Bonndorf Mix aus Kritik und Zuversicht bei SPD und CDU in Bonndorf

CDU-Mitglieder und Sozialdemokraten in Bonndorf zu Groko. Stimmen und Stimmungen aus Bonndorf.

Mitglieder und Inhaber von Vorstandsämtern aus dem CDU-Stadtverband und dem SPD-Ortsverein Bonndorf äußern sich gegenüber dieser Zeitung zu den derzeitigen Unruhen in den Reihen ihrer Parteien und dem Koalitionsvertrag.

  • Rolf Gantert, saß schon für die SPD im Kreistag, konnte bis zum „Salto-Schulz“ viele Entscheidungen mittragen. „Der Gang in die Opposition wäre der richtige Schritt gewesen.“ Nun seien die Koalitionsverhandlungen aber für die SPD gut gelaufen, jetzt nicht in die Regierung zu gehen, hält er für verantwortungslos. „Damit würde man die Leute vor den Kopf stoßen.“ Er hofft deshalb auf eine „vernünftige Mitgliederentscheidung und ruhigeres Fahrwasser für die Partei“. Mit Schulz habe die Partie daneben gelegen, die Erwartungen wurden nicht erfüllt: „Aber Gabriel war noch schlimmer! Die Personaldebatte ist nicht professionell über die Bühne gegangen.“ Er zeigt sich enttäuscht von den Querelen in der Partei, dem Theater um die Abstimmung und den Negativschlagzeilen nach den positiven Verhandlungen.
  • Tobias Pfendler, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbands in Bonndorf, gehört zu den jüngeren Mitgliedern. „Der Koalitionsvertrag trägt klar die Handschrift der SPD“, und das gefällt ihm ebenso wenig, wie der Verlust von Schlüsselministerien, wie das der Finanzen. Dass Kanzlerin Angela Merkel dies alles für das Kanzleramt opferte, glaubt er aber nicht: „Sie klebt nicht an ihrem Job, eher das Amt an ihr. Im Moment kann sie gar nicht zurücktreten, das würde ein Chaos auslösen.“ Pfendler ist überzeugt, dass die Kanzlerin den richtigen Moment für den Absprung nicht verpassen werde. „Ich könnte mir vorstellen, dass sie bis zur Mitte der Legislaturperiode einen Nachfolger aufbaut.“
    Tobias Pfendler, CDU Bonndorf
    Tobias Pfendler, CDU Bonndorf | Bild: unbekannt
  • Dieter Nieratschker, Schriftführer des CDU-Stadtverbandes und seit etwa vier Jahrzehnten Mitglied der Partei, sieht eine „aus meiner Sicht bereits verfahrene Situation“. Er hätte bei den Verhandlungen ein bessereres Ergebnis erwartet: „Die Hergabe des Finanzministeriums ist für mich eine Katastrophe. Mit Scheuble war zumindest noch ein Garant gegen eine weitere Ausdehnung der Vereinbarungen in Richtung Vergemeinschaftung aller finanziellen Risiken. Wir tragen jetzt schon eine schwere Bürde an uneingelösten Wechseln.“ Sollten die SPD-Mitglieder gegen eine Groko sein, müssten Neuwahlen her und alle Bürger müssen sich neu besinnen.
    Dieter Nieratschker, CDU Bonndorf
    Dieter Nieratschker, CDU Bonndorf | Bild: Gerald Edinger
  • David Strittmatter, Juso Mitglied aus Bonndorf, spürt die Unruhe an der SPD-Basis. Und er glaubt, dass es einige Zeit dauern wird, diese Wunden zu kurieren. Er ist zuversichtlich, dass sich die Mitglieder mehrheitlich für die große Koalition mit der CDU entscheiden. Dafür habe Martin Schulz viele Opfer gebracht. Strittmatter mahnt aber alle SPD-Mitglieder, die Entscheidung anzunehmen, egal wie sie ausfallen sollte. „Ziel muss es sein, die Partei zu erneuern, sich auf ihre Grundwerte zu besinnen und wieder zu alter Kraft zu finden“, sagt Daniel Strittmatter. Der aktuelle Zustand der Partie kann so nicht gewünscht sein, es müsse kritisch hinterfragt werden, was falsch gelaufen sei. Am Ende müssen Entscheidungen getroffen werden, die die Basis sie mittragen könne.
    David Strittmatter, Juso aus Bonndorf
    David Strittmatter, Juso aus Bonndorf | Bild: Gudrun Deinzer

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