Lisa und Laura Goldfarb – das sind die „Goldfarb-Zwillinge“. Die Wahl-Berlinerinnen boten auf der Kleinkunstbühne des Folktreff ein Spiel, das Seinesgleichen sucht. Quirlig füllen die beiden den Bühnenraum, obschon ihre Körpergröße – ohne Absätze – nicht über 149 Zentimeter hinausragt. Derweil hängt Größe keineswegs zwangsläufig von der Körperlänge ab.

Rasant synchrone Wortgefechte, sportliche Nahkampfeinlagen und harmonische Zwillingschoreografien sind das Gerüst, anhand dessen die „Goldfarb-Zwillinge“ aktuelle Botschaften verkünden. Die reichen von etwas sexistischem Klamauk bis hin zu bitterernsten gesellschaftlichen Schieflagen.

Eine App zum Fenster öffnen?

Inwiefern verändern die Medien des 21. Jahrhunderts das soziale Miteinander, wenn das iPhone bereits mit der Hand verwachsen ist? „Wir können auf 100 Arten miteinander kommunizieren, haben uns aber nichts mehr zu sagen“, fassen die Zwillinge den Untergang jeglicher Kommunikationsfähigkeit zusammen. Und lassen ihr Anliegen ehrfürchtig im „Facebook unser“ münden, dem Mantra der „Millenniens“.

Die Millennium-Generation nämlich katapultiert die Menschheit zurück in die Steinzeit. Babys machen bereits mit vier Monaten ihr erstes Selfie, der erste Zahn ist Bluetooth, Buchstaben werden durch Smileys ersetzt und Kinder von morgen sind ohne passende App noch nicht mal in der Lage, ein Fenster zu schließen. Bei solch harter Kost verwundert es nicht, dass zuweilen zögerlich applaudiert wird.

Im „Bullerbü der Bundesrepublik“

Die skurrilen Ausführungen der Zwillinge zu Diät- und Schönheitszwang sind allein schon des Wortspiels wegen grandios. Wobei ein rechter Bandwurm so manches Figurproblem lösen könnte. „Wer auf dem Prenzlauer Berg genügend Sushi isst, hat große Chancen auf einen mehr als 30 Meter langen Bandwurm“, verrät Lisa. „Meiner heißt Honda.“ „Meiner Toyota“, kontert Laura.

Kritisch das Programm, dynamisch, beinahe furios, ihre Art, es zu präsentieren.
Kritisch das Programm, dynamisch, beinahe furios, ihre Art, es zu präsentieren. | Bild: Martha Weishaar

Furiengleich zankende Prenzlauer Waldorf-Kindergartenmütter geben tiefen Einblick in die ach so hehre Gesinnung jener Klientel, deren Nachwuchs im „Bullerbü der Bundesrepublik“ erste soziale Gruppenerfahrungen machen darf. Sogar die Türklinken sind dort aus Tofu, und beim Putzen wird darauf geachtet, ob der Schrubber mit oder gegen die Faser des Holzbodens angesetzt wird.

„Van-Life“ als Alternative zur Wohnungsmiete

Angesichts horrender Mietpreise in der Hauptstadt kann man sich dort kaum noch eine Wohnung leisten. Also ist „Van-Life“ angesagt. Man wohnt jetzt im Auto vor dem Haus, in dem man sich das Wohnen nicht mehr leisten kann. Und da Kleinwüchsige eine Minderheit sind, lässt man sich das passende Auto dazu vom Amt bezahlen. Minderheiten genießen hierzulande Schutz. Sie wissen, was ihnen zusteht, üben entsprechend Druck aus, wo es etwas zu beantragen gibt. Ein Porsche Cayenne muss für so einen Fall schon drin sein.

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Im Auto vor dem Haus haben die Künstlerinnen Zeit, darüber nachzusinnen, ob sie nun Abgehängte oder Bohemien sind. Hängt ganz davon ab, wie man es betrachtet.

Ach wie gerne hätten sie einen normalen Beruf, mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Burnout und allem, was dazugehört! Nach kurzem Exkurs in die Migrationsbehörde ist klar, dass die Deutschen per se eine Minderheit und Abgehängte sind. Oder doch Drangehängte? Ein klarer Fall für Sahra Wagenknecht und Frauke Petry, zwei Kampfterrier, die sich in der PDA, der Partei der Abgehängten, zusammenfinden – im Land der Dichter und Denker, die immer dicker und kränker werden, in dem die Kunst zugrunde geht, weil Dosenbier Shakespeare vorgezogen wird.