Der Mond lag schon bequem in seinem Bett, als der Musikverein am ersten Weihnachtsfeiertag im Schulsaal von Dillendorf sein vielbeachtetes Jahreskonzert nach der zweiten, vehement geforderten Zugabe beendete.

Dennoch verging die Zeit wie im Fluge, galt es doch nicht nur das zahlreich erschienene Publikum mit abwechslungsreichen und klangvollen Musikstücken zu unterhalten, sondern auch ein Provisorium zu feiern, das vor zehn Jahren begann und bis heute Bestand hat. Damals übernahm Clemens Büche vorübergehend die Leitung des Musikvereines Dillendorf, wollte aber, aus beruflichen Gründen, nur bis zum Kirchenkonzert 2007 bleiben, höchstens noch vier Proben länger. Aus diesen vier Proben wurden dann 737 Proben und eine freundschaftliche, von Leistungswillen und Achtung geprägte Partnerschaft, von der alle Beteiligten bis heute profitieren.

Was Clemens Büche mit seiner unnachahmlichen Persönlichkeit aus diesem Laienorchester machte, das kann sich wirklich sehen und hören lassen. Und so stand auch das diesjährige Konzert ganz im Zeichen konzertanter Blasmusik bei der auch Marsch und Polka immer wieder gerne gespielt werden.

Durch das Programm führten Kristin und Leon Dietsche, die gemeinsam mit Roland Dietsche das gesamte Tenorhornregister des Vereines repräsentierten. Witzig und informativ informierten die beiden aktiven Musiker das Publikum über Inhalt und Besonderheiten der jeweils gespielten Stücke. Manch musikalisches Detail erhöhte die Wirksamkeit der gespielten Stücke noch beträchtlich, weil man konzentriert zuhören musste, um die Informationsvielfalt auch auditiv überprüfen zu können.

Plastische Klanggebilde wie "Alpine Inspirations" von Martin Scharnagl, "Music for Happiness" von Gerald Oswald, "Kameraden für immer" von Jörg Bollin oder "Polka-Maus" von Peter Schad konkurrierten wohltuend vielgestaltig mit absoluten Publikumsreißern, wie "Gabriellas Song" von Stefan Nilson, bei dem Martin Weltis mit seinem Flügelhorn gefühlvoll und dynamisch äußerst differnziert die Gefühlswelt einer jungen Frau offenbarte oder "Moment for Morricone" von Ennio Morricone in einem Arrangement von Johan de Meij, bei dem das Orchester zu wahrer Hochform auflief und seinen recht hohen Ausbildungsstand vorbildlich zu Gehör brachte. Kurz vor der Pause erlebten die zahlreich erschienen Besucher eine höchst abwechslungsreiche Überraschung, als Vizedirigent Reiner Dietsche völlig unerwartet den Taktstock ergriff, um Clemens Büche zu seinem "Zehnjährigen" als Dirigent des Musikvereines Dillendorf zu gratulieren. Mit "Von Freund zu Freund" einer Polka von Martin Scharnagl erwiesen die 28 Musiker des Musikvereines ihrem Dirigenten ihre Referenz.

Zum Höhepunkt des Abends gestaltete sich allerdings der Moment, als Multitalent Clemens Büche sein Tenorhorn auspackte, um Bravourvariationen über "Carneval of Venice" von Herbert L. Clarke auf seinem Instrument zum Besten zu geben. Dabei erwies er sich als Komödiant, der zuerst das falsche Stück, nämlich ein bekanntes Weihnachtslied, intonierte, als virtuoser Solist, der seinem Instrument Töne entlockte, die in anderen Flügelhörnern gar nicht erst enthalten sind und natürlich auch als begnadeter Dirigent, der jederzeit alle Fäden des musikalischen Geschehens in Händen hielt. Stehende Ovationen zeigten ihm die absolute Wertschätzung von Publikum und Musikern.

Anschließend durften die begeisterten Zuhörer noch in den fulminanten Klängen von "The Best of Abba" schwelgen bevor ein grandioses Konzert des Musikvereins Dillendorf nach zwei mit Herzblut gespielten Zugaben klangvoll zu Ende ging.

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