Am Frauenaktionsjahr 2018 zum Thema „100 Jahre Wahlrecht für Frauen“ beteiligen sich auch die Bonndorfer Gemeinderätinnen Marie-Luise Adler, Irene Behringer, Eva Dietsche, Mechthilde Frey-Albert, Heidi Saddedine und Patricia Schwanke-Kech mit drei Veranstaltungen unter dem Titel „Damenwahl“. Ein Filmabend stand am Samstagabend auf dem Programm, als außergewöhnlicher Ort diente die ehemalige Jugendherberge, die schon in die Jahre gekommen ist und seit langer Zeit leer steht.

Um die Räume für solch eine Veranstaltung überhaupt nutzen zu können, mussten die Initiatorinnen die Ärmel hochkrempeln. Es wurde geputzt, Unkraut gezupft und letztlich mit Blumen und Kerzen liebevoll dekoriert. Und, weil Probleme dazu da sind, um gelöst zu werden, war man auch beim fehlenden Wasser und Strom erfinderisch. Ein Wasseranschluss für die Toiletten wurde extra gelegt, ebenso ein Stromanschluss – damit waren nach den schweißtreibenden Vorarbeiten alle Voraussetzungen für einen interessanten und erfolgreichen Abend gegeben.

Rund 50 Frauen fanden sich zum Filmabend ein. Sie waren aus mehreren Vereinen und auch ehemalige Gemeinderätinnen konnten begrüßt werden. Passend zum Thema wurde der Film „Die göttliche Ordnung“ gezeigt. Dieser beschrieb die Situation 1971 in der Schweiz, als Frauen begannen, sich für das Frauenwahlrecht einzusetzen, über dessen Einführung aber die Männer zu entscheiden hatten. Mit viel Mut setzt sich Nora, die Protagonistin des Films, für das Frauenwahlrecht ein.

Sie bringt auch aufs Tablett, wie ungerecht sich die Frauen behandelt fühlen, sie arbeiten, erziehen die Kinder, aber dürfen nicht einmal selbst entscheiden, ob sie arbeiten wollen. Während des Films gibt es auch witzige Szenen, etwa wenn der Schwiegervater sich über die engen Hosen der Schwiegertochter aufregt, diese ihm dann antwortet, er bräuchte ja nicht auf ihren Hintern zu stieren. Die Frauen streikten gemeinsam und am Ende wurde das Frauenwahlrecht eingeführt.

Auch in Deutschland mussten die Frauen noch bis 1978 das Einverständnis der Männer haben, um eine Arbeit annehmen zu können. An einer Pinnwand konnten die Besucher anhand von verschiedenen alten Dokumenten sehen, in welchen Vereinen und Organisationen Frauen in Bonndorf einst genannt wurden. Nach dem Film gab es in kleineren Gruppen einen regen Austausch, wie es in Bonndorf war mit den ersten Frauen im Ehrenamt, wie etwa Marlies Maier und Beate Johner bei der Feuerwehr.

Es gab in den 60er Jahren eine Frauenhandballmannschaft mit Rita Schwenninger und Hedwig Hany, die erfolgreich waren. Auch von Lucia Fernbach, einer Leichtathletin, war die Rede und Britta Adler erzählte vom exzellenten Übungsleiter Jürgen Eckert, der es gut verstand, die Sportler zu Höchstleistungen zu motivieren. So konnte man die Bonndorferinnen auch in der Badischen Bestenliste wiederfinden.

Es gab Ende der 60er Jahre schon Frauen, die Fußball spielten, aber mehr Freundschaftsspiele. Erst um die Jahrtausendwende gab es in Bonndorf die erste Damenmannschaft im Fußball. Startete die DLRG mit einem reinen Männervorstand 1967, so sind nun eher die Frauen dominant. Die erste Frau im Bonndorfer Gemeinderat war Maria Kofler von 1962 bis 1972, Barbara Kammer (Nachrückerin von Herrn Kaul 1977), danach zog Ingrid Spielberger 1989 und 1994 dann Gabi Stock ins Ratsgremium ein, beide aus den Reihen des damaligen politischen Frauengesprächskreises.

Weitere Termine

Zwei weitere „Damenwahl“-Termine stehen fest: am Freitag, 15. Juni, ab 19 Uhr wollen die Gemeinderätinnen ins Gespräch kommen über die Motivation für ihr politisches Engagement. Treffpunkt ist der Sitzungssaal im Rathaus. Am Sonntag, 9. September, heißt es dann ab 16 Uhr grillen mit der Frauenband „Miss Moneypenny“ am Sportplatz, außerdem gibt es Informationen über die Zukunftsprojekte der Stadt Bonndorf.