Herr Binninger, ein anonymer Briefeverfasser schreibt gezielt Sparkassenkunden in Bonndorf an und warnt diese vor einem Niedergang der Bank. Sind Ihnen diese Schreiben bekannt?

Ja, die Briefe liegen uns in der Sparkasse vor. Diese haben wir von Kunden erhalten. Auch haben manche Verwaltungsräte unserer Sparkasse solche Briefe bekommen.

Wie haben Sie bei der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen darauf reagiert?

Ich habe natürlich sofort Bürgermeister Michael Scharf als Verwaltungsratsvorsitzenden, den Verwaltungsrat insgesamt, die Trägerversammlung der Sparkasse und die Innenrevision informiert. Der Sparkassenverband Baden-Württemberg und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Landesdatenschutzbeauftragte sind ebenfalls informiert. Wir haben mit der Polizei gesprochen und die Polizei mit der Staatsanwaltschaft. Auch haben wir einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Klar ist, der Briefeverfasser will uns Schaden zufügen. Mittlerweile wissen wir mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, wer hinter den Schreiben steckt. Und, um es gleich vorwegzunehmen: Es gibt absolut keine Probleme bei der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen.

In den Briefen wird von Situationen aus dem Jahr 2015 und von Anfang 2016 geschrieben. Gab es zu dieser Zeit Ungereimtheiten?

Unsere Innenrevision, die einen sehr umfangreichen Prüfungsplan hat, besteht aus drei Mitarbeitern. Die Leiterin und eine weitere Mitarbeiterin haben einen Abschluss der Dualen Hochschule, der stellvertretende Leiter ist Universitätsabsolvent. Wir haben eine Kreditkontrolle ebenfalls mit dem Abschluss einer Dualen Hochschule. Alle Damen und Herren haben langjährige Berufserfahrung und sind überwiegend schon lange im Hause. Zusätzlich sind jährlich rund 90 Arbeitstage im Jahr externe Prüfer des Sparkassenverbands hier. Allein seit 2016 bis heute wurden durch diese über 13 sehr tief gehende Prüfungen quer durch die Sparkasse vorgenommen. Diese Berichte werden durch die Bundesbank, das BaFin und das Regierungspräsidium nachvollzogen. Zusätzlich fanden eine Steuerprüfung, eine Lohnsteuerprüfung und eine Prüfung der Rentenversicherung statt. Alle bestätigen uns gute und korrekte Ergebnisse.

Dennoch ist in den anonymen Schreiben die Rede von Missmanagement der Sparkasse. Was sagen Sie dazu?

Es gibt keinerlei Auffälligkeiten oder Probleme bei der Sparkasse, weder im finanziellen, technischen, personellen oder sonstigen Bereich. In sämtlichen Prüfberichten wird bestätigt, dass die Lage der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen bestens geordnet und geregelt ist. Die Prüfinstanzen, die von uns informiert wurden, hätten sofort reagiert, wenn Ungereimtheiten festzustellen wären. Es gibt absolut nichts zu bemängeln. Die Entwicklung unseres Eigenkapitals ist in meiner Zeit von 17 auf 61,9 Millionen angestiegen, das sind knapp 27 Prozent Eigenkapital. Damit belegen wir einen der vordersten Plätze im Vergleich aller baden-württembergischen Sparkassen und Banken. Allein seit 2008 – dem Beginn der Bankenkrise – bis heute haben wir unser Eigenkapital um 50 Prozent steigern können. In dieser Zeit haben wir zusätzlich 14 Millionen investiert und 27 Millionen Steuern bezahlt, davon alleine zehn Millionen Euro Gewerbesteuer an unsere Kommunen. Bei 84 Prozent unserer Mitarbeiter handelt es sich um hoch qualifiziertes Fachpersonal.

Der anonyme Schreiber spricht auch die Ertragslage an, die – so heißt es in den Briefen – signifikant rückläufig sei. Wie beschreiben Sie die Entwicklung?

Die Ertragslage ist bei der Sparkasse tatsächlich zurückgegangen. Dies hängt aber nicht mit Misswirtschaft zusammen, sondern mit der Zinspolitik. Wenn wir selbst Geld anlegen, müssen wir Negativzinsen bis zu 0,7 Prozent bezahlen. Das heißt: Wenn wir 100 Millionen Euro anlegen, verlieren wir 0,5 Millionen Euro an Negativzinsen im Jahr. Alleine für Prüfungskosten und Verbandsumlagen zahlen wir mittlerweile weitere 0,5 Millionen. Zusätzlich kostet die Regulatorik uns wie alle Unternehmen einen hohen sechsstelligen Betrag.

Es gibt aber doch sicherlich auch heute noch Möglichkeiten, das Geld gewinnbringend anzulegen?

Für alle Anleger gilt, und damit auch für uns: Wer mehr Rendite will, muss mehr Risiko in Kauf nehmen. Oder beispielsweise: Um noch zwei Prozent Zins zu erhalten, in eine 100-jährige österreichische Staatsanleihe oder in langlaufende italienische Anleihen investieren. Wer derzeit in internationale Geldanlagen investiert, fährt ein enormes Risiko. Das macht die Sparkasse nicht und das empfehlen wir auch unseren Kunden nicht. Hinter dieser Anlagephilosophie steht auch der Verwaltungsrat einstimmig. Wir fühlen uns mit der Region verbunden, wir arbeiten mit dem Geld anderer Leute, wir setzen auf Sicherheit. Und unser Auftrag ist in meinen Augen nicht der maximale schnelle Gewinn, sondern die Weiterentwicklung unserer Heimat. Mit dieser Strategie sind wir bislang gut gefahren. Wir haben in der so genannten Dotcom-Blase zum Jahrtausendwechsel und seit Beginn der Bankenkrise vor zehn Jahren keinen einzigen Cent verloren. Rund 100 Millionen Euro an neu zu uns gebrachten Einlagen von Kunden bei unserer Sparkasse seit der Finanzkrise sind ein deutliches Zeichen, dass eine nachhaltige Sicherheit gefragt ist.

Vorsicht ist sicherlich richtig, ist Ihr Kurs aber nicht zu vorsichtig?

Soll die Sparkasse, um schnelles Geld zu verdienen, in schwindlige Immobilienfonds, ETF's, Derivate oder in den Rohstoffmarkt investieren? Dazu gibt es ein klares Nein von mir. Nicht, weil wir Angst haben, sondern weil wir den Mut haben, uns von riskanten Märkten fernzuhalten. Die nächste Börsen- und Immobilienblase baut sich bereits auf, die Gefahr, dass sie platzt, ist groß. Davor wollen wir die Sparkasse und unsere Kunden schützen. Unsere Maxime heißt: ehrlich, anständig, konservativ. Wir wollen keine kurzfristigen Effekte, sondern nachhaltige Sicherheit – wie auch schon unsere Vorgänger seit 253 Jahren.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf in den anonymen Briefen, dass die Sparkasse Bonndorf-Stühlingen keine Angaben zu den Vorstandsgehältern macht?

Es gibt keine Veröffentlichungspflicht. Das Gehalt der Vorstände ist vom Verwaltungsrat einstimmig genehmigt worden. Das Gehalt orientiert sich nicht nach dem Geschäftserfolg, sondern nach der Größe der Sparkasse. Das Innenministerium Baden-Württemberg ist oberste Rechtsaufsicht aller Sparkassen. Das Innenministerium legt die Gehälter der Vorstände auf den Cent genau in einer Tabelle fest. Davon weichen wir keinen Cent ab und beachten präzise die Vorgaben.

Wo sehen Sie die Stärken der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen?

Wir sind stolz darauf, dass wir die Hausbank vieler Privatkunden und Unternehmen sind, die wichtige Arbeitsplätze in der Region zur Verfügung stellen. Zur Weiterentwicklung der Heimat beizutragen, das Geld in der Region zu lassen, Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft, Fremdenverkehr und unser tolles Vereinswesen zu unterstützen, das ist unser Auftrag, das nehmen wir ernst, das ist unsere Stärke. Der Blick in unsere Jubiläumsbroschüre zum 250-jährigen Bestehen zeigt das ganze Spektrum uneingeschränkt bis heute.