Gregor Linßen ist eine bekannte Größe unter zeitgenössischen Kirchenmusikern. In einem Workshop vermittelte der Künstler vom Niederrhein nun mehr als 80 Chorsängern aus der Region Expertentipps. Zum Abschluss präsentierten rund 50 Sänger im Gottesdienst in der katholischen Kirche das Ergebnis des vorausgegangenen ganztägigen Workshops.

In erster Linie geht es dem Liedermacher darum, Freude am Singen zu vermitteln, erst in zweiter Linie um die Optimierung von Gesangstechnik. Wenn Gregor Linßen sagt: „Ihr seid Gesangssklaven unter der Knute eures Chorleiters“, zeigt sich sein rheinländischer Humor. Obschon die „Knute“ des Chorleiters wesentlich die Gesangsqualität eines Chores bestimmt.

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Die durchweg gesangserfahrenen Workshopteilnehmer saugten wissbegierig jedwede Ratschläge auf. „Jeder Mensch kann singen“, behauptet der Toningenieur. Den Schwerpunkt beim Singen sieht Gregor Linßen in der Sprache, die in ihrer eigenen Melodie belassen werden sollte. „Das macht Melodien für Laien begreifbar, dazu braucht es keine Notenkenntnis. Noten werden sowieso völlig überbewertet“, sind nach Gregor Linßens Worten lediglich Krücken, nur Hilfsmittel. „In Lateinamerika singt man ganz ohne Noten“, führt der Musikprofi aus. „Singen in Gemeinschaft bringt dem Einzelnen unglaublich viel Energie.“ Guter Gesang ist ein gelungenes Zusammenwirken von Sprache und Klang.

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Gregor Linßen komponiert und textet geistliche Lieder mit philosophischen Betrachtungen, auch komplette Messen. Erfahrung in kirchlicher Jugendarbeit und Begegnungen mit vielen theologisch gebildeten Menschen veranlassten ihn, neue geistliche Lieder zu schreiben. Einige davon finden sich im „Gotteslob“, dem Gesangbuch der Katholiken in der Erzdiözese Freiburg. Gregor Linßen überzeugt Chorsänger davon, dass es gut ist, was sie tun. „Wenn der Zuhörer dann auch noch merkt, dass ein Chor hinter dem steht, was er singt, und dass Singen Freude macht, hat er eine noch größere Wirkung“, sagt der Komponist. Dass immer weniger Menschen in Chören singen, sieht der Rheinländer mit Besorgnis. Es könnte damit zu tun haben, dass Schüler schon fast keine Zeit mehr dafür haben, wie auch berufstätige Erwachsene zu viel Alltagsdruck aushalten müssten.

Für attraktive Chöre

Dem will man in Bonndorf entgegenwirken. Deshalb initiierte die Bonndorfer Netzwerk Idee (Boni) den Workshop für Chorsänger. Ein Zufall führte vor einem Jahr in Ewattingen Gregor Linßen mit Pfarrer Eckart Kopp zusammen. Daraus entwickelte sich die Idee des Workshops mit ihm. Sänger aus sämtlichen Ortsteilen von Bonndorf und Wutach, insgesamt aus zwölf Chören, nahmen nun daran teil.

„Wir wollten allen Sängern einen fachlichen Input und die Möglichkeit geben, sich gesangstechnisch zu verbessern sowie ihren Klang zu entwickeln“, erklärt Felix Schüle, der das Chorwochenende maßgeblich organisierte. „Außerdem wollen wir die Chöre zusammenbringen“, sagt er im Hinblick auf die Nachwuchsschwierigkeiten, die alle Chöre beschäftigen.

Felix Schüle und Anja Strittmatter organisierten den Chorworkshop und sorgten auch für die Bewirtung der Teilnehmer.
Felix Schüle und Anja Strittmatter organisierten den Chorworkshop und sorgten auch für die Bewirtung der Teilnehmer. | Bild: Martha Weishaar

Vielleicht eröffnet ein solches Gemeinschaftsprojekt – das nunmehr Dritte in vergleichbarer Art – neue Perspektiven, gibt Impulse, Neues zu wagen. Felix Schüle organisierte nicht nur, gemeinsam mit seiner Kollegin Anja Strittmatter bewirtete er die Workshopteilnehmer auch. Im Gottesdienst zeigten sich die Erfolge des Trainierens von Konsonanten oder Vokalen, dem Dehnen einzelner Silben und Übungen, die vermeiden, dass aus dem „Lamm“ ein „lahm“ wird. In der kurzen Zeit des Miteinanders hatte der Chor Lieder von Gregor Linßen einstudiert. „Wohl dem, der Freude hat an Gottes Wort“ oder auch „Let Us Break Bread Together“ sowie Linßens Lieder aus dem „Gotteslob“ zeigten, wie Kirchenmusik des 21. Jahrhunderts klingt. Tiefsinnige Texte in aktueller Sprache, eingebettet in lebendigen Rhythmus. Abgerundet wurde der Gesang durch Tim Fischers Orgelspiel, gelegentlich gar im Wechsel mit Gregor Linßens E-Piano zum Chorgesang. Über das Solokonzert von Gregor Linßen berichten wir noch.