„Z‘Friiburg i de Stadt, sufer isch‘s und glatt!“, schwärmte schon vor mehr als 200 Jahren Johann Peter Hebel. Jüngst dachten sich vier Bonndorfer: Was spräche denn dagegen, diesen Ort der Kultur, der Wissenschaft, des Fahrrades und des Fußballs nicht auch einmal außerhalb des vorweihnachtlichen Kaufrauschgewusels anzusteuern? Gedacht, gesimst, getan.

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Mit dem Auto ging es für die vier Bonndorfer nach Seebrugg. Von dort aus versuchten die Vier dann, mit einem Regioticket und der Regiobahn CO2-sparend in die Breisgaumetropole zu gelangen. Es war ein neuer, blitzsauberer Zug, leider ohne die einstigen Doppelstockwaggons. Er war gut besetzt, führte seine Gäste entlang des Schluchsees, vorbei an Aha, mit Blick auf den Windgfällweiher und Altglashütten, um in Bärental neue Zusteigende aufzunehmen. Die Stimmung war gut, das Wetter eher frühlingshaft. Markthalle, Colombi-Schlösschen, Münster, Milano und eine Fotoausstellung in der Sparkasse standen als Zieladressen zur Diskussion.

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Doch mit dem Malheur, das sich danach abspielte, hatten die Bonndorfer nicht gerechnet. Folgende Durchsage ertönte: „Wegen eines technischen Problems wird sich die Weiterfahrt verzögern.“ Die Reisenden dachten sich etwas wie: Na ja, das soll‘s halt mal geben. Die Bahn „bwegt“ stand auf den Waggons in dicken Lettern zu lesen. Vier Bonndorfer und weitere Bahnreisende warteten geduldig auf Abhilfe und auf weitere Durchsagen.

Es folgte eine Durchsage mit der Wiederholung des Textes von kurz davor, im Grunde klang das wenig hoffnungsvoll. Als sich danach der Bahnsteig mit ausgestiegenen Zugreisenden füllte, die alle zu einem Busparkplatz hasteten, schlossen sich die vier Bonndorfer dieser Menschenmasse an. Auf dem Weg dorthin hieß es, dass für den liegengebliebenen Regiozug in einen Schienenersatzbus umgestiegen werden könne. Die Stimmung unter den Bonndorfern war noch gut, wenn auch nicht mehr von der bis dahin grenzenlosen Begeisterung für das neue Gefährt getragen, das offensichtlich über Freiburg hinaus, ohne Umsteigen zu müssen, bis Gottenheim hätte fahren sollen.

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Also warteten 60 Zugreisende in einem Haltestellenbereich mit Matsch an den Schuhen auf den avisierten Shuttlebus, während einige Hyperaktive mit Termin- und Anschlusssorgen vergeblich versuchten, Mitfahrende für eine Taxifahrt zu gewinnen. Als der Bus dann endlich auftauchte, ließ dessen Fahrer verlauten, dass er nicht nach Freiburg fahre, sondern Seebrugg als Zielort seiner Bahnorder zu befolgen habe.

Rasch waren sich die vier Bonndorfer einig, die sich bietende Gelegenheit beim Schopfe zu packen und nach Seebrugg zurückzukehren. Und von da aus ging es dann eben mit dem dort abgestellten eigenen Auto nach Freiburg. Am späten Nachmittag waren für das Parken im Karlsbau 10,10 Euro fällig, zusammen mit den Kosten für das wertlos gewordene Regioticket von 26,80 Euro und den Benzinkosten wurde dieser Freiburgtag nicht gerade zu einem ökonomischen Höhepunkt, ganz zu schweigen von der CO2-Bilanz.

Und wer sich dann mit den mehrere Tage alten Entschuldigungsversuchen des Landesverkehrsministers Winfried Herrmann im Internet beschäftigte, stellte fest, dass die technischen Probleme bei der Bahn zwar bekannt sind, aber in einer Art Analysephase festzuhängen scheinen. Wen wundert es dann noch, wenn es mit dem Image der Bahn weitab von Stuttgart 21 nicht zum Besten bestellt ist?