Seit dem 6. Januar sind die Narren los. Landauf, landab gab es schon eine ganze Reihe von Narrentreffen. Ab dem Schmotzige Dunnschdig, der hier Schutzinger Dunnschdig heißt, geht es aber richtig rund. Der Narrenrat zieht morgen vom alten Bahnhof auf dem Stamme, gezogen von einem Pferdefuhrwerk Richtung Rathaus, um dem Bürgermeister die Schlüssel abzunehmen und die Macht bis Aschermittwoch zu übernehmen. Voran schreiten Narrenpolizei, Fotzli Hansili und Narrenmusik.

Die prägende Figur ist aber natürlich der Pflumerschluckerhansele. Der freundliche Narr mit Bauerngesicht, Schirm und dem markanten Schellen gumpt dann rhythmisch durch die Stadt. Wir stellen die traditionsreiche Figur mit Hilfe von Günter Hany vor. Er war früherer Narrenrat und, wie sein Vater Theo, Narrenvater. Ihm folgte er auch in der Funktion als Leiter der Schloss-Narrenstuben. Er weiß zu erzählen, dass um 1900 auch die Straßenfasnet in Bonndorf der Obrigkeit ein Dorn im Auge war. Um die Fasnachtsvereinigungen zu stärken und ihnen mehr Gewicht bei den Gesprächen mit den Regierenden zu verleihen, wurde 1922 die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) mit zunächst neun Mitgliedern gegründet. Dieser Vereinigung schlossen sich auch die Pflumeschlucker wenige Jahre später an, weiß Günter Hany zu berichten.

Die Geburtsstunde

Die Maske selbst entstand 1923, entworfen hat sie nach Vorgaben der Narrengesellschaft Bonndorf ein Holzschnitzer aus Elzach. Ein Jahr später war der Pflumeschlucker geboren. „Den Pflumeschlucker gab es schon auf einem Plakat von 1903. Er sah so aus, wie heute beim Hansele am Schild auf dem Stamme oder auf dem Welschhemd“, erklärt der Fasnachtsexperte aus Bonndorf. Die Maske selbst ist aus Lindenholz handgeschnitzt und keine sieht aus wie die andere.

Eine ganz unverwechselbare Bemalung hat auch das Häs. Die Idee dazu hatten um 1924 Franz Möhringer und der Lehrer Keller aus Bonndorf. Das erste Häse wurde ebenso wie heute in Handarbeit bemalt. „Der Entwurf entstand damals im Malergeschäft Kramer, der ebenfalls im Narrenrat war“, weiß Günter Hany. Entstanden ist ein Original Weißnarr. Da in der Landschaft Baar, zu der Bonndorf gehört, Korn angebaut wurde, gab es Sackleinen zuhauf. Das daraus gefertigte Häs wurde naturbelassen, diese typische Farbgebung hat es noch heute.

Auf der Hose sind auf der Vorder- und Rückseite Sagen und Geschichten vergangener Zeiten verewigt. Vorne die Stallacker Katz, die der Sage nach ziemlich groß war. An dieser Ecke in Bonndorf führ die Postkutsche vorbei. „Die Kutscher hatten offenbar Angst vor der Katze, weil die Pferde scheuten“, erzählt der Museumsleiter. Vom Käppeligeist mit Pferdehuf und Ziegenfuß berichteten ängstliche Kinder, die von Boll nach Bonndorf liefen. „Gesehen hat ihn noch niemand“, schmunzelt Günter Hany. Der Hofnarr auf dem anderen Bein ist seiner Ansicht nach ein Hinweis auf das närrische Treiben bei Hofe.


Weitere Informationen zur Bonndorfer Fasnet unter: www.pflumeschlucker-bonndorf.de

Der Pflumerschluckerhansele:

Bild: Gerald Edinger


Schirm

Das Utensil dient als Wetterschutz und ist in der Fasnachtslandschaft Baar keine Seltenheit. Blau ist er deshalb, weil blau-weiß die Farben der Löwenstadt sind.

Maske

Der Pflumeschlucker gehört zu den Charaktermasken, die es neben Tier-, Stoff- und Glattmasken gibt. Sie stellt ein freundliches Bauerngesicht mit verschmitztem Lächeln mit der charakteristischen Pflaume im Mund dar. Auf dem Kopf trägt er nach Bauernart eine Mütze – blau-weiß, wie es sich für einen Bonndorfer gehört.

Pflaume

In den umliegenden Dörfern wurden die Bonndorfer ob ihrer Dummheit ausgemacht, weil sie die Frucht samt Stiel und Stein hinunterschluckten: „Die wissen nicht mal, wie man Pflaumen ist“, spotteten sie der Sage nach.

Hanseletuch

Eine genaue Erklärung hat auch der Leiter der Narrenstuben nicht. Während der Völkerkundler und Fasnachtsexperte Werner Mezger (Freiburg) ein "Modeasccessoire" vermutet, sagte Theo Hany immer, dass es von einem Schnupftuch abgeleitet wird.

Gschell

Das an zwei Ledergurten über die Schultern getragene Gschell besteht aus 22 Bronzekugeln, die etwa zehn Kilogramm wiegen. Der heutige Ehrennarrenvater Klaus Podeswa führte vor etwa 30 Jahren eine drei Kilogramm leichtere Version für die zahlreicher werdenden Frauen ein. Kinder tragen oft eines mit Blechglöcken, das Jugendgschell wiegt etwa vier Kilogramm.

Obergewand

Auf dem Oberteil des Häs ist vorne ein Schwarzwälder Brautpaar abgebildet, hinten prangt der Löwe aus dem Stadtwappen.

Hose

Vorne auf beiden Beinen buckelt die legendäre Stallacker Katz, die Postkutschenfahrer und Pferde erschreckte. Hinten sind der gruselige Käppeligeist und ein Hofnarr abgebildet.

Handschuhe

Ein Narr vermummt sich und deshalb zieht der Pflumeschlucker Handschuhe an – auch ein Schutz bei Kälte.

Schuhe

Es ist Tradition, dunkle Schuhe zum Häs anzuziehen. Es gab aber auch Jahre, da brach sich die Mode Bahn und manch einer trug helle Moonboots. Das hat Klaus Podeswa gestört, seither tragen die Hansele wieder dunkle Schuhe.