Dicker Qualm dringt aus dem Bonndorfer Sparkassengebäude, fünf Personen werden vermisst. Die regionale Hauptschlagader des Straßenverkehrs, die B 315 durch Bonndorf, ist grell erleuchtet. Die Feuerwehr Bonndorf unter der Einsatzleitung von Kommandant Hansjörg Ketterer, unterstützt durch die Abteilungen Wellendingen und Wittlekofen, hat die Martinstraße teilweise gesperrt. Mit dieser Notfallübung spielten die Einsatzkräfte zusammen mit dem DRK-Ortsverein Bonndorf eine Räumungsübung in großem Stil durch.

  • Das Szenario: Durch einen technischen Defekt beginnt das Dachgeschoss der Sparkasse Bonndorf zu brennen, der Rauchmelder wird aktiviert. Die Alarmierungskette läuft an, die Feuerwehr Bonndorf rückt gegen 17 Uhr aus. Die Information der Leitstelle beinhaltet, dass drei Personen im Dachgeschoss vermisst werden und zwei weitere im zweiten Obergeschoss.
  • Die Sparkassenangestellten räumen im Scheinwerferlicht das Gebäude und kommen am Sammelplatz zusammen. Die Verantwortlichen der Gebäudeetagen haben in so einem Fall immer eine Liste griffbereit, in der vermerkt ist, wer von den Mitarbeitern in Sicherheit, wer noch im Gefahrenbereich oder auch nicht mehr im Dienst ist. Diese Listen werden dem Hausmeister der Sparkasse übergeben, der die Rettungskräfte einweist und informiert.

Für eine Rettung aus dem Dachgeschoss des Sparkassengebäudes gibt es einen zweiten Rettungsweg, der über eine Treppe an die Seite des Rathauses führt. An dieses Fenster wird die Drehleiter herangefahren und die zu rettenden Personen aufgenommen. Die Drehleitermannschaft wird von Feuerwehrleuten aus Wellendingen unterstützt. Das Tanklöschfahrzeug positioniert sich im vorderen Bereich der Sparkasse.

  • Ein Atemschutztrupp dringt durch den Personalausgang in das Treppenhaus vor und arbeitet sich in Richtung Dachstuhl, um dort die Vermissten zu suchen. Das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) positioniert sich im hinteren Bereich der Sparkasse, Feuerwehrleute unter Atemschutz versuchen, durch den Eingang an der Martinstraße 12 (Landesbausparkasse) in das zweite Obergeschoss über die Personenbrücke vorzudringen.
Hinter dem Rathaus und dem Sparkassengebäude fuhr das Spezialfahrzeug der Feuerwehr auf den Hof. Über die Drehleiter wurden Personen aus dem Gebäude gerettet.
Hinter dem Rathaus und dem Sparkassengebäude fuhr das Spezialfahrzeug der Feuerwehr auf den Hof. Über die Drehleiter wurden Personen aus dem Gebäude gerettet. | Bild: Wolfgang Scheu

Im Bereich des vorderen Treppenhauses stoßen die Atemschutztrupps dann aufeinander und erkunden gemeinsam den Weg ins stark verrauchte Dachgeschoss, um dort die Vermissten zu suchen. Die Rettung der drei Personen aus dem Dachgeschoss erfolgt über die Drehleiter. Die Rettung der zwei Personen aus dem zweiten Obergeschoss wird über das Treppenhaus koordiniert. Die TSF-Mannschaft der Feuerwehr Wittlekofen rettet weitere Personen aus dem zweiten und dritten Obergeschoss mittels einer Steckleiter über das Flachdach der Kundenhalle. Am Sammelplatz übernimmt und versorgt der DRK-Ortsverein unter der Leitung von Axel Zorn die Verletzten.

  • Derartige Übungen, die jüngste derartige sei mindestens vier Jahre her, seien wichtig für die Feuerwehr und die Verantwortlichen der Sparkasse, erläuterte Olaf Thor, Pressesprecher der Feuerwehr Bonndorf, im Gespräch mit dieser Zeitung. Alle Beteiligten lernen demnach daraus, erkennen mögliche Schwachstellen und überprüfen, ob die Alarmierung und Brandschutzeinrichtungen funktionieren. Bei einem derartigen Einsatzszenario (einem Dachstuhlbrand) werde immer ein Löschzug alarmiert.
  • Die letzte vergleichbare Übung sei in vergangenen Jahren als Chilbiprobe abgehalten worden, erläuterte Dieter Köpfler aus der Marketingabteilung der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen auf Anfrage dieser Zeitung. Allerdings – an einem Sonntag – ohne Angestellte, die es diesmal zu retten galt.
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Natürlich werde eine solche Übung vorbereitet, fügt Dieter Köpfler an. Die Alarmpläne und Abläufe werden überprüft und angepasst. Da stecke viel Detailarbeit drin, um Kommunikationswege und dergleichen auf dem aktuellsten Stand zu halten. Die Abläufe für die verschiedensten Notfälle werden schließlich regelmäßig thematisiert und geübt. Nun sei es wieder an der Zeit gewesen, im Rahmen einer echten Übung, die regelmäßig besprochenen Abläufe in der Praxis zu testen.

  • Die Sparkasse Bonndorf-Stühlingen sei froh, mit der Feuerwehr Bonndorf und dem DRK-Ortsverein Bonndorf kompetente Ansprechpartner zu haben. Von Zeit zu Zeit werden solche Übungen notwendig und wiederholt, berichtet Dieter Köpfler weiter. Schließlich sei das Finanzinstitut ein Haus mit 100 Angestellten, von denen rund 60 im Gebäude in der Martinstraße 10 tätig sind. Es sei wichtig, für Notfälle bestens gerüstet zu sein, weil die Sparkasse eine Verantwortung für die Mitarbeiter habe. Nicht zuletzt sei das praktische Tun der beste Gradmesser für die theoretischen Überlegungen.
  • Die Verantwortungsträger der Rettungskräfte, allen voran Hansjörg Ketterer und Axel Zorn, geben den Verantwortlichen wichtige Hinweise aus deren Erfahrung, wo beispielsweise Treffpunkte vereinbart werden sollten und wie Rettungswege optimiert werden können, so Dieter Köpfler. Sie runden das Bild des Sicherheitsbeauftragten Holger Albicker ab, mit dem die Sparkassenverantwortlichen regelmäßig in Kontakt sind. Der Nutzen liege im Aufeinandertreffen von Theorie und Praxis. Das Finanzinstitut in Bonndorf möchte weiterhin gut aufgestellt und vorbereitet sein für Fälle, von denen niemand hoffe, dass diese in der Wirklichkeit eintreten.