Über enormen Verkehrslärm entlang der B 315 klagen Bewohner in der Bonndorfer Kernstadt. Bonndorf gilt als Knotenpunkt beliebter Motorradrundkurse. Maschinen prägen deshalb gerade wochenends das Verkehrsgeschehen im Städtchen und besonders an der Einmündung der Rothaus- in die Martinstraße. Jedoch nicht nur Motorräder sind dafür verantwortlich, zunehmender Beliebtheit erfreut sich Tunen und Autoposing.

Polizei

„Beschwerden über Raser und überhöhten Lärm sind ein Dauerthema und gehen meistens einher, egal ob es sich um hochgetunte Autos oder Motorräder handelt“, sagt Mathias Albicker, Pressesprecher der Polizei auf Anfrage. Bonndorf sei Dreh- und Angelpunkt für Motorradfahrer, führen doch einige der beliebtesten Strecken durch die Stadt, verrät er. Geschwindigkeitskontrollen von Motorradfahrern würden im Einzugsbereich der Polizeidirektion Waldshut außerorts mittels Laser- und Videotechnik vorgenommen. „Wir wollen Motorradfahrer ganzheitlich kontrollieren und unmittelbar mit ihrem Fehlverhalten konfrontieren“, begründet der Pressesprecher dieses Vorgehen. In Tälern wie dem Steinatal, Schlüchttal oder Albtal seien mobile Großmessgeräte für die Kontrollen von Motorrädern technisch sowieso nicht geeignet. Außerdem wäre es nahezu unmöglich, den jeweiligen Fahrer unter seinem Helm zu identifizieren. Und eine Halterhaftung besteht bei Motorrädern nicht. Innerorts ist allerdings nicht die Polizei, sondern der Landkreis für Geschwindigkeitskontrollen zuständig. Und stationäre Geschwindigkeitsmessgeräte gibt es im gesamten Landkreis nicht. Das sei politisch offenbar nicht gewollt, mutmaßt der Pressesprecher. Die Polizeimeinung sei gleichwohl eine andere. Der Landkreis Waldshut ist nämlich der einzige in ganz Baden-Württemberg, der auf stationäre Radaranlagen verzichtet.

Unfallzahlen

Die Unfallzahlen deuten ebenfalls auf ein gestiegenes Verkehrsaufkommen durch Zweiradfahrer hin. Allein im ersten Halbjahr 2018 gab es im Raum Bonndorf, Ühlingen-Birkendorf und Wutach 21 Motorradunfälle. Im gesamten Jahr 2017 waren es 13, ein Jahr zuvor 19. Erfreulicherweise gab es bisher keine Verkehrstoten. Die Zahl der Schwerverletzten in diesem Gebiet liegt im ersten Halbjahr bei zwölf. Im gesamten Vorjahr waren dies fünf, 2016 wurden zehn Personen bei Motorradunfällen schwer verletzt.

Straßenverkehrsbehörde

Peter Ackenheil, Leiter der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes, hält die Motorraddiskussion für ein „emotionales Thema“. Dass in der Grenzregion viele Fahrer aus der Schweiz unterwegs seien, für welche die hierzulande geltenden Bußgelder keine Abschreckung darstellen, könne durchaus eine Rolle spielen. Seiner Ansicht nach verhalte sich die Mehrheit der Motorradfahrer allerdings vernünftig, die Unvernunft einer Minderheit werde pauschalisiert. Auch Peter Ackenheil verweist auf die Problematik im Pkw-Bereich mit sogenannten Posern (deutsch: Posierende) und getunten Fahrzeugen. Die Zulassungszahlen im Landkreis Waldshut belegen die Zunahme. Gegenüber 9630 Motorrädern vor zehn Jahren sind heute 12 508 Maschinen angemeldet.

HTG-Tourismus

Gelegentliche Konflikte zwischen den Interessen ruhesuchender Schwarzwaldurlauber und dem hohen Verkehrsaufkommen durch Motorräder bestreitet auch der Pressesprecher der Hochschwarzwald-Tourismus GmbH nicht. „Der Schwarzwald bietet ideale Strecken für Motorradfahrer, doch wir bewerben das nicht besonders“, erklärt Herbert Kreuz auf Nachfrage. Hinsichtlich der Tourenvorschläge auf der Homepage der HTG verweist Kreuz darauf, dass man auf aggressive Werbung mittels Newsletters oder sozialer Netzwerke verzichtet. Dass Motorradfahrer im Schwarzwald anders unterwegs sind als andernorts bestätigte indes ein erfahrener Motorradfahrer aus dem Bodenseekreis. „Bei euch wird viel aggressiver und schneller gefahren als in anderen Gegenden“, beschreibt der Mann sein Empfinden. Und bestätigt damit ganz ungewollt den Eindruck verkehrsgeplagter Bürger.

Rathaus

Im selben Maß wie das Verkehrsaufkommen nehmen die Beschwerden zu. Nicht allein Anwohner entlang der Bonndorfer Ausfallstraßen, sondern Bürger aus beinahe dem gesamten Stadtgebiet beklagen zunehmenden Lärm, war aus dem Rathaus zu erfahren.

Anwohner

Wenn Gruppen 20 oder mehr Maschinen durchs Städtle fahren, klinge das irgendwie bedrohlich, gerade so, als würde ein Hornissenschwarm einfallen, beschreiben Einheimische ihr Empfinden. Viele gestalten deshalb ihr Freizeitprogramm an sonnigen Wochenenden bewusst fernab des eigenen Gartens oder Balkons, wo sie es sich eigentlich gerne bequem machen würden. Sie können den Lärm nicht aushalten. „Ich lade Gemeinderat und Bürgermeister am Wochenende in unseren Garten ein, damit sie den Krach mal selbst hören können“, sagt ein verärgerter Anwohner von „Vorderlinden“. Dass Raser und Lärmer, wie oftmals behauptet, nur wenige schwarze Schafe seien, kann der Mann nicht mehr hören. Ihm komme es eher so vor, dass diejenigen, die anständig fahren die Ausnahme seien. Derweil sind es nicht allein Zweiradfahrer, die für das hohe Verkehrsaufkommen und die Lärmbelästigung verantwortlich sind. Auch Cabriolet- oder Oldtimerfans zieht es während der Sommermonate an Wochenenden auf die Ausflugsstrecken.