Eine kontroverse Debatte war von vielen in Sachen Nutzung des Bürgerbusses erwartet worden. Doch Bürgermeister Michael Scharf überraschte in der jüngsten Ratssitzung alle mit der Rücknahme seines Antrags. Er hatte die Ablehnung einer kostenfreien Nutzung des Bürgerbusses für Vereinsfahrten mit Kindern und Jugendlichen beantragt. Stattdessen lobte Scharf das ehrenamtliche Engagement von Ingo Bauer, der die Wartung des Fahrzeugs auf ehrenamtlicher Basis seit 2012 für die Gemeinde übernommen hat.

Diese Wendung war angesichts der vom Schulheiß früher geäußerten Meinung, dass Eltern ihre Kinder zu sportlichen Veranstaltungen begleiten und selbst fahren sollen, nicht erwartet worden. Der Rat beschloss einstimmig, dass Fahrten mit dem Bürgerbus zu sportlichen Veranstaltungen für Jugendliche bis zum B-Jugendalter (16 Jahre) künftig kostenlos sind.

Ingo Bauer (CDU) hatte vor einigen Wochen den Antrag gestellt, die Nutzung des Bürgerbusses zu modifizieren. Gegenüber dieser Zeitung erläuterte er im Vorfeld der Debatte, dass er einzig und allein ein Interesse daran habe, Vereinen mit Jugendarbeit im Bedarfsfall den Bürgerbus kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Da kommen für einen Verein am Ende des Jahres schnell 600 bis 700 Euro zusammen. Die tun einem Verein weh. Mit meinem Antrag möchte ich das Ehrenamt unterstützen.“ Dies bekräftigte Bauer vor dem Gemeinderat. Da die Stadt momentan über gute Einnahmen verfüge, könne man die Vereine auf diese Weise entlasten, sagte Bauer im Gespräch mit dieser Zeitung. Er stellt klar, dass es ausschließlich um die Beförderung von Jugendlichen zu sportlichen Veranstaltungen gehe.

Erwachsene sollen weiterhin 30 Cent pro Kilometer plus Tanken bezahlen, wenn sie den Bus nutzen. „Ich betreue jetzt den Bürgerbus seit gut drei Jahren und konnte noch keinen Missbrauch feststellen.“ Das Fahrtenbuch werde lückenlos geführt, pro Jahr kommen demnach zwischen 25 000 und 30 000 Kilometer für Vereinsfahrten zusammen. „Das zeigt, dass der Bedarf da ist.“ DLRG und Sportkegler seien dabei die regelmäßigsten Nutzer.

„Der Bürgerbus ist eine tolle Einrichtung. In der Kinderbetreuung macht die Stadt schon sehr viel, da ist es nur folgerichtig, dass dies auch bei der Nutzung des Bürgerbusses fortgesetzt wird“, betonte Bauer in der Sitzung. Vor allem bei Terminen unter der Woche würden die Eltern arbeiten und könnten deshalb nicht fahren. „Deshalb sollte eine kurzfristige, kostenfreie Buchung für den Bürgerbus möglich sein“, sagte Ingo Bauer. Allein beim TuS Bonndorf gebe es 13 Jugendmannschaften, die 170 Spiele pro Saison absolvieren.

„Für 30 Spiele wurde der Bürgerbus benötigt“, so der Gemeinderat. Bei größeren Entfernungen werde das für die Vereine teuer. „Ich möchte eine Entlastung für die Jugendarbeit und das Ehrenamt schaffen.“ Der zweite Bürgerbus, der eigentlich zum 1. April schon außer Dienst gestellt werden sollte, wird inzwischen nach dem Ratsbeschluss für Fahrten mit unbegleiteten, jugendlichen Flüchtlingen genutzt. Dieses Fahrzeug ist bisher 280 000 Kilometer gelaufen. Bis zum Ablauf des TÜV 2017 soll es noch für diesen Zweck genutzt werden.