Sie feierten ihre „Marionette“ im Gemeinderat, riefen zur Wahlanfechtung auf und ließen den echten Bürgermeister seinen Ex-Doppelgänger spielen. Bei ihrem Kabarettabend haben die Elferräte im proppenvollen Burg-Saal für viele Lacher und feuchte Augen gesorgt. Etliche der Parodierten saßen im Publikum, was dem „11.11.“ den Charme eines kleinen Nockherbergs verlieh. Obwohl er in diesem Jahr besonders oft dran glauben musste, sagte Gemeinderat Wolfgang Dornfeld später über den Abend: „Das war einer der Besten“.

High Noon auf dem Minigolfplatz: Bayern-Präsident Uli Hoeneß (Jörg Kech) und Gladbach-Fan Markus Güntert (Felix Kuschel) liefern sich am Fohrenberg einen grimassenreichen Schlagabtausch.
High Noon auf dem Minigolfplatz: Bayern-Präsident Uli Hoeneß (Jörg Kech) und Gladbach-Fan Markus Güntert (Felix Kuschel) liefern sich am Fohrenberg einen grimassenreichen Schlagabtausch. | Bild: Volker Graunke

Aus aktuellem Anlass parodierten die Elfer auch sich selbst. Der Vorsitzende Philipp Keller, Stimmenvizekönig bei der Kommunalwahl, betrat gekrönt und gepudert im Hermelin die Bühne als „King Gmond“. „Eure Verzweiflung muss schon groß sein, wenn ihr all eure Hoffnungen in ein halbes Kind setzt“, sprach der 23-Jährige in seiner Dankesrede an das „liebe Stimmvieh“. Moderator Florian Kech kommentierte den Sonnenkönigauftritt mit den Worten: „Nach Trump und Johnson hatte man eigentlich gedacht, schlimmer geht‘s nicht mehr. Doch dann kam Keller.“

„Mauch-Beine-Po“: Bürgermeister Christian Mauch sorgte mit seinem Auftritt für die Überraschung des Abends.
„Mauch-Beine-Po“: Bürgermeister Christian Mauch sorgte mit seinem Auftritt für die Überraschung des Abends. | Bild: privat

Den Wahlerfolg ihrer „Marionette“ im Gemeinderat führten die närrischen Wahlanalysten auf den „Elfereffekt“ zurück. Von diesem habe auch Frank Grieshaber profitiert, der kurz nach der Gemeinderatswahl allerdings seinen Rücktritt beim Elfer erklärte. Diese „Mogelpackung“ grenze an Wahlbetrug, eine Anfechtung sei daher unumgänglich.

Die Rostocker Sehenswürdigkeit schlechthin: Haiko „Säge“ Retzke spielte sein eigenes Denkmal – den Silbernen Säge.
Die Rostocker Sehenswürdigkeit schlechthin: Haiko „Säge“ Retzke spielte sein eigenes Denkmal – den Silbernen Säge. | Bild: privat

Thema war auch der nach Auffassung der Elfer zahme Wahlkampf und die „zuckerwattige Harmonie“ am Ratsrund. „Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb“, so das offizielle Begrüßungsritual, das die händchenhaltenden Gemeinderäte bei ihrem „Schlagabtäuschchen“ säuselten. Eine leichte Empörungsbrise kam nur dann auf, wenn Frank Grieshaber (gespielt von Felix Kuschel) mal wieder unvermittelt die Auflösung der Gemeinde forderte.

Besondere Schönheitstipps

Zur Überraschung des Abends trug Wutachs echter Bürgermeister Christian Mauch bei. Für einen Kurzauftritt schlüpfte er in die Rolle seines langjährigen Doppelgängers Alex Hettich, der ebenfalls seine Elferkappe an den Nagel gehängt hat, und verriet, wie er es all die Jahre schaffte, so gut auszusehen wie das Original. Seine Schönheitstipps: Gurkenmaske, Stutenmilch, aber vor allem die Übung „Mauch-Beine-Po“.

Einmarsch von „King Gmond“: Elferrat Philipp Keller feierte seine Vize-Stimmenkönigmeisterschaft bei den Gemeinderatswahlen.
Einmarsch von „King Gmond“: Elferrat Philipp Keller feierte seine Vize-Stimmenkönigmeisterschaft bei den Gemeinderatswahlen. | Bild: privat

Mauchs neuer Doppelgänger ist Florian Schulz, der seine erste Gemeinderatssitzung leitete. Mit Freude habe er vernommen, dass mit Meike Folkerts eine halbe Ewattingerin zur Bürgermeisterin von Titisee-Neustadt gewählt wurde. Es werde ja gemunkelt, dass die Meike Neustadt nur als Sprungbrett benutze, um in vier Jahren in Wutach anzutreten, raunte es im Gemeinderat. Mauchs Reaktion: „In dem Fall sparen wir uns das Porto für die Glückwunschkarte.“

Der Elfer ließ an dem Abend nichts anbrennen: Auch nicht den XXL-Truthahn (Artur Riester), der von Erfinder Benno Kuttruff (Schulz) und Matthias Studinger (Jens Kromer) in der Sendung „Bares für Rares“ zubereitet wurde. Bei dem Auftritt, bei dem Salatblätter umherflogen und Bratensoße spritzte, machte Kromer seinem Ruf als sprichwörtliche Rampensau alle Ehre. Der Abend war voller herrlich schräger Figuren: Unter anderem Jörg Kech als wutschnaubender Uli Hoeneß und Meister der Grimassen, der bei den „Fohrenberg Open“ zum finalen Schlag ansetzte, oder das Rostocker Original Haiko Retzke, der sich in seiner Heimatstadt ein eigenes Denkmal setzte: den „Silbernen Säge“.

Vom neuen Rentnerparadies

In weiteren Rollen traten First Lady Matthias Eichkorn sowie Michael Grieshaber auf, der sich per „Liveschalte“ aus Brasilien meldete. Schön makaber wurde es, als Wolfgang Dornfeld (gespielt von Sohn Joshua) seine geplanten Miniseniorenhäuser vorstellte. „Das neue Rentnerparadies liegt zwischen Himmel, Halle und Hinterbuck.“ Als sich ein Rentnerpärchen (Michael Hevart und Haiko Retzke) über die genaue Größe der Wohnungen informierte, überschlug Dornfeld: „Etwas kleiner als eine Einsegnungshalle, aber deutlich größer als ein Grab.“ Nach drei Stunden kommunalpolitischen Kabarett, schwarzem Humor und Klamauk endete das Programm betont versöhnlich mit der Gemeinderatshymne „All you need is Rot“ zur Melodie des fast gleichnamigen Beatles-Klassikers, bevor Elfer, Ex-Elfer und der Männergesangverein zusammen mit dem Publikum „Hans blieb do“ anstimmten.

Der Saisonstart

  • Die Bonndorfer Pflumeschlucker stehen ebenfalls für den Fasnet-Auftakt in den Startlöchern. Am 11. 11. steht bei ihnen der bunte Abend „Wie immer! – Kasperletheater in Bonndorf“ auf dem Plan. Karten kosten im Vorverkauf 8 Euro, an der Abendkasse 9 Euro. Der Vorverkauf läuft bei der Sparkasse Bonndorf, Martinstraße 10, bis Freitag, 8. November. Es wird für Bewirtung gesorgt sein.
  • Der Narrenrat des Bonndorfer Ortsteils Gündelwangen lädt wiederum am Samstag 16. November, in die Schule Gündelwangen zum Fasnetauftakt ein. Einlass der närrischen Gäste ist ab 19 Uhr. Das Programm beginnt um 20.11 Uhr. Weitere Infos gibt es per
    E-Mail (nrguendelwangen@hotmail.de)