebiet untersucht worden, nachdem im Zuge der Sanierung Probleme mit Hangzugwasser aufgetaucht waren. Damals habe man eine eigentlich nicht vorgesehene Drainage eingebaut. Dass dieser Bereich der L 170 ein bewegter Geländeabschnitt ist, sei bekannt. Derzeit untersuche ein Geologe das Gebiet, um die Ursache für die Wellenbildung auf der Landesstraße zu finden, erläutert Maren Schäpers. Wie lange es dauern wird, die Ursache zu finden, sei offen.

Spaltenbildung am Bankett

Die Spaltenbildung am Bankett lasse sich mit Setzungsbewegungen des Bodens nach Anbringen der Schutzplanke erklären. Auf dem L 170-Abschnitt waren rund 1200 Kubikmeter Beton sowie rund 95 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut worden. 76 Bohrpfähle waren jeweils 13,5 Meter in der Tiefe verankert worden. Es gab rund 3500 Kubikmeter Bodenbewegung, bevor etwa 600 Tonnen Asphaltmaterial verbaut worden waren. Die Baukosten belaufen sich auf etwa 1,3 Millionen Euro plus rund 100 000 Euro für Verkehrssicherung, Schutzplanken, Umleitungsstrecke und Markierung.