Was für eine Stimme! Mit unvergleichlicher Klarheit und stimmungsgeladener Bandbreite bezauberte Claudia Koreck beim Folktreff in Bonndorf das Publikum. Aber damit nicht genug. Ihre natürliche Herzlichkeit, gepaart mit schier überschäumender Freude am Leben, an Musik und Tanz – all das vereint sich in einem sehr intensiven Konzert zu grandioser Bühnenpräsenz.

Die Frau gibt viel von sich preis, erzählt aus ihrem Leben, von ihren Kindern, ihrer Mutter, der Oma, den Leuten aus dem kleinen Dorf ihrer bayerischen Heimat und zaubert damit geradezu intime Momente in den Raum. Diese Erlebnisse und Begegnungen aus ihrem Alltag, aber auch ihre Träume, Sehnsüchte, die Liebe zu Mann und Kindern und die gelegentliche Wut über all das, was in der Gesellschaft und der Welt derzeit so abgeht, packt Claudia Koreck in ihre Lieder.

So wechselseitig, wie das Leben spielt, so wechselseitig ist ihre Musik – mal verträumt, mal wild, mal leise, dann wieder ekstatisch und laut in einem gelungenen Arrangement aus Folk, Pop, Reggae, Jazz, Rock oder Swing. Erfahrungen ihrer Aufenthalte in Kalifornien, New York oder auch Hawaii fließen in die Songs ein, nehmen die Zuhörer mit auf die Reise, wenn Claudia Koreck Titel wie „Beautiful“, „Fliang“ oder „Hallabrooklyn“ singt.

So häufig, wie sie ihre Gitarren wechselt, so häufig wechselt sie die Sprache, von urboarisch zu hochdeutsch-bayrisch oder englisch. Viele Lieder hat sie zweisprachig vertextet. Je nach Situation singt sie „I'm over it“ oder „Neier Mensch“, „Another beautiful day“ oder „Himmel so nah“.

Dass ihr neuestes Album „Holodeck“ heißt, kommt nicht von Ungefähr. Denn die Sängerin singt sich gerne in andere Welten, andere Situationen oder Stimmungen. Sie will „Danzn“, „Fliang“ oder einfach „Barfuass um die Welt“, wechselt mal eben rasch von ihrem oberbayerischen Heimatort Hallabruck nach Brooklyn und vertont dies in „Hallabrooklyn“. Exzellente Musiker wie ihr Ehemann Gunnar Graewert am E-Piano, Schlagzeuger Oscar Kraus, Bassgitarrist Andi Bauer sowie der Freiburger Lukas Häfner an der Gitarre gehen mit auf ihre musikalisch virtuellen Reisen.

Mit jenen singt sie auch schon mal unplugged, die Stecker an den Gitarren werden einfach mal herausgezogen. Was beim Publikum super ankommt, bringt doch diese harmonische Mehrstimmigkeit Korecks exzellente Gesangsqualität und die emotionale Aufgeladenheit ihrer Lieder besonders zur Geltung. Wie es überhaupt wohltuend ist, wenn sogenannte stille Lieder auch tatsächlich still dargeboten werden. Hin und wieder würde weniger Technik oder eine differenziertere Einstellung einzelne Songs nämlich intensiver wirken lassen.

Claudia Koreck hat eine mitreißende Fröhlichkeit, tanzt, strahlt und will die Zuhörer aus ihrer Komfortzone heraus holen. So ganz überspringen will ihre überbordende Begeisterung letztlich aber doch nicht, was schade ist. Zumal man sich leicht vorstellen kann, dass diese sympathische Musikerin auch auf großen Bühnen zu begeistern vermag. Vielleicht ist die Atmosphäre im Foyer der Stadthalle für ein Konzert dieser Art ein bisschen zu beengt, böten ein paar Hundert Fans doch eine stimmungsvollere Resonanz als die knapp 100 Folktreff-Besucher.

Zur Person

Die 31 Jahre alte Sängerin Claudia Koreck aus Traunstein landete schon mit 21 Jahren ihren ersten Hit, auf Bayerisch: „Fliang“. Seither war sie mit ihren Songs mindestens aus der Bayerischen Radiolandschaft nicht mehr wegzudenken. Mit zwölf Jahren begann sie zu musizieren, 2002 und 2003 war sie Preisträgerin des Wettbewerbs „Treffen Junge Musik-Szene“ der Berliner Festspiele. Als Koreck mit ihrem heute sieben Jahre alten Sohn schwanger war, hat ihr das Lable gekündigt. Sie gründete ihr eigenes und hat nun auch eine Tochter. Die Scheibe Holodeck, die sie in Bonndorf präsentierte, hat sie in Los Angeles eingespielt, mit Musikern, die sonst mit Größen wie Norah Jones, Paul McCartney, Shakira oder Tom Jones arbeiten. Im Zuge dessen singt sie auch auf Englisch. (gud)