Das Ziel der diesjährigen Bildungsreise der Jungen Union Südbaden war Warschau, die Hauptstadt Polens. Unter den insgesamt 22 Teilnehmern aus dem ganzen Bezirk Südbaden waren auch die zwei Mitglieder der JU-Ortsgruppe Bonndorf, David Joos und Philip Schäuble.

Erst vor kurzem wurde in der 6900-Seelen-Gemeinde Bonndorf die Marke von 1000 Einwohnern ohne deutsche Staatsangehörigkeit erreicht. Die Einwohner aus Polen stellen mit 250 Personen die größte Gruppe. In Anbetracht dessen war eine Reise nach Polen und das dazugehörige Kulturprogramm auch ein interessanter Austausch zwischen den beiden Ländern und ein Beitrag zum gegenseitigen Verständnis.

Die Abfahrt zum Flughafen Stuttgart war morgens um 5.45 Uhr. Von Stuttgart ging es dann weiter über Wien nach Warschau. Direkt nach der Ankunft am Nachmittag ging es auch schon weiter zur Vertretung der Konrad Adenauer Stiftung, dem ersten Termin der Reise. Nach einem Vortrag zur jüngeren Geschichte folgten Ausführungen zur aktuellen politischen Lage und Entwicklung in Polen.

Interessante Themen waren vor allem das Verhältnis der beiden großen Parteien PIS, der nationalkonservativen Regierungspartei, und der Bürgerplattform POD.

Vor allem durch die Ausweitung der Sozialpolitik und der Einführung eines Kindergeldes in Höhe von umgerechnet etwa 120 Euro für das zweite und jedes weitere Kind, schaffte es die PIS-Partei, ihre Zustimmung im Land auszubauen. Die wirtschaftsliberale POD, zu der auch EU-Ratspräsident Donald Tusk gehört, ist gerade dabei, sich neu auszurichten. Während die PIS-Partei vor allem auf dem Land große Zustimmung findet, ist die POD in den Städten eine starke Kraft.

Besuch im ehemaligen Ghetto

Der zweite Tag begann mit einer Führung durch das mitten in der Stadt gelegene ehemalige Warschauer Ghetto. Es zeigte sich, wie gezielt die Nazis vor allem in diesem Teil der Stadt gewütet haben. So wurden nach dem Aufstand im Ghetto die Häuser nicht einfach wahllos zerbombt, sondern durch gezielte Sprengungen dem Erdboden gleich gemacht.

Da die Schutthaufen nach dem Krieg nicht weggeräumt, sondern die neuen Gebäude darauf errichtet wurden, sieht man noch heute, wie die Häuser auf unterschiedlich hohen terrassenartigen Anhöhen gebaut sind. Durch diese Straßen zu gehen war sehr bedrückend und machte es nur zu verständlich, dass manche Polen bis heute nicht gut auf „die Deutschen“ zu sprechen sind. Die Gastfreundlichkeit, mit der wir überall empfangen wurden, war in Anbetracht dessen alles andere als selbstverständlich.

Führung durch die Altstadt von Warschau

Der Sonntag begann wieder mit einer Stadtführung, dieses Mal jedoch durch die Altstadt und den Königspalast. Die Altstadt wurde im Krieg ebenfalls zerstört und danach originalgetreu wieder aufgebaut.

Der Wiederaufbau war den Polen ein großes Anliegen und so wurde mit teils ehrenamtlicher Arbeit, privaten Spendengeldern und Unterstützung aus dem Ausland die Altstadt wieder aufgebaut. Das Ergebnis ist beeindruckend. Aus den Trümmern entstand wieder die schöne mittelalterliche Altstadt von Warschau.

Besuch im Polnischen Parlament

Bevor es wieder zurück nach Stuttgart ging, stand am Montag ein Besuch des Polnischen Parlamentes auf dem Plan mit einer informativen Führung und Zeit für Fragen und Vergleiche zwischen den Abläufen im Bundestag und dem Polnischen Parlament.

Vergleichbar mit dem Bundestag und dem Bundesrat besteht das Parlament in Polen ebenfalls aus zwei Kammern: dem Sejm, bestehend aus Abgeordneten, und dem Senat, bestehend aus 100 direktgewählten Senatoren – je einer aus jedem Wahlkreis. Zusammen mit der guten polnischen Küche bot die Reise viele bereichernde Erfahrungen.