Perfektes Zusammenspiel, äußerste Präzision und sprühende Lebendigkeit zeichnen das Bennewitz-Quartett aus. Die vier tschechischen Musiker Jakub Fišer (Erste Geige), Štepán Ježek (Zweite Geige), Jirí Pinkas (Bratsche), und Štepán Doležal (Cello) begeisterten ihr Publikum im Schloss Bonndorf mit einem frühen Haydn, einem Werk des deutsch-böhmischen Komponisten Erwin Schulhoff sowie dem letzten Streichquartett aus der Feder von Antonín Dvorák.

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Štepán Ježek, der auf Englisch kurze Einführungen in die Stücke gab, führte die Experimentierfreudigkeit, die Haydn in seinen frühen Streichquartetten an den Tag legte, teilweise darauf zurück, dass sie alle Haydns Dienstherrn, dem Grafen Esterházy, gehörten, der Komponist also nicht auf deren Vermarktbarkeit achten musste.

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Als mit Witz und Ironie begabten Komponisten bezeichnete Štepán Ježek den 1942 im Internierungslager umgekommenen, als entarteter Künstler diffamierten und lange Zeit beinahe vergessenen Erwin Schulhoff. Seine „Fünf Stücke für Streichquartett“ beziehen sich im Grunde auf die alte Form der Tanzsuite, die er mit neuartigem Material sozusagen dadaistisch umformt und mit seinen Persiflagen so glasklar den Puls der Zeit trifft.

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Im ersten Satz, „Alla Viennese“, nimmt er mehrfach Anlauf zum luftigen Walzerschwung, der sich aufgrund wechselnder Taktarten indes nie wirklich durchzusetzen vermag. Der zweite Satz, „Alla Serenata“, führt den romantischen Schmelz der Melodie durch den markanten Rhythmus der Begleitung, durch Dissonanzen und beinahe geräuschhafte Momente, erzeugt etwa anhand des Spiels mit dem Holz des Bogens auf den Saiten, ad absurdum.

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Furios und wieselflink, mit einer deutlichen Schluss-Stretta, präsentiert sich „Alla Czeca“ als Hommage an die böhmische Volksmusik, gefolgt von der an den Tango Argentino mit seinem prägnanten Rhythmus im Cello, den ostinaten Floskeln in den Mittelstimmen und der schmachtenden Melodie der ersten Geige. Das abschließende Prestissimo „Alla Tarantella“ schließlich ist ein wahrhaft virtuoser Wettstreit aller Stimmen. Als durch und durch sinfonische Musik charakterisierte Štepán Ježek die immense Farbigkeit des Streichquartetts op. 106 von Antonín Dvorák. Dabei gebärdet sich das Allegro moderato bei aller Komplexität doch beinahe liedhaft eingängig.

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Die auskomponierten Gedankenpausen vor Beginn eines neuen musikalischen Einfalls strukturieren den Ablauf ganz deutlich und bilden so quasi eine bunte Reihe von lebhaften kurzen Szenen. In ein schwermütig-schönes Naturidyll versetzt fühlt man sich im Adagio, dessen Ausklang wirkt wie ein sanfter Abendsegen. Am deutlichsten hörbar wird Dvoráks markanter Personalstil im dritten Satz, einem rhythmisch sprühenden Scherzo mit anmutig zwitscherndem Trio.

Hohe Qualität

Der Kunstgriff der langsamen Einleitung wie auch der Wechsel von Spannung und Lösung verdeutlichen noch den feurigen Effekt des Finales mit seinem wahrhaft überbordenden Schluss. Die Auswahl der schwungvoll-fröhlich-frechen Zugabe eines 2008 entstandenen Stücks des italienischen Cellisten und Komponisten Giovanni Sollima unterstrich nochmals deutlich die hohe Qualität dieses Konzertabends.