Die Roggenbacher Schlösser – die Burgruinen Steinegg und Roggenbach – werden im Auftrag der Bauverwaltung des Landes, Vermögen und Bau, saniert. Über die Bauarbeiten, die demnächst beginnen und sich vermutlich über mehr als zwei Jahre hinziehen, werden wir berichten. Nach der Geschichte der Burg Roggenbach folgt nun die Burg Steinegg.

Zweite Burg im oberen Steinatal

Da die Burg Steinegg nur 400 Meter von der Burg Roggenbach entfernt liegt, fragt man sich, welchen Grund es für eine zweite Burg im oberen Steinatal gab. Christoph Steinig aus Herne in Westfalen, der sich als Nachfahre der Herren von Steinegg sieht, hat eine Erklärung. 1990 hat er seine Forschungen in der BZ veröffentlicht. Demnach ist im Jahr 1108 von einem freien und adligen Herrn „Bertholdo von Wittelinchoven“ die Rede. Das Geschlecht stamme aus dem Thurgau. 1140 hätte die Familie, die als Dorfadel in Wittlekofen residierte, das Dorf verlassen und – was damals modern war – eine Burg gebaut. Auf der Burg hätten die Herren „von Wittelinchoven“ wieder ihren Thurgauer Stammnamen angenommen, nämlich „von Steinegg“.

Burgen in gewisser Konkurrenz

Auch Albert Kürzel, 1851 bis 1865 Pfarrer in Gündelwangen, hat geforscht und in einer Gerichtsurkunde von 1150 den „Edlen oder Freien Berthold von Steinegg und seinen Sohn Hiltibold“ gefunden. Damals, also zehn Jahre nach Erbauung der Burg, waren die beiden in einer Streitsache als Zeugen geladen. Gestritten hatten die Klöster St. Blasien und Allerheiligen in Schaffhausen um den 1094 Meter hohen Berg Hochstaufen westlich von Grafenhausen. Während die Herren von Steinegg Gefolgsleute der Herzöge von Zähringen waren, die wiederum das Kloster St. Blasien schützten, standen die Ritter auf der benachbarten Burg Roggenbach den Grafen von Nellenburg nahe, die ihrerseits das Kloster Allerheiligen unterstützten. Also standen auch die Burgen Steinegg und Roggenbach in gewisser Konkurrenz.

Burgen im Bauernkrieg zerstört

Nach den Recherchen von Christoph Steinig begann nach 1278 der Abstieg der Herren von Steinegg. Sie konnten die Burg nicht mehr halten, verpachteten und verpfändeten sie. Popo von Steinegg wurde auf seiner ehemals eigenen Burg als Vogt eingesetzt. 1284 ist dieser Burgvogt zusammen mit seinem Bruder Wimar erwähnt. Nachdem die Nachbarn auf der Burg Roggenbach in Raubrittermanier immer wieder Klosteruntertanen von St. Blasien überfallen hatten, beauftragte das Kloster 1438 Ritter Werner von Staufen, die Burg Roggenbach zu zerstören. Bei dieser Aktion erlitt auch die eigentlich unbeteiligte Burg Steinegg einen Kollateralschaden. Heinrich und Georg von Erzingen, an welche die Burg damals verpfändet war, forderten deshalb von St. Blasien Schadenersatz. 1482 ist die Rede vom „burgkstal Stainegk gelegen bey Rockenbach“. Mit Burgstall ist eine bereits nicht mehr intakte Burganlage gemeint. Im Bauernkrieg 1525 wurden die Burgen Steinegg und Roggenbach vollends zerstört.

Repräsentativer Wohnturm

Außer einem sechs Meter hohen Mauerrest steht heute von der Burg Steinegg nur noch der wuchtige Bergfried, sicher der schönste der drei Türme der Roggenbacher Schlösser. Er misst neun Meter im Quadrat, am Fuß sind die Mauern drei Meter mächtig. Außen ist das Bauwerk mit sorgfältig behauenen Buckelquadern im Stil der Stauferzeit verkleidet, der Eingang in den repräsentativen Wohnturm befindet sich in einer Höhe von neun Metern.

Überraschung im Kellerraum

Gelangt man durch den erst im Jahr 1906 gebrochenen Zugang in das unterste Stockwerk, erlebt man eine Überraschung. Dieser Kellerraum, manche sagen auch das Verlies, weist perfekt behauene Sandsteine auf und scheint beinahe der schönste Raum des Turms gewesen zu sein. Ein Kellerraum? Eine Erklärung für den perfekt gestalteten Raum könnte sein, dass es sich um eine Art Schatzkammer gehandelt hat, in der die Herrn von Steinegg wichtigste Schätze wie Urkunden und Dokumente aufbewahrt haben.