Gedichte von Wilhelm Busch sind per se eine Klasse für sich – von Sprechkünstler Thomas Pforte interpretiert erst recht. Das Publikum scheint das geahnt zu haben, denn kaum zuvor platzte das Foyer der Schlossbibliothek derart aus den Nähten wie an diesem Gedichteabend. Die Helfer um Flora Jägler und Ingrid Bühler vom Leitungsteam der Bücherei kamen kaum nach, genügend Stühle für die mindestens 80 Besucher herbeizuschaffen.

Von humorvoll bis lakonisch

Der Lenzkircher Künstler haucht mit seinen speziellen Betonungen den hintersinnigen Texten des Dichters neues Leben ein. Wilhelm Buschs lakonische und ebenso humorige Art und Weise, schlimme oder minder schlimme Delinquenten, menschliche Schwächen und Unzulänglichkeiten, aber auch merkwürdigen Sinneswandel auf den Punkt zu bringen, erhält durch Thomas Pforte frischen Schwung. Denn der Mann nimmt sich die Freiheit, die Klassiker mit eigenen Wortspielereien aufzumöbeln. Mittels eigenwilliger Rhythmusgebung erschließt sich neuer Sinn, zuweilen wähnt man sich gar im harmonischen Dreivierteltakt.

Gekonnt setzt Thomas Pforte die Pointen in Szene, mal mit schelmischem Lächeln, dann wieder mit verträumter Verliebtenmimik. Dafür erntet er immer wieder stilles Lachen, Raunen, zwischendurch auch Applaus. Wobei gerade die Tatsache, dass nicht jedes einzelne Werk beklatscht wurde, der Vortragsatmosphäre guttat. So konnte man ungestört den zuletzt gesagten Worten nachlauschen, Text und Inhalt noch etwas nachwirken lassen und vielleicht sogar mit einem Schlückchen Schwarzwald-Prosecco hinunterspülen.

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Thomas Pforte stellt einen unterhaltsamen Mix von Wilhelm Busch-Werken zusammen. Mal geht es um unausweichliche Vergänglichkeit, dann wieder um profane Liederlichkeit oder hintertriebenen Verrat unter Freunden und Verwandten.

Der Zuhörer wähnt sich ob solcher Situationsbeschreibung mitten im Leben. Und selbst Wilhelm Buschs humoriger Beschreibung einer Stechmückenplage kann man etwas Positives abgewinnen. Oder sollte man besser sagen Thomas Pfortes Beschreibung? Ein vereinzelter „Hänger“ macht den Vortrag des Sprechkünstlers eher noch sympathischer, der denn auch unmittelbar einräumt, dass er eben während des Gedichtvortrags an nichts anderes denken sollte.

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Die Zuhörer spürten, dass Thomas Pforte die von ihm vorgetragenen Texte verinnerlicht hat, blitzt doch eins ums andere Mal der Schelm aus dem ansonsten so ernsten Gesicht des Lenzkircher Künstlers. Ob er nun den für Wilhelm Busch so typischen breiten Hut trägt oder nicht.

Thomas Pforte gönnt seinem Publikum eine wunderbare Auszeit vom Alltag und inspiriert gewiss den einen oder anderen Zuhörer, mal wieder zu den Werken von Wilhelm Busch zu greifen. Das könnte übrigens auch dem Häufchen Neuntklässler der Realschule passieren, die im Rahmen einer neu auf den Weg gebrachten Kooperation zwischen der Bonndorfer Realschule und Schlossbibliothek mit ihren Deutschlehrerinnen die Veranstaltung besuchten.