An die 600 Einladungen in 24 Sprachen verschickt – und kaum einer schaut vorbei. Enttäuscht? Das „Nein“ aus dem Mund von Bürgermeister Michael Scharf kommt ohne zu zögern. Natürlich habe sich die Verwaltung Zuspruch der in Bonndorf lebenden wahlberechtigten EU-Bürger zum Infoabend zur Kreistags-, Kommunal- und EU-Wahl erhofft. Nun sei es eben das größte Kandidatenfest, das die Stadt je gesehen habe. Und vielleicht lasse sich das Format ausbauen zu einer künftigen zentralen Wahlveranstaltung.

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Die genaue Anzahl derjenigen ausländischen Bonndorfer EU-Bürger, die den Weg ins Foyer der Stadthalle gefunden hatten, bestimmte auch Michael Scharf nicht genau. Es waren aber wohl weniger als eine Hand voll, inklusive des „Enne-Wuetler“ (O-Ton Michael Scharf), der jedoch ohnehin nicht zur Wahl in Bonndorf zugelassen ist, weil er andernorts lebt.

55 Kandidaten und 30 Bonndorfer

So blieben die 55 Kandidaten zur Kommunalwahl und an die 30 weiteren Bonndorfer – überwiegend Mitarbeiter des Rathauses sowie Vertreter des Integrationsgremiums und einiger Bonndorfer Unternehmen – also weitgehend unter sich. An den Ständen der politischen Parteien und Vereinigungen wurden trotzdem eifrig Kandidatenflyer ausgelegt, die Give-away-Werbeartikel fanden selbst bei der „Kandidatenkonkurrenz“ Absatz. Diskutiert wurde von den Bewerbern an den Stehtischen ohnehin – über Privates, aber vor allem auch über kommunale Entwicklungen Bonndorfs.

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Michael Scharf erläuterte das Vorgehen der Verwaltung beim Auszählen der Stimmen nach 18 Uhr am Wahlsonntag. Hehres Ziel sei es, nicht nur die EU- und Kreistagwahlergebnisse auszuzählen – auch das Kommunalwahlvotum zum Bonndorfer Gemeinderat werde voraussichtlich bis 22.30 Uhr vorliegen.

Erläuterungen des Bürgermeisters gab es zum geänderten Berechnungsverfahren der Sitzverteilung im kommunalen Parlament vom d‘Hondt- zum Sainte-Laguë-/Schepers-Verfahren. Es werden die Gesamtstimmen der jeweiligen Wahlvorschläge durch die Zahlen 1, 3, 5, 7, 9 und 11 usw. geteilt und die Sitze entsprechend der Ergebnisgröße an die Listen, die sich beworben haben, verteilt, bis alle Ratssitze vergeben sind. Für Wahlvorschläge mit geringeren Gesamtstimmenzahlen sei dies vorteilhafter.

Wahlvorgang als Schauspiel

Ein besonderes Schauspiel hatte Harald Heini parat. Der Hauptamtsleiter erläuterte mit den Bürgerservice-Mitarbeiterinnen Daniela Ganter und Madeleine Probst sowie Silvia Maier und Justyna Plaza-Köder vom Integrationsgremium Bonndorf als „Schauspielerinnen“, wie der Wahlvorgang in den Wahllokalen vonstattengehen wird. Madeleine Probst erklärte zudem, welche Personenkreise wählen dürfen.

Der Zuspruch zur Bonndorfer Infoveranstaltung für EU-Bürger mit ausländischen Wurzeln hielt sich in überschaubarem Rahmen.
Der Zuspruch zur Bonndorfer Infoveranstaltung für EU-Bürger mit ausländischen Wurzeln hielt sich in überschaubarem Rahmen. | Bild: Stefan Limberger-Andris

Da es bei dieser Veranstaltung auch um Integration im weiteren Sinne ging, erläuterten Schulsozialarbeiterin Marisa Kern ein umgesetztes Kunstprojekt, Silvia Maier und Justyna Plaza-Köder (Sprachförderung/Betreuung Grundschule) sowie Helga Lüber (Kindergärten) die Weiterentwicklung und Schwierigkeiten der Integration verschiedener Gruppen – hier vor allem die „Integration quer“, das heißt, das Zusammenfinden verschiedener nationaler Gruppen sowie die Teilhabe am kommunalen Leben – also auch die Wahrnehmung des Wahlrechts.

Integrationsbemühungen weiter vorantreiben

Die EU-Bürger mit ausländischen Wurzeln seien wichtig für Bonndorf, unterstrich Michael Scharf. Nicht zuletzt machten sie etwa ein Zehntel der Wahlberechtigten zur Kommunalwahl aus. Die Stadt werde die Integrationsbemühungen weiter vorantreiben, auch wenn an diesem Abend die Zielgruppe nicht erreicht worden sei.

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Nun – nach zweieinhalb Stunden währender Veranstaltung waren zwar nicht alle Grillwürste und Wecken gegessen und nicht alle Getränke letztlich geleert, es festigte sich allerdings bei manchem Kandidaten die Gewissheit, dass man nach den Gründen des Ausbleibens der EU-Bürger suchen sollte. Vielleicht sollte man alle Bonndorfer einladen? Justyna Plaza-Köder sagte, sie könne sich das Fernbleiben nicht genau erklären, möglicherweise liege es an persönlicher Scheu, wenn die deutsche Sprache nicht gut gesprochen werden könne.